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Marduk: Viktoria

Brauchbare Scheibe, ohne an die unmittelbaren Vorgänger heranzukommen
Wertung: 7,5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 32:54
Release: 22.06.2018
Label: Century Media

Seit 1990 wildern Marduk nun schon durch schwarzmetallische Gefilde und veröffentlichen seitdem in schöner Regelmäßigkeit eine Abrissbirne nach der anderen, ohne dass es jemals einen Totalausfall gegeben hätte. „Viktoria“ markiert nun das bereits 14. Studioalbum der Schweden um Reizfigur Morgan Steinmeyer Håkansson – eine stolze Bilanz in 28 Jahren Bandhistorie. Die inhaltliche Variabilität der in den Songs behandelten Themen hielt sich trotz dieses gigantischen Outputs indes bekanntermaßen in Grenzen: Einfach heruntergebrochen wird sich stets Krieg und Blasphemie/Satanismus gewidmet.

Auch auf „Viktoria“ gilt das Hauptaugenmerk dem Themenbereich Zweiter Weltkrieg, dies zeigt bereits der Titel des Openers „Werwolf“ auf, der nicht umsonst in deutscher Schreibweise dargestellt wird. Hierbei handelt es sich nämlich nicht um mystische Fabelwesen, die sich bei Vollmond von einem Menschen in einen Wolf verwandeln, sondern eine von SS-Chef Heinrich Himmler im September 1944 (also lediglich ein Dreivierteljahr vor Kriegsende) ins Leben gerufene Freischärlerbewegung, die als eine Art Terrororganisation aus dem Untergrund operieren und vornehmlich Attentate gegen die alliierten Besatzer verüben sollte. Ein weiteres sinnloses Unterfangen der Nazis, die drohende (bzw. zu diesem Zeitpunkt ja schon praktisch beschlossene) Niederlage abzuwenden, bei der man wie auch die Wehrmacht in den letzten Kriegsjahren rücksichtslos Rekruten einzog, die noch halbe Kinder waren – manchmal erst 13 Jahre alt.

Dies dürfte auch der Grund sein, weswegen im Refrain dieser sehr spartanisch gehaltenen Nummer Kinderstimmen zu hören sind – makaber, aber durchaus passend und effektiv. Der nur zwei Minuten lange Song selbst gehört mit seiner punkigen Stumpfheit mit Sicherheit nicht zu den besten Marduk-Kompositionen, allerdings setzt er sich wegen seiner Einfachheit auch zugegebenermaßen schnell in den Hirnwindungen fest. Außerdem ist es immer wieder schön, wenn gerade ein solches Urgestein wie die Schweden einen Scheiß um die Borniertheit der ewigen Black-Metal-Meckerfritzen gibt, die sich nach der Veröffentlichung jenes Songs auf YouTube wieder mal das Maul zerrissen haben, anstatt das ganze Album abzuwarten.

Zumal die Band bereits mit dem nächsten Track wieder damit weitermacht, wofür sie am besten bekannt ist: Gnadenloses Hochgeschwindigkeits-Schwarzmetall der Marke „keine Gefangenen“ – mit „June 44“ gleich äußerst stark umgesetzt, insbesondere durch Mortuus’ fieses Mitgekreische der Hauptmelodie (falls das Wort „Melodie“ im Zusammenhang mit Marduk überhaupt erwähnt werden darf/ kann) im Refrain maximal effizient dargeboten. Sehr geiler Track, der für den etwas ernüchternden Auftakt entschädigt.

Ebenso erweist sich „Equestrian Bloodlust“ als Prügelorgie allererster Couleur, die durch gut platzierte Spannungspausen sowie ein wiederum recht eingängiges Mainriff ebenfalls zu überzeugen versteht. Da zeigt sich dann die Erfahrung eines Morgan Håkansson – wer schon so lange im Geschäft ist, beherrscht natürlich sein Handwerk. Erst mit dem bösartig schleppenden „Tiger I“ wird dem Hörer ein wenig Gelegenheit zum Durchschnaufen gegeben – gegen Ende werden jedoch auch hier merklich das Tempo angezogen und die Blastbeats ausgepackt.

Auch wenn sich das Quartett längst nicht mehr bloß noch in Raketengeschwindigkeit wie in vergangenen Tagen durch die Botanik holzt, so bleibt dies natürlich trotzdem das Markenzeichen der Band und so wird auch in „Narva“, dem Titeltrack „Viktoria“ sowie „The Devil’s Song“ in hasserfülltester Weise geknüppelt, bis der Arzt kommt. Hingegen erweist sich „The Last Fallen“ als gekonnte Mischung aus Groove und Geschwindigkeit, was für gelungene Abwechslung sorgt, während mit der Abschlussnummer „Silent Night“ noch einmal ein langsames Stück vorliegt, das erstaunlich feierlich daherkommt und fast ein wenig Satyricon atmet.

Alles in allem liefern Marduk in Form von „Viktoria“ erneut eine mehr als brauchbare Scheibe ab, die zudem stark produziert wurde – alles tönt ziemlich klar und differenziert und klingt trotzdem sehr authentisch, Mortuus bringt erneut eine hervorragende Gesangsleistung; dennoch rissen gerade die beiden Vorgänger mehr mit und boten einfach noch mehr Abwechslung. Und nun ja, 33 Minuten für ein Full-Length-Album sind auch nicht sonderlich viel. Daher eine solide Platte, aber sicher bei weitem nicht die beste in der umfangreichen Marduk-Discographie.

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