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Manowar: The Lord Of Steel

Gute erste, schwache zweite Hälfte - wirklich überzeugen kann auch dieses Album nicht
Wertung: 5.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 47:50
Release: 16.06.2012
Label: Magic Circle Entertainment

Es mag dem ein oder anderen Leser wie ein Déjà-vu vorkommen, wenn ich das Review zu „The Lord Of Steel“ mit der Feststellung einleite, dass Manowar es in der letzten Zeit nicht leicht hatten, denn genau das sagte auch Ex-Kollege Benjamin Verwold am Anfang seiner Rezension zum letzten Studio-Output „Gods Of War“. Dass sich seitdem nicht viel geändert hat, wäre jedoch noch untertrieben, vielmehr müssen die Amerikaner um Obergroßkotz Joey DeMaio inzwischen noch mehr Kritik einstecken. Kein Wunder allerdings, denn kein Mensch bei klarem Verstand konnte an der 2007er Platte irgendetwas Gutes finden – das Teil war ein Totalausfall, eine einzige Katastrophe, eines der langweiligsten Metalalben der letzten Jahre (zumindest von einer Band mit diesem Bekanntheitsgrad und einstmals großem Renommee) und der letztlich erfolgreiche Versuch, den eigenen legendären Ruf, den man sich dank einer Reihe von Klassikerwerken erspielt hatte, kaputtzumachen.

Dass man nach dieser schwachen Kür als Hörer nicht gerade mit großer Erwartungshaltung an die neue Scheibe herangeht, ist wohl klar, ebenso klar wie, dass Joey DeMaio im Vorfeld des Releases mal wieder große Töne spuckte, unter anderem war die Rede von „einem Basssound, der selbst dem Tod trotzen könnte“. Führt man sich das Album nun zu Gemüte, muss man sich anhand dieses Kommentares erneut fragen, in was für einer Welt der Manowar-Bandleader eigentlich lebt. Sein ganzes selbstherrliches Gelaber, wie true und wie Metal seine Band und er denn seien etc. pp., darf man peinlich finden, aber trotzdem damit abtun, dass es eben zum Image dazugehört, und sich vielleicht sagen, dass der das ansonsten vielleicht gar nicht so ernst meint, oder man kann es als Versuch werten, dass er damit nur Kritik – gegen die er sich ja stets äußerst resistent zeigt – von sich abprallen lassen will. Doch wenn es um musikalische und Soundaspekte geht, ist das schon etwas anderes; wenn man das völlig undifferenzierte, übersteuert-verzerrte Gedröhne, das der Tieftöner abgibt, aus der Anlage schrammeln hört, muss einem eine solche Äußerung ziemlich realitätsfern vorkommen.

Überhaupt ist die Produktion erneut vollkommen missraten; Karl Logans Gitarre klingt bei den Soli alles andere als mächtig, sondern dünn wie und je, und die Rhythmusparts gehen im Bassbrei häufig mehr oder weniger unter. Richtig grauenhaft allerdings ist der Drumsound: Hier wurde ganz offensichtlich getriggert, alles hört sich gleich an, vor allem die Becken klingen schrecklich steril – und dummerweise steht dieses seelenlose Keksdosen-Gedöns auch noch ziemlich im Vordergrund. Unbegreiflich; wenn Herr DeMaio davon schwadroniert, wie sich alles auf der Platte um „Brutalität“ und „rohe Kraft“ dreht, muss er sich bei solchen Ambitionen auch diesmal (zum mittlerweile x-ten Mal) die Frage gefallen lassen, wann er mit seiner Band endlich mit einer ordentlichen Produktion an den Start geht, die – um in der Manowar-Sprache zu bleiben – tatsächlich killt.

Allerdings fällt der maue Sound beim Opener und gleichzeitigem Titeltrack irgendwie noch gar nicht so richtig auf, wahrscheinlich, weil es sich hier schlicht und ergreifend um eine richtig geile Nummer handelt, die mit einem catchy Mainriff und einem epischen Chorus glänzt, und bei der man sich dabei erwischt, wie man schnurstracks aufsteht und bangt – voller Euphorie, dass dieser ordentlich Dampf machende, treibende Hammer ein Album einleitet, das – gerade nach einer Pause von immerhin fünf Jahren – wieder richtig stark geworden ist, an vergangene Großtaten anknüpft und den Sondermüll namens „Gods Of War“ vergessen lässt.

Tatsächlich stellt sich auch das folgende „Manowarriors“ als eine neue amtliche Live-Hymne heraus, bei der bei den nächsten Konzerten garantiert ordentlich „fists of steel“ die Luft durchschneiden und tausende Kehlen den Refrain mitgrölen werden. Das düstere „Born In A Grave“, in dem Eric Adams zum Teil fast flüstert, verbreitet dann leicht mystisches Flair und kann ebenfalls zumindest einigermaßen überzeugen, ebenso wie „Touch The Sky“, welches erneut sehr hymnisch daherkommt. Selbst die Powerballade „Righteous Glory“ ist wenigstens musikalisch gesehen keine vollkommene Plattheit geworden, kann allerdings auch nicht wirklich gegen „Heart Of Steel“ oder „Master Of The Wind“ anstinken.

Danach geht es songschreiberisch aber leider deutlich bergab. „Black List“ kommt nicht auf den Punkt und nervt mit einem furchtbar öden Drumbeat und „Expendable“ und „Annihilation“ sind einfach nur langweilig und völlig austauschbar. Das abschließende „Hail, Kill And Die“ hingegen ist sogar als regelrechtes Ärgernis zu bezeichnen – da sind kaum richtige Riffs oder Melodien zu erkennen, keine Ahnung, wie man das nennen soll, auf jeden Fall ist es unfassbar billig. Einen Lichtblick in einer sehr schwachen zweiten Hälfte bildet zwischendurch immerhin noch „El Gringo“, bei dem das Quartett noch ein letztes Mal beweist, dass hin und wieder eben doch die Songwriting-Klasse von früher aufblitzt.

Leider aber passiert dies inzwischen viel zu selten, wenn auch häufiger als auf „Gods Of War“, was jedoch auch keine große Kunst ist. Zweifellos ist „Lord Of Steel“ besser als jenes unsägliche Machwerk, aber trotzdem gibt es nach wie vor mehr Schatten als Licht zu verzeichnen. Immerhin werden wir diesmal von pseudo-Hörspiel-mäßigem Gelaber, stundenlangen Intros und größenwahnsinnigen Wagner-Vergleichen im Vorfeld verschont. Auch das Cover ist dankenswerterweise nicht so furchtbar peinlich wie das der letzten Langrille. Dass die Texte selbstverständlich mal wieder Fremdschämen vom Allerfeinsten darstellen, dürfte wohl klar sein, aber die musste man ja schon immer versuchen auszublenden, wenn man sich nicht selbst erschießen will – oder eben drüber lachen. Alles in allem wird die Gesamtwertung durch den frappierenden Leistungsabfall in Hälfte zwei und die ziemlich grottige Produktion deutlich nach unten gezogen. Zwei geile und ein paar ganz gute Songs sowie ein solide singender Eric Adams, der leider kaum mal einen seiner berühmten Schreie vom Stapel lässt, reichen bei Weitem nicht aus, um im oberen Tabellendrittel zu landen.

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