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Manilla Road: Playground Of The Damned

Kult hat einen neuen Namen: Manilla Road
Wertung: 9/10
Genre: Epic Doom US Heavy Metal
Spielzeit: 46:46
Release: 14.07.2011
Label: High Roller Records

Folgende Szene könnte sich in einem beliebigen Kinderzimmer in den achtziger Jahren zugetragen haben: Zwei oder mehrere Buben lauschen zusammen einer Maiden- oder Metallica-Scheibe, als plötzlich Papa hereinschneit und meint: „Hier, habe ich dir gerade aus dem Plattenladen mitgebracht, das ist doch bestimmt auch so wilde Musik, die ihr hört!“ Alles schaut verdutzt, das komische Manilla Road-Vinyl wird auf den Plattenteller verfrachtet und schon mit den ersten Takten setzt die Spaltung der Kinderzimmergemeinschaft ein. Während der Großteil sich allein des Sounds wegen mokierend zurückzieht, ist ein kleiner Außenstehender nach dem Knistern des ersten Songs infiziert, so infiziert, dass Manilla Road fortan Bestandteil des Metallerlebens bleiben wird. So entsteht Kult, denn das sind Manilla Road schon seit ewigen Zeiten. Zwar dürfte die Anfangsphase der 1977 gegründeten Band an den meisten tief im Underground verwurzelten Fans ebenfalls vorbeigegangen sein, doch spätestens mit phänomenalen Werken wie „Crystal Logic“. „Open The Gates“ und „The Deluge“ wurden dann nicht gerade Massen, aber eine treue Fanschar infiziert. Und genau das ist Kult.

Manilla Road sind Kult.

Natürlich wird es auch Heerscharen an Fans geben, die genau dieses bezweifeln, weil die in Kansas Beheimateten schon eine eigenwillige Epic-Doom-US-Metal-Mischung zusammenbrauen. Und das ist auf dem vorliegenden „Playground Of The Damned“ gottlob nicht anders. Zwar lässt das einzig noch verbliebene Gründungsmitglied Mark „The Shark“ Sheldon im Promoschreiben verlauten, dass sie auf ihrem 2011er Werk die bisher wohl beste Produktion hinbekommen haben, aber spätestens beim Schlagzeugsound werden wieder Legionen an Szenepolizisten aufheulen und besserwisserisch über dynamisierte Pappe, kleptomanisierte Holzkisten oder entkoffeinierte Billigsnares lamentieren. Dabei ist gerade dieser eigenwillige, wohl auch ein bisschen querköpfige Drumsound ein wesentliches Manilla Road-Erkennungsmerkmal, genauso wie der mit einer sehr eigenen Stimmfärbung gesegnete Mark, der in trauter Eintracht die Vocals des Frontmannes Bryan „Hellroadie“ Patrick ergänzt. Soviel Eigensinnigkeit führt dann wieder zurück zur Einleitung: Denn das ist Kult.

Manilla Road sind Kult.

Und wie kultig sie sind, wie wenig sie ihre Wurzeln verleugnen und vor allem wie sie die teilweise heftigen Schredderaktionen des Vorgängers „Voyager“ eliminieren, ist aller Ehren wert. So haben sie mit „Grindhouse“ einen Epic-Knaller aus dem Hut gezaubert, der wohl genau so nur aus dem Manilla Road-Repertoire kommen kann. Gemächlich klimpern die akustischen Gitarren noch sanft los, die Leadgitarre fängt die Emotionen dieser Erde in ein paar Noten ein und entführt den Fan so auf einen fast acht-minütigen Trip in die tiefsten Welten des Epic-Midtempo-Headbanger-Mysteriums. Wo bei so vielen Bands so etwas wie instrumental aufgeblasene Langweiler um die Ecke kommen, da zementieren Manilla Road locker flockig ihren Ruf als Meister des Epischen, hauen ein mehrere Minuten langes Solo hinein und langweilen nicht ein einzelnes Sekündchen.

Manilla Road sind Kult.

Weitere Beweise dafür? Ja sicher, kein Problem, schnell mal herüber zum mächtigen Titeltrack „Playground Of The Damned“, denn Manilla Road fegen auch hier mit einer epischen Midtempo-Doom-Keule alle Zweifel ihres songwriterischen Talents nicht nur unter den Teppich, sondern gleich komplett in die Schrottabteilung. Oder das mit feinsten Melodien angereicherte „Jackhammer“, welches gegen Ende gehörig die epische Doom-Schiene verlässt und noch am ehesten den Übergang vom letzten Album zum aktuellen Werk aufzeigt. Oder aber das ausgefeilte, leicht progressive „Abattoir De La Mort“, das die komplette Schar an Airdrummern, Luftgitarrenspielern und Headbangern befriedigt. Dazu dann das mit einer fetten Riffwand aufwartende „Bethren Of The Hammer“ mit deutlich aggressiveren Vocals, einigen übergangslosen Tempo- und Rhythmuswechseln – Manilla Road sind der Hammer und tausendmal truer als alle Manowars dieser Erde – „thunder of the gods“.

Manilla Road sind Kult.

Auch 2011 gehen Manilla Road ihren eigen Weg, scheren sich einen feuchten Dreck um Mainstream, Big-Label-Politik oder sonstige Konventionen – die treue Fanschar kann sich einmal mehr auf die etwas ruhigeren Manilla Road verlassen und blind auch bei dieser Scheibe zuschlagen. Wie sehr die Kansas-Epic-Metaller dem Underground verbunden sind, zeigt sich allein schon daran, dass einen Monat vor dem CD-Release die Scheibe erst auf Vinyl auf High Roller Records herauskommt – insgesamt auf 1000 Einheiten limitiert, wovon die 100 „oxblood“-Vinyls schon längst vergriffen sind und Fans nur noch die schwarzen oder „swamp green“ Scheiben abgreifen können. Kult hat einen neuen Namen: Manilla Road.

Manilla Road sind Kult. Zweifel sind hier nicht erlaubt.

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