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Magnus: Acceptance Of Death

"Acceptance Of Annoyance" trifft es eher
Wertung: 1/10
Genre: Death/Thrash Metal
Spielzeit: 38:11
Release: 15.09.2010
Label: Witching Hour Productions

Gerade hat man noch das Review von Dark Tribes Album „Archaic Visions“ gelesen und ein Satz ist dabei im Gedächtnis geblieben. „Man weiß nicht recht, worüber man als erstes sprechen oder besser sich aufregen soll, denn bei dieser CD handelt es sich um den größten Reinfall, den man dieses Jahr zu hören bekommt.“ Also, werte Kollegin Holm, da gibt es noch einen ganz heißen Kandidaten anzubieten. Aber erst einmal der Reihe nach!

Magnus sind eine Band, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Ihr Gründungsjahr ist 1987, ihr vorläufiges Ende erreichte die Karriere der Band genau zehn Jahre später. „Acceptance Of Death“ ist somit ein Comeback-Album einer Band, die seinerzeit (1992) immerhin mit Bands wie Napalm Death und Deicide Konzerte bestreiten durften. Veröffentlichungen haben die Polen natürlich auch zustande gebracht, so tummeln sich neben diversen Demos auch vier Alben in ihrer Diskografie („Acceptance Of Death“ mit eingerechnet). Soweit also die kühlen Fakten zu diesem Album.

Denn was uns da musikalisch erwartet, ist mehr als eine Zumutung. Wer alte Kataklysm Alben wie „Temple Of Knowledge“ kennt, weiß, wie dissonant die Kanadier mal zu Werke gingen. Gegen diese schräge Klangorgie klingt jenes Album, wie die aktuelle Akustik CD von Michael Kiske. Denn entweder sind die Musiker an ihren Instrumenten ganz und gar nicht versiert (was nach der langen Bandgeschichte einfach ausgeschlossen wird) oder es gelingt ihnenm jegliches Talent perfekt zu verstecken. Allein, was einem hier als „Gitarrensolo“ angedreht werden soll, spottet jeglicher Beschreibung.

„Hey Moment, du Blindfisch...“, hört man einige schreien, „das Cover sieht doch schon so extrem nach Venom aus, da kannst du doch nichts technisch Anspruchsvolles erwarten. Hier werden doch ganz klar die Retro-Thrash Metal Fans bedient.“ Das ist schon richtig, aber man kann nicht einfach jegliches Gerumpel als „nostalgisch-charmant“ verklären und erwarten, dass das alle genauso sehen. Feedbacks haben zwar in der Tat einen gewissen Charme, aber nicht, wenn es so wirkt, als sollten so eklatante Mängel im Songwriting verdeckt werden.

Dabei hat die Band auch ihre guten Seiten, zumindest für Leute, die mit den 80er Jahre Death/ Thrash etwas anfangen können. Ein Beispiel dafür ist neben dem albernen, aber gerade deswegen auch lustigen, Cover die Produktion, die mir mit ihrer leicht verwaschenen Art viel lieber ist als die so populären modernen, klinischen Klänge. Auch die Stimme von Rob Bandit weiß zu gefallen und hat etwas von Cannibal Corpses „Corpsegrinder“ Fisher, auch wenn Bandit nicht so tief grunzt. Dafür weiß er aber scheinbar auch nicht, wie man songdienlich arbeitet. Der Mann singt größtenteils so sehr am Takt vorbei, dass man ihn für seine Konsequenz schon fast wieder loben möchte. Eine weitere Parallele zum erwähnten Album von Kataklysm.

Songs gibt es natürlich auch noch, aber die sind kaum der Rede wert. Die ersten sieben Stück unterscheiden sich kaum voneinander: Der erwähnte „taktlose“ Gesang, die unspektakulären Riffs und der völlig öde Songaufbau zehren ziemlich an den Nerven. Besserung in Form von Struktur gibt es erst bei „Private Religion“. Versteht mich nicht falsch: Eine Besserung ist nicht besonders schwer, wenn man vorher von „nervtötend“ sprechen muss. Der Song jetzt ist „nur“ fürchterlich vorhersehbar und langweilig.

Richtig bitter sind aber Nummern wie „When You Rest 6 Feet Under“ und „They’ll Bury“, wo Magnus offensichtlich versuchen, psychedelisch-verstörend zu wirken. Zumindest letzteres gelingt ihnen mit diesen Noise-Collagen zweifelsohne. Es ist schwer zu beschreiben, wie sehr diese Lieder ein Griff in den Abort sind, denn vor allem „They’ll Bury“ besteht aus so vielen seltsamen Tönen, dass man sich wirklich fragt, ob die Band uns hier ganz derbe verarschen will. Es tut mir leid, aber wenn ein Lied frappante Assoziationen zu Dingen wie Warnsignalen von rückwärts fahrenden LKWs, Presslufthämmern und Zahnarztbohrern weckt und das Ganze noch mit von Metal-Einschüben unterschiedlicher Geschwindigkeit unterbrochen wird, kann man nicht mehr ruhig bleiben. Zum „Glück“ passt sich der Rest von „Acceptance Of Death“ dann wieder den ersten Liedern an und nicht diesen akustischen Anschlägen auf das menschliche Gehör.

Fazit: Ein Totalausfall! Warum muss eigentlich jeder seine alte Band aus den 80ern wieder ausbuddeln und Platten aufnehmen, die niemand braucht? Es gibt natürlich Ausnahmen, aber „Acceptance Of Death“ ist ein überflüssiges Album, für das nicht viel spricht. Es mag sein, dass Magnus für einige Retro-Fans authentischer sind, weil sie eben wirklich aus den 80ern stammen und nicht nur davon inspiriert wurden. Wer sich aber nur aufgrund davon ein Machwerk wie dieses zulegt, hat es auch nicht besser verdient, als sich knapp 40 Minuten Krach anzuhören. Dieses Album darf niemals jemand hören, der Metal als „Geschrei“ und „sinnloses Einprügeln auf die Instrumente“ abtut. Er wird sich nur bestätigt sehen.

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