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Madeleine Le Roy: Chateau Noir

Ein Hörerlebnis der ganz besonderen Art
Wertung: 8.5/10
Genre: Ambient-BDSM, Hörbuch
Spielzeit: 57:9
Release: 18.05.2007
Label: Indigo

Wenn Umbra et Imago - Frontmann Mozart ein neues Nebenprojekt ins Leben ruft, darf man zu Recht gespannt sein. Insbesondere dann, wenn es sich wie beim vorliegenden “Chateau Noir“ um ein „Hörspielalbum“ für die SM- und Fetischszene handelt.

Hinter “Chateau Noir“ stehen allerdings bei weitem nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ wie Lutz Demmler, Tobias Birkenbeil und eben erwähnter Kreativkopf Mozart. Vielmehr bietet “Chateau Noir“ insbesondere eine Plattform für die von Umbra et Imago und Dracul bekannte Sängerin Nanne... Oder besser gesagt für: Nanne alias Madeleine Le Roy.

Dass Madeleine Le Roy als „Stützpfeiler“ für das neue Projekt fungiert, erscheint hierbei nur logisch. Schließlich ist Madame neben ihrem Engagement als Model, Sängerin und Choreographin für die ausgefallenen Umbra et Imago - Bühnenshows auch als professionelle High Class - Domina in Karlsruhe tätig... Entsprechend groß waren die Erwartungen an alle Beteiligten, wie letztendlich die Kombination aus klassischem (SM-)Hörspiel und düster-romantischer Musikuntermalung wohl in der Praxis funktionieren würde. Doch soviel sei schon einmal vorweg genommen: Dieses Experiment ist mehr als einfach nur geglückt!

Zusammen mit den Kollegen Amber, Oliver Satyr, Philipp Spiegel und Sabine T. intonierte das Gespann mit “Das Bildnis der Venus“ (= “Venus im Pelz“, von Leopold von Sacher-Masoch), “Der Ring der O. (= “Die Geschichte der O.“, von Pauline Reage) und “Das Schloß des Marquise de Sade“ (= “Die 120 Tage von Sodom“, von Marquis de Sade) gleich drei literarische Klassiker der erotischen Ausschweifungen. Unterlegt mit musikalisch individuellen (aber niemals aufdringlichen) Klängen vertonten die Damen und Herren ausgesuchte Passagen aus den jeweiligen Büchern. Hierbei jede so eigenständig und gefühlsbetont, wie es auch schon die literarischen Werke beim Lesen waren...

Die im Schnitt jeweils 12 Minuten langen Hörspiele lassen sich Zeit in ihrer Entwicklung. So beginnt beispielsweise “Das Bildnis der Venus“ mit einer 7-minütigen Instrumentalphase aus sphärischen Elektroklängen, bevor die drei Erzähler Oliver Satyr, Philipp Spiegel und Sabine T. zur Tat schreiten. So sinnlich-subtil wie das Hörspiel begann, so endet es auch wieder und findet seinen fast schon spirituellen Übergang mit lieblichem Vogelgezwitscher: “Der Ring der O.“ beginnt sich nun sanft um seine Hörer zu schließen... Zweifelsohne haben Mozart und Tobias Birkenbeil hier für sich musikalisches Neuland betreten. Denn dieser Balanceakt aus Naturmusik und elektronischen Merkmalen, ist in dieser Weise wirklich einmalig und atmosphärisch absolut brillant! “Der Ring der O.“ ist ein wahrlich fleischgewordenes Kopfkino und verbal unglaublich authentisch von Madeleine Le Roy, Mozart und Philipp Spiegel umgesetzt worden.

Den letzten Klassiker in dieser Runde bildet ein (sehr geschickt gewählter) Auszug aus der berühmt-berüchtigten Novelle “Die 120 Tage von Sodom“, des adeligen französischen Freigeistes Marquis de Sade. Was einem beim Hören von “Das Schloß des Marquise de Sade“ sofort auffällt, ist der erneute musikalische Stilwechsel dieses entlarvenden Werkes aus fundamentalistischem Lustgewinn und menschlicher Perversionen: Anstelle von bisher verwendeten elektronischen Klängen schwelgt die Vertonung in rein klassische Arrangements. Ob nun die “Concerto for Oboe and String“ (Jean Claude Malgorie), “Fantasia sesta sopra doi sogetti“ (Girolamo Frescobaldi), Non hal ciel cotanti lumi“ (Claudio Monteverdi) oder das “Lux aeterna out of Requiem“ (von Wolfgang Amadeus Mozart):Nie hätte man sich als Kenner des für viele wohl provokantesten Werkes de Sade´s eine solch bezaubernde und imposant-gewaltige Vertonung vorstellen können! “Das Schloß des Marquis de Sade“ ist zugleich Tribut wie auch Monument. Es ist Ehrerbietung und Zeitgeist... Ein Resümee an einen der verkanntesten Schriftsteller der letzten Jahrhunderte. ...oder ganz einfach ausgedrückt: Großartig, bombastisch und phänomenal gut!

