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Mandrake: Innocence Weakness

Für ein fünftes Album ist das immer noch ein bisschen wenig
Wertung: 6/10
Genre: Gothic Metal
Spielzeit: 50:16
Release: 14.05.2010
Label: GreyFall/Soulfood

Ich kann das Augenrollen unserer geschätzten Leser praktisch schon vor mir sehen und höre bereits ein verächtliches „Hau mir bloß mit dem Mist ab!“, wenn ich erkläre, dass es sich bei Mandrake aus Ostfriesland um eine Gothic Metal-Band mit Sopranistin und Death Metal-Growler handelt. Klar, das Rezept Grummelgrunzer meets Trällerelfe ist alles andere als originell und dürfte vielen schon mächtig auf den Keks gehen, so wie es in den letzten Jahren überstrapaziert wurde.

Dennoch sollte man jeder Band eine Chance geben, sofern sie mit anständigem Songwriting aufwartet und das Ganze musikalisch einigermaßen sattelfest und nicht zu verwässert präsentiert. Fairerweise muss außerdem konstatiert werden, dass die Truppe, die sich nach einer in der Mystik eine große Rolle spielenden Pflanze (Mandrake = Alraune) benannten, welche schon Deep Purple besangen („Mandrake Root“, ein Riesenhit der legendären Engländer), bereits in den späten Neunzigern gegründet wurde, als die „Schöne und das Biest“-Welle zwar längst aktuell war, aber sicherlich noch nicht so hoch schwappte wie in den darauffolgenden Jahren.

Dementsprechend stellt „Innocence Weakness“ auch schon das fünfte Langeisen der Norddeutschen dar – mir war die Gruppe bisher unbekannt, bisher scheint ihnen der große Durchbruch aber ohnehin verwehrt gewesen zu sein. Warum das so ist und warum andere Bands dieser oder ähnlicher Spielart wesentlich erfolgreicher waren beziehungsweise sind, ist anhand von einigen Schwächen auf „Innocence Weakness“ leider durchaus erkennbar. Auf der einen Seite agiert das Quintett handwerklich sicherlich okay und man merkt, dass da schon einige Erfahrung vorhanden ist, auf der anderen Seite ist das – wenn man bedenkt, dass es sich eben schon um das fünfte Album von Mandrake handelt – manchmal etwas unausgegoren und wenig catchy, sprich: Songschreiberisch ist noch einige Luft nach oben, viel hängen bleibt auch nach drei bis vier Durchläufen nicht wirklich. Was Hits angeht, sind Combos à la Autumn oder Lacuna Coil (letztere sind zugegebenermaßen inzwischen etwas poppiger geworden) den Ostfriesen da weit voraus.

Ein paar lichte Momente gibt es dennoch: „A Secret To Reveal“ besitzt nette Harmonien, „Among The Demons“ und „Coma“ jeweils einen hübschen Refrain und hier und da sind ein paar Doom-Ansätze herauszuhören, aber insgesamt fehlt die Abwechslung und einfach das Zwingende, das, was Mandrake aus der Masse herauskatapultieren könnte. Zum Ende wird es dann besonders einschläfernd: „Indignation“ und besonders „Existence“ langweilen mit viel zu vielen Wiederholungen und nerven außerdem mit viel zu hohem Gesang. Dabei konnte man bis zu dem Zeitpunkt noch sagen, dass die Stimme von Frontdame Birgit Lau zwar hoch, aber dennoch erträglich ist, da sie gar nicht erst wie so viele andere Kolleginnen versucht, einen auf Opernsängerin zu machen und auch nicht mit Mickey Mouse-Gepiepse auf den Wecker fällt. Aber zugegeben, so etwas ist natürlich so oder so immer auch Geschmackssache.

Ein weiterer Faktor sind die Gitarren: Im Prinzip ist das Dargebotene produktionstechnisch okay und die Klampfen tönen einigermaßen fett und sehr flächig, andererseits wirkt diese eine permanente Wand, die da zu hören ist, nach einiger Zeit einfach zu monoton – obwohl diese am Anfang noch einigermaßen atmosphärisch herüberkommt.

Atmosphärisch sind auf jeden Fall auch „Prelude“ und die beiden titelgebenden Stücke „Innocence“ und „Weakness“ mit einsam klingenden, nachhallenden Gitarren; eine willkommene Pause zwischen dem Distortion-Inferno, das man wohl so einsetzte, um die Keyboards eher im Hintergrund zu lassen und Vorwürfen von Tastenkleister gleich vorzubeugen. Auch die harschen Death Metal-Vocals sind recht gelungen, erinnern in der Mélange mit den Gitarren etwas an Paradise Lost, könnten aber vielleicht noch etwas mehr Power haben.

Für ein fünftes Full Length-Album in der Discographie ist „Innocence Weakness“ dann allerdings doch nicht sonderlich überzeugend. Eine Handvoll solider Songs und eine permanente Gitarrenwand reichen kaum aus, um sich von anderen Bands des Genres abzuheben.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann