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Marduk: Rom 5:12

Unerwartet doch noch vollkommen überzeugt
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 55:35
Release: 24.04.2007
Label: Regain Records

Da ist sie nun. Die neue Marduk. Album Nummer zehn, mit ganzen zehn neuen Tracks, aber auch mit zehn Punkten bewertet? Leider kann ich das nur verneinen, aber wer glaubt Marduk hätten mal eben wieder ein Album veröffentlicht, das so oder so wie der Vorgänger klingt, dem kann ich nur widersprechen. Denn ich hatte so meine Startschwierigkeiten mit „Rom 5:12“, die mittlerweile aber purer Zufriedenheit gewichen sind.

Wie der Titel in Verbindung mit dem Cover erahnen lässt, ist das Mittelalter Ort des Geschehens, was Panzer und Kriegssamples dieses Mal ausschließt. Neben dieser kleinen (eher unwichtigen) Änderung, fällt auch sofort auf, dass der Gesang von Mortuus wesentlich besser zur Geltung kommt als noch auf der „Plague Angel“. Endlich klingt er so, wie man es schon auf der „Warschau“ Live CD und der „Blood Puke Salvation“ DVD hören konnte. Doch die größte Änderung im Vergleich zum Vorgänger ist das Songwriting, denn das ist im Schnitt wesentlich langsamer und atmosphärischer ausgefallen als bisher. Dies ist auch der Grund, warum ich solche Startschwierigkeiten hatte, denn wenn man Marduk einlegt, erwartet man eigentlich Gebolze und als ich das nicht bekam, war ich verwirrt. Aber nun mal der Reihe nach.

Den Anfang macht „The Levelling Dust“ nicht im Blast, sondern im Midtempo mit einem sehr netten Groove. Mortuus schreit, jammert und röchelt wunderbar und sofort fällt auf, dass auch Emil an den Drums mehr zu machen scheint als sonst. Mehr Feinheiten in den Fills und auch die Abwechslung sind nicht zu überhören, und dass ändert sich auf dem Rest des Albums auch nicht. Immerhin soll ja dieses Album sein letztes für Marduk sein und die teils ruhigeren Songs ermöglichen ihm natürlich auch mehr Möglichkeiten, die er wunderbar nutzt.

Bei „Could Mouth Prayer” wird dann in völliger Old-School Tradition heruntergebolzt. Leichter Hall auf dem Gesang und der Snare und auch die Gitarren klingen an den richtigen Stellen eher frostig als wuchtig. Gelegentlich wird das Tempo durch die Drums etwas gedrosselt und wunderbar mit Doublebass unterlegt. Interessant ist, dass der alte Sänger Joakim Göthberg sich ein nettes Duett mit Mortuus liefert.

Mindestens genauso an alte Zeiten erinnernd ist „Imago Mortis“ ausgefallen. Mit langsamen Drumpart beginnend, erinnert dieser Song von der Art her sehr an den Klassiker „Wolves“ von der „Those Of The Unlight“. Nur das hier keine schnellen Parts gespielt werden, sondern eher atmosphärische, melodiöse Parts, die wirklich klasse und ungewohnt für Marduk klingen. Besonders die Länge von fast acht Minuten ist eher ungewöhnlich.

Die typischen Marduk-Gewittersongs bestehen hier aus „Through The Belly Of Damnation“, „Limbs Of Worship“ und „Vanity Of Vanities“. Wobei dennoch jeder wieder soviel Abwechslung besitzt, dass er nicht einfach nur ein weiterer Song ist.

„Through The Belly Of Damnation“ hat eine sehr coole Stelle, die allein durch den Bass eingeleitet wird, woraufhin erst einmal vier Takte gebolzt wird und dann durch eine sehr gelungene Drumuntermalung ein Groove erzeugt wird, dass man einfach nur bangen möchte. Gegen Ende herrscht ein Wechselbad von Melodie, Blast und Groove und alles passt super zusammen. Aus diesem Stoff besteht auch „Limbs Of Worship“; die perfekten Tempiwechsel an den richtigen Stellen. „Vanity Of Vanities“ hingegen hat den größten Blastanteil, dafür aber den genialsten Part zum Bangen ab der Mitte. Denn hier wird mit wunderbarer Doublebass untermalt ein Riff gezaubert, dass mich doch stark an den Bridgepart von „Violate“ von Iced Earth erinnert. Wer da nicht bangen möchte, den kann ich nicht verstehen.

