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Manowar: Gods Of War

Die perfekte Parodie auf Manowar....leider von der Band selbst.
Wertung: 3.5/10
Genre: Es soll wohl "Epic Power Metal" darstellen!
Spielzeit: 73:49
Release: 23.02.2007
Label: Steamhammer/SPV

„Glory, majesty, unity! Hail! Hail! Hail!“ - Die wahren Männer aus Stahl, die „Metal Warriors“, die einzig wahren Träger des Lederbadeanzuges sind zurück und haben auch wieder ihr ganz spezielles Vokabelheft zum Schreiben der Texte verwendet.

Leicht hatten sie es nicht in letzter Zeit, die guten alten Manowar. Viele Fans wollten nicht einsehen, dass man von seiner Band nicht genug DVDs haben kann und außerdem so auch etwas zu gucken hat, wenn die Tour einmal mehr verschoben werden muss, weil den Roadie ein eingewachsener Zehennagel plagt. Außerdem will so ein Orchester ja auch bezahlt werden. Selbst wenn es nicht live spielt.

An der dezent ironischen Einleitung ist zu erkennen, dass ich die Entwicklung der „Joey DeMaio-Band“ in den letzten Jahren eher argwöhnisch verfolgt habe. Musikalisch gesehen habe ich sie aber schon immer gemocht, was auch das stark kritisierte letzte Album mit einschließt. Trotzdem haben sie es in den vergangenen Jahre geschafft, sogar einige Die Hard-Fans zu verscheuchen, so dass nun Wiedergutmachung angesagt ist. Und womit ginge das besser als mit einem wahren Kracher von einem Album?

Es heißt "Gods Of War", hat nichts mit dem beinahe gleichnamigen PS2-Spiel zu tun, wird aber nicht weniger brachial in die Vollen gehen. Oder?

„Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors“ - ja, so muss ein Intro heißen. Aber meine Götter, klingt das Ganze billig. Gerade kein Playback-Orchester zur Hand gehabt, oder wie? Und vor allem... hört das Ding überhaupt nochmal auf? Vor allem, weil nach sechs (!) Minuten gleich noch ein Intro hinterher kommt. „The Ascension“ bereitet allerdings gut auf das von der DVD (ihr wisst schon, eine von den 25) bekannte „King Of Kings“ vor.

Ein wenig beschleicht den Hörer das Gefühl, den Song schon ein paar mal von Manowar gehört zu haben. Macht aber nichts, denn rocken tut das Ding auf jeden Fall, da sei auch das überlange Intro und die schwache Produktion verziehen.

„Army Of The Dead Part 1“ klingt klasse, auch wenn es „nur“ aus Gesang besteht. Auf diese Weise kommt die von der Band gewünschte Epik viel besser zur Geltung als durch den Einsatz billiger Kitsch-Keyboards. Und warum nochmal wird vor dem eigentlich guten „Sleipnir“ so lange gelabert?

„Loki God Of Fire“ zeigt, dass es anders geht, nämlich direkt schnörkellos auf die Zwölf. Eric Adams singt mal wieder göttlich und der Chorus bringt den Nacken von alleine zum Zucken. Bis hierhin ist die Platte ja gar nicht so übel.

Aber nur bis hierhin: Denn was uns mit „Blood Brothers“ angetan wird, tut fast schon weh. So eine verkitschte Ballade hab ich ja schon lange nicht mehr gehört. Kein Vergleich zu „Heart Of Steel“ oder „Master Of The Wind“.

Und dann schaltet die Band in den Leerlauf, denn für fast acht Minuten darf man einem Rhapsody-mässigen „Orchester“ und einem Sprecher lauschen, der erzählt, was für ein toller Hecht der einäugige Göttervater doch sei. Seinen Text leiert dieser dann so emotionslos herunter, dass gegen ihn sogar die Sänger Oasis oder Tocotronic so klingen, als würden sie sich kein Valium ins Müsli rühren. Und es ist ja nicht so, als würde „Sons Of Odin“ danach eine wirkliche Entschädigung bieten. Das Ganze klingt wie ein Hörspiel, bei dem versehentlich mal jemand singt.

Der Vogel wird bei „Glory Unity Majesty“ abgeschossen, das arme Tier. Fast fünf Minuten wird dem Hörer die Geschichte eines Heeres erzählt, das im Namen Odins seine Gegner abschlachtet, um danach einen unglaublich peinlichen „Warrior's Prayer“ zu beten. Sprich: Einer betet vor und die anderen plappern brav nach. Das hört sich nicht nur unglaublich heiß an, es wäre eigentlich auch eine perfekte Parodie auf Manowar. Und so geht es bis zum Ende der Platte weiter, denn wenn mal tatsächlich ein Song gespielt wird, wird er gleich wieder von pathosgeschwängertem Gelaber auseinandergerissen. Und wirklich starke Riffs fehlen auch völlig. In DeMaios Hirn muss er sich wohl wieder mal für den wahren Erben Richard Wagners halten, anders ist dieser Bombast-Overkill nicht zu erklären.

Moment, es gibt ja noch „Die For Metal“, was immerhin eine gute Hookline hat, aber textlich sogar für Manowar-Verhältnisse peinlich ist. Ich muss dabei auch immer an das sehr witzige Interview aus dem Rock Hard denken, bei dem DeMaio sich dezent zum Affen machte und Götz Kühnemund sich wohl besser mit dem Beistelltisch unterhalten hätte. Der Song soll wohl eine Retourkutsche auf eben dieses Gespräch darstellen.

Fazit: Totalabsturz. Mit Wohlwollen gibt es drei gute Songs und ein schönes Zwischenspiel auf diesem Trauerspiel aus der Untertageförderung des Metals. So sieht es wohl aus, wenn man Opfer seines eigenen Images wird. In seinem Wahn wird DeMaio das Ding wohl auch noch für eine Göttergabe halten, aber es tut mir leid: 

Wenn man sich aus dem Abfalleimer eines Sandalenfilm-Soundtracks bedient, ergibt das nicht automatisch etwas Gutes. Wenn man mehrere Sprecher ständig in die Songs sabbeln lässt, ergibt das keine Atmosphäre. Und wenn einem keine gescheiten Riffs einfallen, kann man das nicht mit besonders blutrünstigen Texten kompensieren. Und zum Cover will ich mal gar nichts sagen. Was für eine erbärmliche Leistung der „Kings of Metal“.

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