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Mantric: The Descent

Intelligente Arrangements, beeindruckende Sänger-Kombination
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 50:37
Release: 30.04.2010
Label: Prosthetic Records

Wir schreiben das Jahr 1994. Die beiden Gitarristen Tor Glidje und Ole Sveen, sowie der Bassist John Mjaaland frönen der brotlosen Kunst in der Technical Death Metal- und späteren Progressive Death Metal-Combo Extol im schönen Norwegen. Wir wagen einen kleinen Zeitsprung und sehen die gleichen Typen ganze 13 Jahre später in ihrer neuen Band Mantric, die sie zusammen mit Drummer Kim Akerholdt und Keyboarder Anders Lidal zusammengetrommelt haben. Ole ist zwischenzeitlich vom schnöden Gitarristen zum Sänger, Saitenzupfer und Violinisten aufgestiegen, Tor hat seinem Repertoire ebenfalls Gesang und Percussion hinzugefügt und auch John darf nun ans Mikro.

Soviel zur etwas chaotischen Verteilung der Aufgaben innerhalb der Band. Was anmutet wie eine zusammengewürfelte Gruppe, in der jeder mal ein Instrument halten darf, ist in Wahrheit eine Ansammlung gestandener Musiker, die das tun, was sie am Besten können, nämlich progressiven, leicht verwirrten Metal produzieren, dem man anhört, dass das Herzblut der fünf Musiker zu 110 Prozent hineinfließt. Inzwischen hat das Label Prosthetic Records (bei dem unter anderem auch die französischen Gojira und die Amis von Skeletonwitch unter Vertrag sind) sich des Quintetts angenommen, das auf ihrer Debütscheibe eine Mischung aus den verzweifelt-verfrickelten Katatonia, den verzerrten Deftones und einer Portion künstlich-fragiler Soundlandschaften darbietet.

Man sagt ja gemeinhin, viele Köche verderben den Brei, doch bei Mantric hat die heilige Dreifaltigkeit am Mikro durchaus ihre Berechtigung: Jeder der drei (Teilzeit-)Sänger fügt seine eigene Persönlichkeit zu den Songs hinzu und man kann sich beim Hören kaum vorstellen, wie die Stücke ohne diese oder jene gesangliche Nuance ausgekommen wären. Doch auch rein instrumental hat der Fünfer aus Oslo einiges zu bieten: Schon der Opener „Asylum 2013“ baut immer wieder kleine Spannungsbögen auf, bei denen man dasitzt und auf einen Ausbruch wartet. Da erklingen verspielte Gitarren, es wird scheinbar gedankenverloren an einer Mandoline gezupft und dann erscheint eine Gitarrenwand, die kurz auflodert, um dann wieder einer schönen, aber bedrohlichen Melodie Platz zu machen. Erst bei „Tower Of Silence“ werden die Vocals präsentiert: eine Mischung aus verzweifelt-aggressivem Geschrei und leicht sphärisch-verzerrtem, an die Deftones erinnernden Gesang. Im Chorus erst kommt klarer Gesang zum Vorschein, der die verstörenden Eindrücke ein wenig abbremst.

Doch es geht auch anders: „The Invasion“ macht seinem Titel alle Ehre, von verzerrtem, gruselig anmutenden Gesang, über wunderbar aggressiven Gesang bis hin zu klaren Vocals im Refrain ist alles dabei, was die Stimmbänder hergeben. Unnütz zu erwähnen, dass Mantric auch hier eine einmalige Stimmung aufbauen, die den Hörer absolut fesselt. Auch die Abwechselung kommt nicht zu kurz: Während „Cognitive Cocaine“ anfangs klingt wie Kings Of Leon und „Choice“ einen leicht psychedelischen Touch versprüht, kommt „Dark Passenger“ mit seinen Shoutings und den teilweise eingestreuten, doch etwas zaghaften Growls schon sehr heavy daher. Mit dem fast sechsminütigen Instrumental „Uro“ als letztem Song findet sich noch einmal eine waschechte Lehrstunde in Sachen melodiöse Gitarrenarbeit und verstörende Eindrücke auf der Platte: von klaren Gitarrenpassagen bis zu wahren Brettern ist hier alles dabei, teilweise untermalt von verzerrt knisternden Samples, die dem Ganzen eine düstere Atmosphäre verleihen.

Die Scheibe an sich macht es eigentlich unnötig, ein Fazit zu ziehen. Anhören muss man sich die zwölf Stücke definitiv mehrmals, um jeden Klangschnipsel in sich aufnehmen zu können, aber das macht die Platte nur umso spannender und vielfältiger. Für ein Debütalbum eine sehr starke Leistung, mit der Mantric sich den Plattendeal mit Prosthetic mehr als verdient haben.

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