Kommen wir zur Perle des Albums. „Accuser/Opposer“ ist zwar nur ein auf ca. zwei oder drei Riffs bestehender Songs, aber meine Güte, was für einer. Mit einem lateinischen Gebet (wohl der Papst) fängt das gute Stück an, dann ertönt eine tolle Melodie untermalt mit stampfendem Bass und Drums. Mortuus Stimme zerreisst die „Stille“ wunderbar, aber was den Song so besonders macht ist der Gesang von Primordial´s Alan. Zu diesem stampfenden, atmospährischen Song passt der raue Cleangesang einfach nur perfekt und veredelt diesen Song ungemein. Dabei passiert eigentlich nicht viel, doch der grollende Bass und die kleinen Wechsel im Drumming retten vor Langeweile. Ab der 6. Minute ertönt dann auch noch ein kirchlicher Männerchor, der die letzten zweieinhalb Minuten mit einer kleinen Gänsehaut verstreichen lässt.

Abgesehen vom unspektukulären „1651“, dass in Zusammenarbeit mit Arditi entstanden ist und eher einem Intro gleicht gibt es mit „Womb Of Perishableness“ und „Voices From Avignon“ zwei weitere gute Songs. „Womb Of Perishableness“ beginnt unglaublich rockig und ist ebenfalls im Midtempo gehalten, aber dafür auch hier mit stellenweise sehr tollen Melodien. Sogar ein kleines Solo ziert den Song, doch man hätte ein paar Stellen, an denen der Bass nur zu hören ist, etwas kürzen können. Dafür das man nur den Bass hört, sind drei langsam gespielte Töne leider zu unspektakulär. Allerdings ist der Gesang von Mortuus wieder klasse, denn er zeigt hier auch mal andere Facetten. Im letzten Song wird man wieder in einen Blast hineingefadet, aber auch hier wird durch das sehr coole Drumming immer für genügend Abwechslung gesorgt wie auch durch die Riffs eines Morgan Hakansson. Mit einem recht melancholisch klingendem Sample eines alten Liedes aus einem Film oder Song, dass mich irgendwie an die Zwanziger Jahre erinnert, endet nach über 55 Minuten „Rom 5:12“.

Als ich die CD das erste Mal durchgehört hatte, dachte ich mir „ganz nett“. Ich erwartete halt Marduk mit Blast und den üblichen Groovesongs. Wenn ich dann ruhige Sachen höre, die atmosphärisch klingen und nichts schnelles kommt, dann verwirrt mich das und ich empfinde es zunächst als langweilig. Aber dieses Album wuchs bei mir mit jedem weiteren Hören. Klar hat man das eine oder andere Riff schon einmal irgendwie in ähnlicher Form gehört, aber im Gesamten juckt mich das herzlich wenig. Denn die Songs haben mich mittlerweile gepackt. Nachts mit „Accuser/Opposer“ über die eine leere Bundesstraße zu fahren ist einfach nur klasse. Erwartet nun keine progressiven Brocken, das sage ich euch gleich, aber unter dem Banner Marduk ist es einfach schon etwas tolles solche Abwechslung auf einem Album zu haben.

Mein Fazit: „Rom 5:12“ ist mit „La Grande Danse Macabre“ das wohl zugänglichste Album der Schweden. Aufgrund des Wechsels von schnellen und ruhigen Songs kommt keine Langeweile auf und das Album gefällt bei mehrmaligem Hören immer mehr, zumindest bei mir. Marduk klingen erfrischend neu und dennoch an vielen Stellen unglaublich nach alten Tagen, das betrifft das Songwriting wie auch die Produktion von Devo Andersson. Ein Mortuus in Bestform, ein sehr abwechslungsreicher und begabter Emil an den Drums und über allem schwebt ein Morgan Hakansson mit seinen Riffs. Was will man mehr? Allein aus dem Grund, dass sie mal etwas anderes gemacht haben, ist die Scheibe toll.

„Rom 5:12“ hat mich unerwartet doch noch vollkommen überzeugt, wenn auch nicht beim ersten Mal.

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