Nach diesen bisherigen Geniestreichen der klassisch-erotischen Literatur gibt es mit dem knapp 11 Minuten langen “Session 1“ eine musikalische Aufarbeitung einer Kurzgeschichte aus der Feder von Madeleine Le Roy und Mozart. Konträr zu den bisher vernommenen Vertonungen spielt “Session 1“ in der aktuellen Gegenwart und wirkt entsprechend von seiner Sprache und der instrumentalen Umsetzung sehr modern. Hier gehen elektronische Beats einher mit offenen Dialogen zwischen einem Sklaven (Mozart) und seiner Herrin (Madeleine Le Roy). Das gesamte Szenario spielt sich - vielleicht ein bisschen zu sehr klischeebedingt - in einem dunkeln und kalten Kerkerloch ab. Dennoch versprüht “Session 1“ einen herrlich neckischen SM-Charme, der seinen Fokus auf jenes unabdingbare Wechselbad aus Lust, Demut und Stolz richtet.

Von eben jener “Session 1“ befindet sich auch ein insgesamt halb so langer „Dracul Remix“ auf dem Album. Hier muss insbesondere vor dem Mischpultgenie Lutz Demmler der Hut gezogen werden: Nicht nur, dass “Session 1“ in dieser Form absolut tanzflächentauglich ist, es geht auch direkt ins Gehör und verweilt dort auch ungemein lange! Zweifelsohne wurde hier ein neuer Clubhit kreiert, der zugleich Respekt vor seinem Original bietet und sich zudem auch problemlos in das Gesamtbild von “Chauteau Noir“ einfügt.

Letztendlich bleibt nur noch die Coverversion des Kate Bush - Evergreens “Wuthering Hights“ von Madeleine Le Roy und Amber zu erwähnen. Hier muss allerdings ehrlicherweise gesagt werden, dass die Sangesstimmen der beiden Damen hier doch ein wenig dünn ausgefallen sind. Somit bleibt der Song letztendlich doch eine entsprechende Geschmackssache und ist deswegen auch nicht unbedingt als Glanzstück auf “Chateau Noir“ zu benennen. Enthalten ist auf dem Studio- und Hörspielalbum übrigens auch der mit mittelalterlichen Flair versehene Videoclip von “Wuthering Heights“ als Multimedia Bonustrack.

Fazit: Was die Karlsruher mit “Chateau Noir“ auf die Beine gestellt haben, ist insgesamt mehr als nur beeindruckend: Die Produktion ist (mal abgesehen von der etwas zu leisen Aufnahme von “Das Bildnis der Venus“) als absolut hochwertig zu betrachten und schafft einen edlen Spagat aus Klassik und Moderne.

Auch ist im Gegensatz zu einigen Umbra et Imago und Dracul - Produktionen, der Bandtypische „Trash-Faktor“ nahezu bei Null angelangt (Ausnahmen bilden hier lediglich der Song “Wuthering Heights“ und der pseudo-rumänische Dialekt Mozarts auf “Das Schloß des Marquis de Sade). Somit ist “Chateau Noir“ als ein Erfolg auf mehreren Ebenen zu betrachten, der auch nach mehrmaligen Hören nicht gelindert wird.

“Chateau Noir“ ist insgesamt deutlich mehr an die BDSM- und weniger an die Gothic-Szene gerichtet. So ehrlich muss man auch sein... Aber nichtsdestotrotz bietet gerade “Chateau Noir“ ein Hörerlebnis der ganz besonderen Art, das man nicht so schnell wieder vergessen wird. Oder wie heißt der offizielle Werberatschlag hier doch so passend: „...eine lyrisch - musikalisch - erotische Reise durch Zeit und Raum...“ Dem ist wahrlich nichts mehr hinzuzufügen.

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