Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Lysistrata: Breathe In/Out

Etwas zu hoch gelobt, aber insgesamt detailreich und streckenweise spannend
Wertung: 7,5/10
Genre: Post-Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 50:25
Release: 18.01.2019
Label: Grand Hotel van Cleef

Eine ganze Weile hatte es gedauert, bevor das Debütalbum „The Thread“ des französischen Trios Lysistrata es aus ihrer Heimat auch nach Deutschland schaffte, dafür legten die Jungs mit „Breathe In/Out“ dann erstaunlich flott nach. Gefeiert wurden sie schon allein wegen ihrer technischen Finesse und den bereits legendären, energiereichen Liveshows, aber Lorbeeren können ja bekanntlich auch ganz schnell mal vom Wind der Veränderung davon getragen werden, also galt es auch hier, mit dem Nachfolgewerk zu überzeugen.

Hoch in den Himmel gelobt wird „Breathe In/Out“ weiterhin, da ist es gar nicht so leicht, als verspäteter Schreiberling um die ganzen hochgepunkteten Bewertungen herumzukommen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Fest steht: Das Trio erinnert in seinen besten Zeiten an eine Mischung aus The Mars Volta und Animals As Leaders, wechselt auf den knapp 50 Minuten Albumlänge gefühlt zwei Dutzend Mal die Richtung und scheint die Vocals zeitweise eher als Stichwortgeber für die Instrumentalpassagen einzusetzen. Klar, die Jungs wissen sicherlich, was sie können und haben auch keine Scheu davor, das dem Hörer gnadenlos ins Gesicht zu knallen – natürlich nicht frontal, sondern um mehrere Ecken und Kurven, so wie es sich für den teils etwas umständlichen Post-Rock gehört.

Da nimmt sich ein Track wie „Everyone Out“ fast schon langweilig aus, es fehlt an Biss, obwohl innerhalb der fünf Minuten Spielzeit durchaus mal das Gaspedal angetippt wird. Dabei können Lysistrata auch deutlich direkter auf die Zwölf hauen: Gleich der Opener „Different Creatures“ mit seinen düsteren Riffs erinnert in seiner Dynamik tatsächlich an Kollegen wie Fjørt, nur mit einem Hauch weniger Drive. Dafür verausgaben sich die Franzosen in einem perlenden Reigen von Instrumentalpassagen, der an sich sehr schön ist, aber sich nur langsam in den Gesamtsong einfügt. Trotzdem: Einen starken Einstand hat das Trio hier immerhin geliefert, richtig Groove kommt dann bei „Scissors“ durch die Boxen, der lange überfällige Einsatz der Cowbell bringt dann noch mal das ein oder andere Zusatzpünktchen.

„Boot On A Thistle“ haut einen dann geradezu rückwärts aus dem Sitz, mit so viel Gewalt hätte man bei den feingeistigen Franzosen gar nicht gerechnet. Im Verlauf wird der Sturm ein bisschen besser sortiert, trotzdem gerät der Track mit seiner hektischen Gitarre und dem manischen Geschrei schnell zu einem der stärksten Songs der Scheibe. Insgesamt bleiben die Franzosen aber doch noch ein paar Punkte schuldig: Ähnlich gelagert bärenstarke Songs gibt es auf „Breathe In/Out“ nicht zuhauf, trotz der durchweg hochkarätigen technischen Leistung. Oftmals weiß sich aber vor allem der Gesang nicht einwandfrei in die doch recht sperrigen Konstrukte einzufügen – auf die Höchstpunktzahl können die drei Herren hier also nicht spekulieren, trotzdem finden Post-Rock-Jünger mit dem Bandzweitling ein wirklich gutes und spannendes Album vor, bei dem es vor allem immer wieder neue Details zu entdecken gibt.

comments powered by Disqus

Energiegeladener Abend, bei dem die Bands überzeugen können

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben