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Madball: Empire

Manche Dinge sind einfach gut
Wertung: 8.5/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 34:26
Release: 15.10.2010
Label: Nuclear Blast

Musikalischer Inzest überrascht einen doch irgendwie immer wieder. Längst müsste man daran gewöhnt sein, dass alle möglichen Bands über tausend Ecken verwandt sind, der Sänger der Rockcombo XY der Schwippschwager des Brudes des Gitarristen der Classic Rock-Band von gegenüber ist oder so ähnlich. Bei Madball liegen die Dinge zum Glück etwas einfacher, sonst wäre dieses Review ganz schnell zu einem Stammbaum verkommen: Sänger Freddy Cricien ist nämlich einfach „nur“ der kleine Halbbruder des Agnostic Front-Sängers Roger Miret. Der kleine Freddy wurde im zarten Alter von sieben Jahren auf Miret bei einem Front-Auftritt auf die Bühne gezerrt, bekam das Mikro in die Hand gedrückt – und eine der einflussreichsten Hardcore-Bands der Welt wurde geboren.

Seit 1988 machen die Madballer nun schon das, was sie am besten können: Hardcore, Hardcore und nichts als "pure fuckin’ hardcore", obwohl man sich zum Glück vom montonen Gerumpel, mit dem wohl damals jede HC-Combo anfing, zu modernem, kraftvollen, brutalen Hardcore gesteigert hat. Seit 1994 bringt das Quartett konstant alle zwei bis drei Jahre einen neuen Hassbrocken auf den Markt, lediglich nach dem 2000er Album „Hold It Down“ gab es für die Fans eine längere Durststrecke, bis fünf Jahre später der Nachfolger „Legacy“ eingeknüppelt war. „Empire“ marktiert nun also nach zwölf Jahren Bandhistorie das nunmehr siebte Studioalbum der New Yorker (gibt es eigentlich auch Hardcore-Bands aus dem Rest von Amerika?!) – für eine Hardcoreband ungewöhnlich viele, nämlich 16, Songs, die trotz der modernen Produktion, für die sich Cannibal Corpse- und Misery Index-Veredler Eric Rutan verantwortlich zeigt, überraschend roh ausfallen.

Man wird nun auch nicht jünger, aber Madball verstehen es, nochmal alles in Bewegung zu setzen – das ganze Album, auf entsprechende Lautstärke hochgeschraubt, knallt einem förmlich die Wohnungseinrichtung um die Ohren. Da kämpfen wummernde Drums – übrigens von Bandneuling Jay Weinberg eingetrommelt, der den langjährigen Schlagzeuger Darren Morgenthaler ersetzt – mit massiven Breakdowns und Gangshouts um die Vorherrschaft im Gehörgang, das alles wird aber niedergewalzt von Mr. Criciens großartigen Shoutings. Klar klingen alle Songs relativ ähnlich, aber das zumindest auf hohem Niveau und Langeweile kommt so schnell nicht auf.

In bester Hardcore-Manier kommen die Stücke kurz und knackig aus den Boxen und kein einziger knackt die Drei-Minuten-Grenze. „Invigorate“ gibt als Anheizer ganz klar die Album-Richtung vor – treibende Gitarren- und Schlagzeugarbeit sowie ein erstaunlich variables Tempo zeigen, dass die Jungs es immer noch können. „All Or Nothing“ bringt dann, neben dem Sound, auch noch die typische Hardcore-Mentalität rüber – „We live, we die but don’t go out without a fight“ heißt es da und, meine Fresse, das glaubt man der Band sofort! Das Ganze gestaltet sich beinahe schon als Ohrwurm und gräbt sich fröhlich ins Gedächtnis.

Eine schöne Überraschung gibt es dann für alle Fans, bei „Shatterproof“ teilen sich die beiden Halbbrüder nämlich das Mikro. Vor allem, wenn die beiden gemeinsam ihren Text röhren, hat man irgendwie das Gefühl, dass etwas Besonderes passiert – Mirets leicht bellender Gesang und Criciens etwas heiseres Shouting passen einfach perfekt zusammen. „Con Fuerza“ kommt mit spanischem Text daher, der zum Glück relativ simpel gehalten wurde, so dass auch Menschen mit höchstens rudimentären Spanischkenntnissen ihn einigermaßen verstehen könnten. Der Track pumpt ordentlich nach vorne, was vermutlich nicht zuletzt an dem ausgezeichneten Drumming liegt.

Etwas gruselig ist „Hurt You“, eine 44-sekündige Hasshymne, die eher Grind- denn Hardcore-Format hat und ziemlich reinhaut. „Dark Horse“ könnte sich mit seinen ausgiebigen Gangshouts direkt zur Live-Hymne mausern, lädt es doch geradezu dazu ein, seine Faust in die Luft zu recken und im Chor mit Freddy zu brüllen. „Delete“ ballt sich noch einmal zu einem astreien Hardcore-Stampfer zusammen, bevor „Rebel4life18“, das mit nicht ganz drei Minuten Spielzeit schon zu den längsten Tracks gehört, sogar mit ein wenig Melodie aufwartet, bei der man immer mal wieder cleanen Gesang erwarten könnte – weit gefehlt natürlich, auch wenn Freddy den Aggro-Regler ein ganz klein wenig zurückgedreht hat.

Fazit: Madball sind Madball sind Madball, das wird sich wohl kaum in den nächsten zwölf Jahren ändern. Dabei schaffen die Vier aber eine Verknüpfung zwischen Old und New School, was den wenigsten Kult-Hardcoregruppen gelingen dürfte. „Empire“ ist ein durch und durch starkes Werk geworden, das sicher auch live die Leute zum Ausrasten bringen wird und alle Madball-Fans glücklich stimmen sollte.

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