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LYGO: Schwerkraft

Eine starke Platte mit Texten abseits der üblichen Plattitüden
Wertung: 9/10
Genre: Punkrock
Spielzeit: 34:35
Release: 07.09.2018
Label: Kidnap Music

Es ist geradezu peinlich, wie manche Bands jahrelang unter dem eigenen Radar agieren können und man nichts von irgendwelchen Veröffentlichungen mitbekommt – obwohl selbige einem bestimmt gefallen hätten. Lygo aus Bonn sind so eine Truppe, die bereits ein Full-Length-Album („Sturzflug“, 2014 bzw. 2015) und eine EP („Misere“, 2016) auf den Markt geschmissen haben und trotzdem erst jetzt, mit ihrem Zweitling „Schwerkraft“, für Wirbel sorgen. Zumindest bei mir. Andere Menschen werden sicherlich schon früher auf die Band gestoßen sein, sonst könnte sich die Truppe in den sozialen Medien nicht einer solchen Like-Beliebtheit erfreuen.

Aber besser spät als gar nicht, also rotiert eben jetzt fröhlich die neue Scheibe im heimischen Soundsystem, erschienen zwar schon vor gut vier Wochen, aber da kam dann doch der Urlaub dazwischen – dafür sammelt die Scheibe schon im ersten Durchlauf derartig fleißig Pluspunkte, dass man sich ein Fazit fast sparen kann. Eins vorneweg: Die starke Vorabsingle „Schraubzwinge“ mit seinen großartigen Shouts ist bei Weitem noch nicht der stärkste Track der Platte.

Musikalisch dürfen wir uns in einer cleveren Ausgabe von deutschsprachigem Punkrock suhlen, vorangetrieben von den Stimmen von Gitarrist Simon und Basser Jan, zerballert von Daniel am Schlagzeug, gestreckt auf zwölf Songs, die alle kein Blatt vor den Mund nehmen, ohne die gängigen Klischees zu bedienen. Das muss man auch schon mal lobenswert erwähnen, schließlich sind Plattitüden im Punkrock längst nicht so selten wie man es sich wünschen würde. Statt platter Rhetorik findet man auf „Schwerkraft“ aber immer wieder kleine Perlen, die einem ein Grinsen ins Gesicht zaubern, und sei der Hintergrund noch so deprimierend: Beim offensichtlichen Trennungssong „Keine Leichtigkeit“ beispielsweise, bei dem heiter mit dem Expartner abgerechnet zu werden scheint – an sich schon ein super Song, aber besonders großartig kommt dann das Ende mit dem wiederholten „Leck mich doch am Arsch/Mit deiner Leichtigkeit“. Gänsehaut, Freunde.

Ein starker Protestsong findet sich dann auch mit „Gründe“ auf der Tracklist, bei dem sich das Trio grundsätzlich über Ausgrenzung und Ismen auslässt, dabei immer schneller wird und gegen Ende in einem wütenden Galopp ausbrechen, der zum Pogen geradezu einlädt. Eine genial-flirrende Gitarre bringt dann „Nervenbündel“ mit, ein gerade mal einminütiges, aufgedrehtes Stück Nervosität; selten hat ein Titel einen Song besser beschrieben.

Was mit dem knappen, aber wahren „Alles ist egal“ begann mit der wahrscheinlich jetzt schon auf Konzerten besungenen Zeile „Alles ist so egal/Solange das Gefühl stimmt/Solange es dich mitnimmt“, endet beinah melodiös mit „Flughafen“, das fast schon in die Post-Hardcore-Stimmung abdreht, sich sogar dank der Leadgitarre ein bisschen unheilschwanger präsentiert, und mit der Wiederholung der Opener-Textzeile einen cleveren Rahmen um das ganze Album baut.

Ein starkes Album liegt hier vor uns, da gibt es kein Wenn und Aber. Keine Lückenfüller, keine Fremdschäm-Momente, keine Plattitüden, kein Stumpfsinn. Stattdessen eine halbe Stunde aufregen über die Welt und die Leute, die in ihr leben, ordentliches Auskotzen, gleichzeitig aber wird der Zeigefinger in der Hosentasche belassen, man zweifelt auch an sich, aber nicht an der Musik. Besser geht‘s kaum.

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