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Marillion: Sounds That Can't Be Made

Kein besonderes Highlight in der Diskographie der Briten
Wertung: 6.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 74:19
Release: 14.09.2012
Label: earMUSIC (Edel)

Wenn man als Proghead bevor die CD im Schacht liegt anhand des Promozettels sieht, dass sich auf der Scheibe ganze drei Longtracks von über zehn Minuten Länge befinden, lacht das Herz schon gleich mal prophylaktisch, auch wenn Länge allein selbstredend keine Qualität garantiert. Allerdings haben Marillion in der Vergangenheit ja schon den ein oder anderen Song mit Überlänge fabriziert und verstehen sich auf diese Kunst. Dennoch: Ich habe die Band in den letzten Jahren doch ein wenig aus den Augen verloren und ihre Karriere seit dem formidablen Doppelalbum „Marbles“ von 2004 nicht mehr wirklich verfolgt. Dabei waren die Engländer wahrlich nicht faul und haben seitdem mit drei weiteren Alben nachgelegt (der 2008er Release „Happiness Is The Road“ war sogar ein weiterer Doppeldecker) – allerdings war die Band schon immer äußerst veröffentlichungswütig. Neben zahlreichen weiteren Live-CDs und -DVDs, die teilweise lediglich über die Website des Fünfers erhältlich sind, spricht allein die Tatsache, dass es sich beim vorliegenden „Sounds That Can’t Be Made“ um das dreizehnte Studioalbum seit Steve Hogarths Einstieg im Jahre 1989 handelt, eine deutliche Sprache.

Bei so viel Quantität muss die Qualität doch zwangsläufig irgendwann auf der Strecke bleiben, sollte man meinen. Tatsächlich stellt das insgesamt siebzehnte Studioalbum der Briten kein besonderes Highlight in der Diskographie dar. Dass das mit Abstand längste Stück „Gaza“ (stolze 17 Minuten und 31 Sekunden Dauer) direkt an den Anfang gestellt wurde, macht die Angelegenheit ohnehin nicht gerade leicht, ist aber immerhin ziemlich mutig und außerdem sind für Marillion-Fans derartige Längen (siehe oben) schließlich nichts völlig Ungewöhnliches. Des Weiteren ist man so umgehend gezwungen, sich von Anfang an voll auf die Scheibe zu konzentrieren. Der Nachteil ist: Das Beste wird gleich zu Beginn verfeuert, denn „Gaza“, das, wie der Songtitel bereits impliziert, vom Gazastreifen handelt und aus der Sicht eines Jungen, der dort aufwächst, geschrieben wurde, markiert eindeutig die stärkste Komposition auf „Sounds That Can’t Be Made“.

Das Epos beginnt mit orientalischen Klängen, die das Grundgerüst für ein für Marillion-Verhältnisse sehr heftiges, wuchtiges Riff bilden, das sich alsbald mit melodischeren Sequenzen abwechselt. Zur Mitte hin wird die Nummer zunächst sehr viel ruhiger, bis ein stampfender Part, der von Fanfaren-artigen Klängen begleitet wird, einsetzt, der dann erneut von einem ruhigen, psychedelisch angehauchten Teil kontrastiert wird. Das Finale ist dann sehr feierlich gestaltet und von schönem E-Gitarrenspiel Steve Rotherys untermalt. Das klingt zunächst einmal nach viel Stückwerk, doch nach ein paar Durchläufen wird die Struktur allmählich klarer.

Zumal die beiden anderen Mammutstücke „Montréal“ (14 Minuten) und das abschließende „The Sky Above The Rain“ (zehneinhalb Minuten) leider nicht an dieses Niveau heranreichen können; hier plätschert dann doch zu viel eher Verzichtbares vor sich hin und es wird nicht recht auf den Punkt gekommen, obwohl unzweifelhaft auch hier einige sehr hübsche Melodien zu finden sind. Das ist allerdings generell ein bisschen das Problem der Platte: Es fehlen wirklich zündende Hooks, die Kompositionen scheinen nicht immer ausgereift, weil viel Brauchbares durch Unnötiges in die Länge gezogen beziehungsweise neutralisiert wird. Das Titelstück ist insgesamt auf der Habenseite zu verbuchen, „Pour My Love“ hingegen verliert sich total in der Bedeutungslosigkeit, und „Power“, „Lucky Man“ und „Invisible Ink“ wiederum sind Stücke, die man als „nett“ bezeichnen kann, die aber trotzdem nichts darstellen, das in irgendeiner Weise aufsehenerregend wäre.

Alles in allem ist „Sounds That Can’t Be Made“ ein Album, das man sich gut nebenbei anhören kann, das aber im Vergleich zu vielen anderen Outputs im Backkatalog der Insulaner keine große Rolle spielt. Klar, Marillion verstehen es schon immer noch, eine melancholische und zerbrechliche Atmosphäre aufzubauen, die in ihrer Weise einzigartig ist, und Steve Hogarth ist nach wie vor einer der eigenständigsten und emotionalsten Sänger überhaupt, aber es herrscht doch zu viel einschläferndes, um nicht zu sagen langweiliges Material auf dem Album vor, um von einem gelungenen Werk zu sprechen. 6,5 Zähler darf man wegen des großartigen Openers und weil es handwerklich und produktionstechnisch natürlich nichts zu meckern gibt, aber noch geben.

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