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Man On Man: Man On Man

Eine heimelige Klanghülle
Wertung: 7/10
Genre: Indie Rock, Synthie-Pop
Spielzeit: 45:31
Release: 07.05.2021
Label: Big Scary Monsters

Das Debütalbum „Man On Man“ der gleichnamigen US-Band könnte man gut und gerne als deren Baby bezeichnen. Nicht nur, weil es das Erstlingswerk darstellt, sondern weil die Musiker außerdem auch privat Partner sind – das Duo besteht aus Joey Holman und dem deutlich bekannteren Faith No More-Keyboarder Roddy Bottum, der sich bereits Anfang der Neunziger als einer der ersten Musiker der härteren Musikgenres überhaupt als schwul outete. Dass sowohl seine neue Band als auch deren erstes Album nun den Namen Man On Man tragen, macht dann auch wieder irgendwie Sinn. Songtitel wie „It‘s So Fun (To Be Gay)“ zeigen durchaus ein Augenzwinkern, welches die beiden Musiker auf den elf Songs noch öfter präsentieren sollen.

Erst 2020 gegründet, konnte das Duo sich direkt mit dem Video zu „Daddy“ bei den Damen und Herren von YouTube unbeliebt machen, die anscheinend keine Probleme mit Damen in Bikinis in diversen Musikvideos haben, aber fast einen kollektiven Herzinfarkt erlitten, als die beiden Herren im besten Alter sich nur in Unterhöschen in ihrem Video präsentierten. Mittlerweile hat sich die Belegschaft von dem Schock erholt, das Video ist wieder online und Holman und Bottum können weiterhin darum kämpfen, auch als schwule Künstler, die nicht „young, hairless“ und „pretty“ sind, in der Öffentlichkeit akzeptiert zu werden.

Musikalisch verbindet die beiden sicherlich eine nicht zu überhörende Liebe zu den Synthie-Sounds der Achtziger Jahre, aber auch Indie-Rock-Anleihen ebenso wie Post-Punk-Elemente lassen sich im Soundgewand von „Man On Man“ finden und machen die Songs zwar zu einer teils etwas schrägen („1983“) wie auch einnehmenden (ebenfalls „1983“) Angelegenheit. Auf derlei Experimente treffen dann tanzbare, recht geradlinige Stücke wie das flotte „Two At A Time“ oder die durch ihre Klangteppiche zugegeben etwas kitschig anmutende Liebeserklärung „Lover“, die aber nichtsdestotrotz ihre Daseinsberechtigung auf der Scheibe verteidigt.

„Please Be Friends“ kommt dann mit einer fast lieblich zu nennenden Melodieführung daher, getragen wird der Song hauptsächlich von Klavierpassagen und Gesang und macht damit überraschenderweise alles richtig. Mittlerweile kann man sich auch mit sich selbst einig werden, wo man die Platte musikalisch einzuordnen hat: Von Alternative Rock, wie es zum Beispiel auf der Bandcampseite heißt, keine Spur, vielmehr gibt man sich dem sanften Indie Rock hin. Da die Platte bei Bandcamp aber gleichzeitig auch mit „Math Rock“, „Opera“ und „Stoner“ getaggt ist, ist die Ernsthaftigkeit dieser Angaben aber ohnehin zu hinterfragen.

„Man On Man“ ist sicherlich alles andere als ein Partyalbum geworden und auch das Prädikat „leicht zugänglich“ kann hier nur mit zwei geschlossenen Augen vergeben werden. Vielmehr hat das US-Duo gerade auch mit Stücken wie dem finalen, unfassbar eindringlichen „It Floated“ eine heimelige Klanghülle geschaffen, in die man sich mit seinem liebsten Menschen zurückziehen und beruhigt lauschen kann. Eine Prise Zynismus muss man dabei aushalten können, aber allein schon für das schwitzige Albumcover sollte man den Herren einen Sympathiepunkt geben – auch wenn sie derlei eigentlich nicht nötig haben.

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