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Lynyrd Skynyrd: Last Of A Dyin' Breed

Stärker als "God & Guns"
Wertung: 8/10
Genre: Southern Rock
Spielzeit: 45:04
Release: 17.08.2012
Label: Roadrunner Records (Warner)

Sie sind nicht totzukriegen: Man kann von Lynyrd Skynyrd halten was man will, aber sie sind wie Stehaufmännchen und machen weiter und weiter – ohne Rücksicht auf Verluste. Und derer hatten die Amerikaner mehr als genug, denn es gibt wohl kaum eine Band auf der Welt, die so viele Mitglieder an den Tod verloren hat, dabei aber immer noch aktiv ist. Als Europäer belächelt man – nicht zu Unrecht – gerne mal den "american way of life", das allgemeine amerikanische Verhältnis zu Waffen, Gott und Vaterland, doch gilt es auch als eine typische amerikanische Eigenschaft, nicht aufzugeben und sich nicht von Schicksalsschlägen unterkriegen zu lassen.

Das passt auch zu dem Septett aus Florida, das mittlerweile bei seinem 17. Studioalbum (B-Seiten-Sammlungen etc. berücksichtigt) angelangt ist, das den trotzigen Titel „Last Of A Dyin' Breed“ trägt, welcher ebenfalls gut zu der unkaputtbaren Truppe passt und andeuten soll, dass man sich in Zeiten von Fremdschäm-Casting-Shows wie die letzten einer aussterbenden Gattung fühlt. Wie schon beim vor drei Jahren erschienenen Vorgänger „God & Guns“ sollte sich selbstverständlich kein Fan der Illusion hingeben, dass die Band noch einmal an ihre Frühwerke herankommt und gar Kompositionen vom Schlage „Freebird“, „Tuesday's Gone“ oder „Sweet Home Alabama“ abliefern würde, doch ähnlich wie beim 2009er Werk handelt es sich bei „Last Of A Dyin' Breed“ um eine absolut brauchbare, hörenswerte Scheibe, die den Stil eben jenes Vorgängers fortführt.

Überraschungen haben die Herrschaften dementsprechend wenige bis gar keine auf der Pfanne, im Rahmen ihrer selbst gesteckten musikalischen Grenzen agieren sie jedoch durchaus abwechslungsreich und fahren eine Palette an Südstaaten-Flair und Nostalgie atmenden, hier und da mit Country-Elementen durchsetzten Southern-Rock-Hymnen auf, die dank der erneut erfreulich frisch tönenden Produktion von Bob Marlette überhaupt nicht angestaubt oder antiquiert klingen. Während es bei „God & Guns“ ziemlich eindeutig war, dass der Opener „Still Unbroken“ den mit Abstand besten Song markierte, ist das Material auf dem neuen Album ausgeglichener.

Der eröffnende Titeltrack besitzt einen sehr straighten Drive und schön gefeaturte Slide-Gitarren – allerdings haben Lynyrd Skynyrd mit ihrer Triple-Klampfen-Fraktion natürlich auch beste Möglichkeiten für spannende und aufwendige Arrangements. Das folgende „One Day At A Time“ groovt sehr fluffig und relaxt und darf äußerst eingängige Gitarrenmelodien sein Eigen nennen – ein mehr als respektabler Start.

Doch ebenso stark geht es auch weiter: Bei „Homegrown“ wird deutlich heavier gerockt, während „Ready To Fly“ wie um einen direkten Kontrast vorzuführen die unverzichtbare Ballade darstellt. Nicht kitschig, dennoch nicht ohne Pathos, doch gesegnet mit einem sehr hübschen Refrain, der sich wunderbar, nun ja, luftig und schwebend und vor allem sehnsüchtig anhört. Dieser Eindruck rührt sicherlich auch von Johnny van Zants auch auf diesem Album wieder toller Gesangsperformance, die seinen 1977 so tragisch verstorbenen Bruder Ronnie ohne Zweifel stolz gemacht hätte. Johnny hat einfach dieses gewisse Etwas in der Stimme, das man als Frontmann für solche Mucke besitzen muss: viel Rauch, viel Rauheit, aber trotzdem viel Melodik und Ästhetik – und natürlich den Wolldecke-im-Mund-Akzent, den so eben nur Südstaaten-Amis aufweisen. Er hat auf jeden Fall einen großen Anteil daran, dass es auch nach so vielen Jahren immer noch authentisch wirkt, was die Band fabriziert.

Mit „Something To Live For“ hat sich noch eine weitere Ballade eingeschlichen, wohingegen bei „Life's Twisted“ richtig fett gerockt wird: Wer bei dem Chorus nicht mitsingt und den Kopf zu diesen geilen Riffs auf und niederbewegt, kann irgendwas nicht richtig verstanden haben. In „Honey Hole“ wiederum hat man auf sehr gelungene Weise eine ruhige Strophe und einen heftigeren Refrain zusammengebracht und die bluesig eingefärbte Nummer „Mississippi Blood“ macht ihrem Titel alle Ehre; so klar wie bei keinem anderen Track des Longplayers hat man die von einer brennenden Sonne versengte Prärie und Raddampfer vor Augen und atmet trockenen Wüstenstaub. Zumindest bis zum Finale „Start Livin' Life Again“, wo wieder die Steel Guitar ausgepackt und das südstaatliche Lebensgefühl so bestens vermittelt wird. 

Respekt an Gary Rossington, Johnny van Zant und Co.: „Last Of A Dyin' Breed“ zeigt, dass Lynyrd Skynyrd gute Gründe haben, weiterzumachen – Altersschwäche ist hier nun wirklich nicht spürbar. Die Platte ist kein Klassiker, macht aber Spaß, versetzt einen von der ersten Note an in die entsprechende Atmosphäre und ist dank des qualitativ konstanteren Songwritings sogar etwas stärker als die 2009er Langrille einzuschätzen. Dankenswert ist auch, dass man diesmal auf pathetisch-patriotische Sülze à la „This Ain't My America“ oder eben „God & Guns“ verzichtet hat – die bodenständige Art, wie hier über Land und Leute gesungen und gespielt wird, ist doch wesentlich sympathischer.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann