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Lumsk: Det Vilde Kor

Reifer und noch detaillierter
Wertung: 9/10
Genre: Folkmetal
Spielzeit: 39:26
Release: 26.04.2007
Label: Tabu Recordings

"Erst im Wald kam alles zur Ruhe in mir, meine Seele wurde ausgeglichen und voller Macht." – aus Knut Hamsuns Roman 'Pan' (1894)

Tiefer ist die Musik des norwegischen Folk-Metal-Ensembles geworden, weiter noch als den mythischen Gestalten ist man diesmal der norwegischen Kultur auf den Grund gegangen. Denn der Wald, der schon seit Anbeginn die Menschen zu kühnsten Gedanken anregte, nimmt in Norwegen ungefähr soviel Platz ein wie hier in Deutschland unsere weniger beflügelnde, doch teils auch sehr erregende Bürokratie. Und wenn man nun also einen Literaten, besser Literaturnobelpreisträger, unter seinen Landsleuten hat, der die Schönheit der Natur einfühlsam in Worte fassen kann, weshalb soll man dann nicht seine beinah vergessenen Gedichte mit neuem Leben füllen; einem Leben, welches an Vitalität dem satten Grün des Sommerwaldes gleicht, welches sich in E-Gitarre und Orgel ebenso ausdrücken kann wie in Streichern und Akkordeon.

Lumsk präsentieren dem Hörer die typischen Instrumente dreier Stilrichtungen, namentlich der Rock-, Folk- und klassischen Musik in einer durchdachten Mischung. Bei dieser Vielfalt an Ausdrucksmitteln sollte man vorsichtig sein, kann doch recht schnell das Konzept aus dem Ruder laufen und sich die Stücke voneinander abkapseln. Irgendwie jedoch schaffen es die Norweger, das Spektrum an Stilen nicht zu überreizen, wenn auch oftmals die Grenze in bedrohliche Nähe rutscht.

Der alles umspannende Gedanke ist bei „Det Vilde Kor“ die neoromantische Sichtweise Hamsuns, der nicht nur ein Abbild der Natur in seinen Gedichten eingefangen hat, sondern vielmehr diese Skizzen mit den Farben der Ästhetik und den gezielten Pinselstrichen seiner träumerisch-modernen Betrachtungsgabe zu kleinen Phantasiekunstwerken macht. Neben der beinah plastischen Ausarbeitung von Wald, Sternenhimmel und Meer sind auch die Träumereien oder besser das Sinnen über Unvergängliches und Vergängliches Inhalt der von Lumsk für die Vertonung ausgewählten Stücke.

So etwa „Om Hundrede Aar er Alting glemt“, eins der herausragenden Lieder des Albums, in dem der Autor die rasch vergangene Erinnerung an menschliche Taten und die damit einhergehende Sinnlosigkeit des Strebens bedauert. Die Vertonung dieser philosophischen Lyrik verflüchtigt jedes Zweifeln und wiegt mit seiner Schönheit alles in eine Stimmung grenzenloser Beschwingtheit, als wolle man sagen, dass es keinen Unterschied macht, ob die eigenen Taten in hundert Jahren vergessen sind, die Schönheit des Lebens ist einzigartig und unzerstörbar.

Für diesen Song luden Lumsk Ola Bremnes ein, dessen warme Stimme und fabelhafter Unterton wunderbar in die märchenhafte Atmosphäre dieser Geschichte des nach hundert Jahren doch nicht vergessenen Dichters passt. Ebenso sind die übrigen Gäste geschickt in die Lieder platziert worden und fügen sich stets in deren Erscheinungsbild wie ein unverzichtbarer Farbton ein, geben das Gefühl von ausgeglichener Fülle.

Doch auch ohne Streichquartett, Bläser oder Chor gelingt es der siebenköpfigen Band spielend, einen dichten, aussagekräftigen und innovativen Sound vorzulegen, welcher die Schönheit skandinavischer Folklore mit dem Besten aus Rock und Metal verbindet und dabei nicht ausgelaugt und verbraucht klingt. Und wenn dann zum Abschluss der Platte ein Chor das requiemartige „Skaergaardso“ bereichert, kann man froh sein, dass Lumsk keine Berührungsängste haben – ihre Definition von Schönheit beschränkt sich halt nicht nur auf Folk oder Metal, und doch wird der Blick auf das große Ganze nie auf Kosten der inneren Stimmigkeit aufgegeben.

Fazit: Wenn die Gruppe nun also Ausgeglichenheit und Ruhe gefunden hat, so hat sie doch nichts von ihrer Kraft und Innovation verloren. Ihre Musik ist reifer und noch detaillierter geworden, die simple Schönheit jedoch haben sie bewahrt.

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