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Lynyrd Skynyrd: God & Guns

Unterm Strich überzeugendes Album, bei dem man die Texte zum Teil lieber ignorieren sollte
Wertung: 7.5/10
Genre: Southern Rock
Spielzeit: 49:30
Release: 25.09.2009
Label: Roadrunner Records

Kaum eine Band wurde von so vielen Todesfällen gepeinigt wie die Southern Rocker von Lynyrd Skynyrd. Zuerst war da 1977 der schreckliche Flugzeugabsturz, der Frontmann Ronnie van Zant, Gitarrist Steve Gaines und dessen Schwester Cassie das Leben kostete; 1990 starb dann Allen Collins, ebenfalls Gitarrist, an den Folgen eines 1986 von ihm verursachten Autounfalls, 2001 folgte Bassist Leon Wilkeson, 2006 Ex-Gitarrist Hugh Edward Thomasson und in diesem Jahr verstarben mit Wilkesons Nachfolger Ean Evans und dem langjährigen Keyboarder Billy Powell gleich zwei Bandmitglieder.

Doch von all diesen Rückschlägen hat sich die Gruppe, von denen mit Gary Rossington nun nur noch ein Originalmitglied am Start ist, nicht klein kriegen lassen; mit Robert Keans am Bass und Peter Keys an den Keyboards (da fragt man sich, ob der Name wirklich echt ist) hat man Ersatz gefunden und präsentiert anno 2009 mit dem vorliegenden „God & Guns“ das mittlerweile 16. Studioalbum, wenn man das 1978 herausgekommene „Skynyrd’s First And Last“, welches bis dato unveröffentlichte Tracks aus der Zeit vor dem ersten Studioalbum enthält, und das 1987 erschienene „Legends“, auf dem ebenfalls zuvor unveröffentlichte Songs, sowie B-Seiten zu finden sind, dazuzählt.

Der Titel der neuen Scheibe lässt Schlimmstes vermuten, was die Texte betrifft, zumal man weiß, dass Lynyrd Skynyrd aus dem Süden stammen und trotz langer Haare und Schlaghosen nicht gerade die friedliche Hippie-Mentalität repräsentieren, sondern schon immer eine ziemlich stumpfe Redneck-Einstellung vertraten – man denke nur an den bekanntesten Song der Band, „Sweet Home Alabama“, der 1974 eine trotzig gemeinte Antwort auf das Stück „Southern Man“ von Neil Young darstellte, in dem der Kanadier über die gerade in den Südstaaten lange vorherrschende Sklaverei sang.

Und konnte man bei „Sweet Home Alabama“ noch davon sprechen, dass Lynyrd Skynyrd mit diesem Song zumindest versuchten, auch die positiven Seiten der amerikanischen Südstaaten herauszustellen, so agiert man auf „God & Guns“ lyrisch tatsächlich auf allerunterstem Niveau. Richtig peinlich sind die Texte von „That Ain’t My America“, in welchem in ekelhaft-schwülstiger Manier Zeilen der Marke „I still bleed red, white and blue“ herausgeschossen werden (geht’s noch pathetischer und plakativ-patriotischer?) oder vom Titelsong, in dem es heißt: „God and guns keep us strong, that’s what this country was founded on“. Da können sich die Floridaner gleich mit dem waffenvernarrten Oberspinner Ted Nugent oder mit George W. Bush zusammentun, denen würde solch lyrischer Dünnpfiff wahrscheinlich sehr zusagen.

Wenn man jedoch den Versuch unternimmt, derartige textliche Katastrophen zu ignorieren, kann man sich „God & Guns“ gut anhören. Zwar fehlen mir persönlich die Vergleichsmöglichkeiten zu den jüngeren vorangegangenen Alben – das letzte erschien vor fünf Jahren und trug den Titel „Then And Now“ – doch ist die neue Scheibe so oder so zweifelsohne sehr hörenswert. Natürlich darf hier niemand eine musikalische Revolution erwarten, doch mit dem gut rockenden Opener „Still Unbroken“, der mit einer musikalisch stark gemachten Strophe und einem mitsingkompatiblen, markigen Refrain ganz klar auch den besten Song des Albums darstellt, hat man einen richtig guten Hit aus dem Hut gezaubert. Und der eingängige, mit schwerem Riffing aufwartende Brecher „Little Thing Called You“, die treibende Nummer „Skynyrd Nation“, die Bar-Atmosphäre verströmt und ebenfalls einen superben, gute Laune verbreitenden Refrain ihr Eigen nennt, und die mit Pedal-Steel-Gitarre und Pianoklängen ausgestattete Ballade „Unwrite That Song“ (gut, der Titel ist etwas unglücklich gewählt) atmen allesamt ebenso tiefstes Southern-Flair wie das dreckig-bluesige „Floyd“, der mit einem fetten Main-Riff versehene Rocker „Comin’ Back For More“ und der Titelsong. Hier zeigen Lynyrd Skynyrd, dass sie bei Weitem noch nicht alles verlernt haben, was anspruchsvolle Arrangements und gutes Songwriting betrifft.

Hinzu kommen eine exzellente Produktion und eine starke Gesangsleistung von Johnny van Zant, der einmal mehr beweist, dass er ein würdiger Nachfolger seines verstorbenen Bruders ist. Abzüge in der B-Note gibt es allenfalls für „Southern Ways“, das schlicht und ergreifend nicht mehr als ein Abklatsch von „Sweet Home Alabama“ ist und für das finale „Gifted Hands“, welches zum Ende hin irgendwie zu sehr auf „Freebird“-Style getrimmt ist. Insgesamt ist der Southern-Rock-Legende aber auf jeden Fall ein abwechslungsreiches, gutes Album gelungen, das offenlegt, dass die Band trotz der vielen Desaster, die sie in ihrer Geschichte bereits heimsuchte, noch längst nicht tot ist.  

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