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Machinefeeder: Gradient Descent

Vielversprechende erste EP der Band, der allerdings noch ein Sänger fehlt
keine Wertung
Genre: Groove Metal / Death Metal
Spielzeit: 11:50
Release: 05.03.2021
Label: Eigenproduktion

Mit Machinefeeder meldet sich eine vierköpfige Band aus Bremen zu Wort, die ihren eigenen Sound als „Groove-orientierten Metal mit einer gehörigen Portion Death Metal und einer Prise orientalischer Klänge“ beschreibt, was ziemlich genau zusammenfasst, was auf dem ersten offiziellen Lebenszeichen, der vorliegenden EP „Gradient Descent“, zu hören ist. 2018 als Soloprojekt gegründet, entwickelte sich schnell eine richtige Band, die aus Musikern besteht, die in der Szene bereits einiges an Erfahrung sammeln konnten – u.a. bei Hardbone und Pride Shall Fall.

Dass sich das Quartett nicht aus Anfängern formiert, beweist allein die Produktion der Minischeibe; der Sound hat eine enorme Power, Schlagzeug und Gitarren tönen unheimlich wuchtig – Respekt, in einer DIY-Produktion mit solch einem Klanggewand aufzuwarten, ist schon mal eine starke Leistung. Die Atmosphäre ist dabei eher kalt und futuristisch (ohne steril zu wirken), was allerdings zum Konzept – Dystopie, künstliche Intelligenz, Mensch und Maschine – passt, auf das ja auch der Bandname hinlänglich deutet.

Dies ist natürlich eine Thematik, der sich schon Dutzende Bands gewidmet haben und man mag das wenig originell finden, andererseits ist dies nun mal ein Sujet, das irgendwie immer aktuell ist und die Menschheit stets aufs Neue fasziniert, zumal man in der realen Welt beim Thema „Künstliche Intelligenz“ ja tatsächlich immer weiter fortschreitet. Auf diese Weise haben Machinefeeder sich gleich zu Beginn ihrer Karriere mit einem optischen, akustischen und inhaltlichen Gesamtkonzept auf ein Themenfeld festgelegt – inwieweit dies Fluch oder Segen sein wird, muss sich erst noch zeigen.

Musikalisch gilt für „Gradient Descent“ jedenfalls, dass das Ganze im Prinzip eine runde Angelegenheit darstellt: Die drei alle zirka dreieinhalb Minuten langen Songs plus Intro untermauern, dass hier handwerklich sehr kompetente Mucker am Start sind, die ihre Instrumente beherrschen und auf Details Wert legen (man achte zum Beispiel auf die Doublebass-Figuren oder die zur Atmosphäre schön beitragenden dezenten Keyboardeinsprengsel).

Das Intro markiert gleichzeitig das Titelstück und beinhaltet ein Sprachsample von Stephen Hawking (was auch wieder gut zum Themenkonzept passt), danach walzt „Condemned To Optimize“ mit einem treibenden, schweren Gitarrenriff über den Hörer her, im weiteren Verlauf des Stückes wird dann aber auch mittels etlicher Breaks Wert auf Dynamik gelegt. Hervorstechend sind vor allem die orientalisch angehauchten Gitarrenlicks, die der Nummer die nötige Eingängigkeit verleihen. Der zweite Track „Disregard For Human Empowerment“ geht dann in durchgängigem Affenzahntempo recht straight auf die Zwölf, während der Abschluss „Overcoming“ wiederum trotz hohen Doublebassgehalts eher im Midtempo angesiedelt ist und erneut auf starke, melodisch-prägnante Gitarrenlicks setzt.  

Wenngleich Machinefeeder wie erwähnt natürlich nicht die Ersten sind, die sich dieser Thematik widmen (automatisch kommt immer wieder der Name Fear Factory ins Gedächtnis, die sicherlich u.a. auch Pate als Inspiration standen), ist hier viel Potenzial hörbar, vor allem in den wirklich starken Tracks zwei und vier. Doch warum ist die Scheibe nun lediglich „im Prinzip“ eine runde Angelegenheit? Ganz einfach: Sie ist unfertig. Es fehlen ganz klar Vocals und die Band ist auch noch auf der Suche nach einem Sänger.

Dass man diese EP trotzdem so veröffentlicht (und dabei durchaus hofft, dass jemand Talentiertes und zum Sound Passendes dies hört und sich meldet), zeugt von großem Selbstbewusstsein. Instrumentale Musik ist zweifellos etwas Feines, doch dass dies hier nicht das Ziel war, ist eindeutig zu hören. Zwar funktionieren die Songs halbwegs auch ohne Gesang, doch die Abnutzungserscheinungen treten bei aller Qualität so schneller zutage. Deswegen sei hier von einer Wertung abgesehen und lediglich darauf hingewiesen, dass man diese Truppe definitiv im Auge behalten sollte. Wenn sich jemand für den Mikroposten findet, kann das noch richtig geil werden.  

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