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Mar De Grises: Streams Inwards

Experimentiertfreudiger Death-Doom
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal/Melodic Death Metal/Progressive Metal
Spielzeit: 47:08
Release: 27.08.2010
Label: Season Of Mist

Aus dem sonnigen Chile stammend, veröffentlichen Mar De Grises ihr nunmehr drittes Album „Streams Inwards“, das so gar nicht zum warmen Klima des Heimatlandes der Truppe passen will. Verschrieben hat man sich der Kombination aus Doom und Melodic Death Metal, die sich in letzter Zeit durch Bands wie Ghost Brigade und Swallow The Sun steigender Beliebtheit erfreut – Mar De Grises erinnern mit ihren komplexen Songs und den zahlreichen Experimenten dabei aber eher an Erstere und laden zu einem facettenreichen, aber schwer zugänglichen Hörerlebnis ein.

Bewegte man sich auf vergangenen Releases noch häufiger im Funeral Doom, so ist die Geschwindigkeit dieses Mal eher im langsamen Midtempo angesiedelt, obwohl noch immer häufig Ausflüge in die Zeitlupe unternommen werden. Besonders charakteristisch für die Band ist das intelligente Gitarrenspiel, das sie von den meisten Genre-Kollegen deutlich abhebt: Die Riffs und Lead-Melodien sind perfekt aufeinander abgestimmt und vor allem in ihrer Variabilität beeindruckend, denn Wiederholungen sind eher eine Ausnahme und werden gegebenenfalls bewusst eingesetzt, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen – womit wir auch schon beim Stichwort für ein anderes herausragendes Merkmal der Band wären, denn obwohl dieses im Genre üblich ist, können Mar De Grises auch hier durch einige interessante Ansätze glänzen. Während durch die Doom-Anteile erwartungsgemäß die Schwermut gefördert wird, sorgen die Post-Rock-Elemente und die sphärischen Keyboards für ein melancholisches, schwebendes Gefühl, das durch den durchdringenden Klargesang, der den hauptsächlich verwendeten gurgelnden Screams und Growls entgegensteht, optimal ergänzt wird.

Auf diese Weise diverse Genres in einen Topf zu werfen, ist sicherlich kein Novum, aber die unterschiedlichen Stile geschickt miteinander zu verbringen, darf ruhig schon als Kunststück angesehen werden – ob nun eher simple Kombinationen wie die Mischung aus Doom und Melo Death in „Starmaker“, die von den dynamischen Tempowechseln lebt oder durchdachte Konstrukte wie „Knotted Delirium“, in dem Funeral Doom, Post-Rock, Klavier-Passagen und ausdrucksstarker klarer Gesang untergebracht werden, ohne dass der Spielfluss gestört wird. Trotz diesen immer wieder auf dem Album auftauchenden Hybriden sind die unterschiedlichen Spielarten auch in getrennter Form zu finden: Während sich „Spectral Ocean“ gänzlich ohne Gesang als eine düstere Soundcollage aus Post-Rock und Noise präsentiert, vertritt „A Sea Of Dead Comets“ den typischen Death-Doom-Song samt schleppenden Passagen und Akustik-Intermezzi.

Ihren gelegentlichen Hang zu Experimenten leben Mar De Grises auch auf „Streams Inwards“ zeitweise aus: „Catatonic North“ bietet Wechselspiele zwischen atmosphärischen Passagen mit tollem Klargesang, die deutlich an Anathema erinnern und verzweifelten Wutausbrüchen, die von den rauen Schreien angemessen unterstützt werden. Komplettes Neuland betritt die Truppe mit dem Bonustrack „Aphelion Aura“, der außer der finsteren Stimmung mit dem Rest des Albums nicht viel gemeinsam hat. Statt harten Gitarren bekommt der Hörer Klänge vorgesetzt, die eher an die späteren Werke The Gatherings erinnern. Statt dem üblichen Gesang ist hier eine weibliche Stimme zu vernehmen, die mit ihrer dunklen Stimmfärbung gut in das von Ambient und IDM beeinflusste Stück passt – gegen Ende leitet dann eine klassische Klavier-Passage zu einem düsteren Post-Rock-Crescendo über, das das Album würdig ausklingen lässt.

„Stream Inwards“ ist ein Album, das den Doom Metal nicht revolutioniert, aber ihn um einiges facettenreicher wiedergibt, als man ihn auf vielen aktuellen Releases aus diesem Bereich vorfindet. Die Chilenen sind ohne Frage hervorragende Songwriter und verstehen es, ihre verschiedenen Einflüsse schlüssig in ihren Stücken unterzubringen und diesen so eine hervorragende Dynamik zu verleihen – der Haken hierbei ist jedoch, dass durch die Vertracktheit der Songs schnell die Aufmerksamkeit des Hörers verloren geht, denn bei den ersten Durchgängen wirken die Songs alle recht ähnlich. Wer sich aber wirklich auf das Album einlässt und den Songs Zeit gibt, sich zu entfalten, wird mit einem vielschichtigen, emotionalen und atmosphärischen Werk belohnt, das zum Besten gehört, das es zurzeit in der Schnittmenge zwischen Doom und Melodic Death Metal zu finden gibt.

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