Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Mahlstrom: MÆANDER

Eine Mischung aus Hoffnung, Wut und Ohnmacht
Wertung: 9/10
Genre: (Post-)Hardcore, Punk
Spielzeit: 36:27
Release: 06.04.2018
Label: Through Love Records

In Zeiten wie diesen scheinen deutsche Bands, die Hardcore/Punk/Emo unters Volk bringen wollen, Hochkonjunktur zu haben. In den letzten Monaten sind Veröffentlichungen von Todd Anderson, Fjørt oder CIRCLESQUARETRIANGLE über den heimischen Promotisch gegangen, die allesamt mit eindringlichen, deutschsprachigen Wutklumpen überzeugen konnten und des Öfteren einen dicken Kloß im Hals hinterließen – nun steht mit Mahlstroms „MÆANDER“ wieder ein Album an, das eine ähnliche Reaktion verspricht.

Bereits vor sieben Jahren wurde die Truppe in der Nähe von Stuttgart gegründet, die vier Bandmitglieder verteilen sich mittlerweile auf das Hamburger Umland und Süddeutschland – ein ungewöhnlicher und sicherlich oftmals kräftezehrender Umstand, der sich in den Tracks der neuen Platte auch niederschlägt. Denn „MÆANDER“ zerrt an den Nerven des Hörers in der bestmöglichen Art und Weise: Es schreit einen an, kritisiert, pöbelt, hält aber immer auch ein bisschen die Hoffnung aufrecht, dass man sich seinen Problemen stellen kann, statt sich zu verstecken.

Vorab konnten die Vier mit der ersten Single „Dawei“ bereits ordentlich punkten, hier kämpft Sänger Jakob recht erfolgreich gegen dissonante Gitarrenspuren an, die wie Rasierklingen durch die Lautsprechermembran schneiden, immer wieder wird auch Tempo rausgenommen, um eine kleine Durchschnaufpause zu kreiern, die aber eher anmutet wie die Ruhe vor dem Sturm – ein wahres Auf und Ab, das man sich immer wieder anhören kann. Auch „Blue Marble Blues“ wurde bereits im Vorfeld präsentiert, der Song kommt deutlich geradliniger daher, aber auch sehr viel düsterer, was sicherlich auch an der Thematik liegt, geht es doch hier um die zunehmend fehlende Empathie allem und allen Fremden gegenüber sowie den Versuch, trotz allem eine Dialogbasis zu finden.

„Werte Gesellschaft“ kommt als ziemlich straighter Ausraster daher, schreckt aber auch nicht vor einem beinah schon ohrwurmigen Refrain zurück, der dennoch keine Sekunde an Aggression verliert, sondern dem Song eher noch einen Hauch Resignation verleiht. Verstörendes wie das lärmig-hysterische „Frustschranke“ mit seinem absolut genialen Übergang von noisigem Gitarrenterror zu leicht verzerrtem, monotonem Gesang untermalt von unheilschwangeren Drums wechselt sich ab mit dem flott galoppierenden, am Punk kratzenden „Am Lachen vorbei“ mit seinen wunderbaren Gitarren. All das garniert mit einer Mischung aus Zuversicht, Wut und Ohnmacht, die einen recht schnell gefangen nimmt und keine Dutzend Durchläufe benötigt, um zu wirken.

Allgemein scheint die grundsätzliche Frage, ob es sich überhaupt lohnt zu kämpfen, in jedem einzelnen Song mitzuschwingen, trotzdem geben Mahlstrom immer eine Prise Optimismus mit auf den Weg. Damit reiht sich die Combo ein in eine immer größer werdende Gruppe von deutschsprachigen Hardcore-Bands, die sich mit sozialen wie auch politischen und emotionalen Themen kritisch auseinandersetzen möchten, ohne ins Oberlehrertum zu verfallen oder Moralapostel zu spielen. Mahlstrom stehen an sich und vor allem mit ihrer Debüt-Full-Length in dieser Gruppe sicherlich qualitativ mit an der Spitze.

comments powered by Disqus

Sag zum Abschied mal so richtig laut Servus

Vor Freunden spielen ist doch auch ganz nett...

Rauschende Jubiläumsparty mit ein paar Wermutstropfen

Bundeswehr-Musikkorps und U.D.O. für den guten Zweck

Delirious und Terrorblade im Rausch der Kanalfahrt

Darkness Drummer Lacky beim Selbstversuch mit dabei

„Deutsch“ ist in und Schumi irgendwie mit dabei