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LYGO: Lygophobie

Eine Dosis LYGO und der Tag ist dein Freund
Wertung: 9,5/10
Genre: Punkrock
Spielzeit: 41:45
Release: 29.10.2021
Label: Kidnap Records

LYGO haben es geschafft, sich von einer unbekannten zu einer unverzichtbaren Band im heimischen Musikmikrokosmos zu mausern und das mit gerade mal einer Veröffentlichung, der 2018er Scheibe „Schwerkraft“ nämlich, die allein mit „Schraubzwinge“ brachial zu überzeugen wusste – der Song läuft übrigens noch immer in der eigenen Playlist, kein Scheiß. Dass dann eine Pause auf unbestimmte Zeit proklamiert wurde, war irgendwie auch klar, unterm Strich hatte der Break aber auch was Gutes: Drummer Daniel hat sich nämlich quasi nebenbei ausführlich mit Musikproduktion beschäftigt und so die neue Scheibe „Lygophobie“ maßgeblich unterstützt.

Jetzt beschreibt der Albumtitel nicht weniger als die „Angst vor der Dunkelheit“, die wir sicherlich alle kennen und das ein oder andere Mal gespürt, wenn nicht gar des nachts mit ihr gerungen haben; ebenso ringen LYGO mit den Unbillen des Lebens, die sie wie kaum eine andere deutsche Punkrockband in mitreißende, kluge Songs zu kleiden verstehen. Musikalisch geändert hat sich gottlob nichts, stimmlich preschen weiterhin Bassist Jan und Gitarrist Simon voraus und warten dort eher ungeduldig auf den Rest vom Fest.

Überhaupt, die ganze Scheibe in ihren über 40 Minuten Spielzeit lässt kaum Zeit zum Atmen, galoppiert voraus, zerrt an einem, schubst. Und das ist nur folgerichtig, denn in der gegenwärtigen Welt gibt es wenig, was uns Zeit zum Durchatmen ließe. Das wird schon beim grandios wütenden Opener „Schockstarre“ klar, ein Arschtrittsong vor dem Herrn, den man recht schnell mitsingen kann und auch muss, denn sonst wird man seine sofort bereitgestellte Energie niemals los, hat ganz im Gegenteil überhaupt erst wieder beim vierten Song „Fight Club“ so richtig die Möglichkeit, den Putz von der Wand zu kloppen, erst gegen Ende tippt da mal vorsichtig jemand auf die Bremse.

Ein Titel wie „Uwe, Erdgeschoss links“ mag jetzt nicht unbedingt tiefgründig wirken, spielt aber gekonnt mit der Instrumentalisierung und schafft es so tatsächlich, eine beachtliche Gänsehaut auf den Hörer zu zaubern. Nölig, penetrant und tief berührend knödelt sich dann „Warmes Bier & Kalter Kaffee“ durch die Lautsprecher, textlich sicherlich ein Treffer ins Herz all derjenigen, die sich zeitweise viel zu unwichtig für diese Welt fühlen, insgesamt ein absolut bezaubernder Song, verpackt in rotzigen Punkrock.

„Schlafgestörte aller Ländern solidarisieren sich“ im eher gemächlichen „Kommentarspalte“, das vor allem gegen Ende schön an Fahrt aufnimmt und die Zeilen „Wenn doch das bloße Leben/Nicht so schwierig wär/Wenn ich doch bloß vom Existieren/Nicht verängstigt wär“ den Textfragmenten hinzufügt, die sich wahrscheinlich von einer Band wie LYGO noch deutlicher einprägen als von manch anderer Truppe. Vorneweg ausgekoppelt wurde dann „Altersheim“, bei dem vor allem bombastische Gitarrenspuren für ordentlich Punkte auf der Bewertungsskala sorgen, textlich sind die Jungs natürlich wieder über jeden Zweifel erhaben.

Man kann nur auf die Knie fallen und dankbar sein, dass die Bandpause eine vorübergehende war. Die Welt wäre ärmer ohne LYGO, die nicht müde werden in die Welt hinauszuschreien: „Ihr fühlt euch manchmal unwichtig und klein? Wir uns auch! Wir packen das!“ Danke dafür.

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