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Lucifer Was: The Crown Of Creation

Das Beste aus zwei Welten
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock/Classic Rock/Classical
Spielzeit: 46:16
Release: 24.09.2010
Label: Record Heaven/Transubstans Records/Indigo

Einmal mit einem Orchester aufzutreten oder aufzunehmen dürfte wohl der feuchte Traum jedes gestandenen Progrockers und Artrockers sein. Was läge näher, als die über Jahrhunderte geadelten Mittel der Klassik zu nutzen, um den Kunststatus der Rockmusik auch dem letzten Wagner-Puristen klar zu machen? Und überhaupt: Was sind schon kalte Keyboardssounds gegen den warmen Klang eines virtuos zum Klingen gebrachten, klassischen Instrumentariums?

Was auf dem Reißbrett und in der Vorstellung besagter Musiker so schön aussieht, birgt in der Realität leider zahllose Tücken. Die für den Hörer sicherlich fatalste ist die Verlockung, die gesamte Komposition in pseudobarockem Bombast zu ersäufen und mit Doublebass, stupidem Akkordgeschrumme und fiepsenden Arpeggios aus dem verzerrten Sechssaiter zu unterlegen. Man verzeihe mir angesichts der bloßen Möglichkeit dieses Szenarios die Skepsis, mit der ich mich an das Album „The Crown Of Creation“, das die mir bis dato unbekannten norwegischen Prog-Hardrocker Lucifer Was zusammen mit dem Kristiansand Symphony Orchestra eingespielt haben, heranwagte. Ich hatte keine Ahnung, als wie falsch sich alle Vorurteile über die Verbindung von Rockmusik und Klassik herausstellen können.

Um direkt zum Wesentlichen zu kommen: Hier trifft das Beste aus zwei Welten aufeinander. Lucifer Was spielen Hardrock der alten Schule mit progressivem Einschlag und sind, vor allem auch wegen der routinemäßigen Verwendung von Mellotron und Querflöte, ein Stück weit mit Jethro Tull vergleichbar. Und das Kristiansand Symphony Orchestra ist – nun, ein Orchester: Ein Kammerorchester, um genau zu sein. Aber die Art, wie es eingesetzt wird, macht es zur perfekten Ergänzung der Rockbesetzung.

Die Musiker müssen sich nicht für breite, schwülstige Streicherteppiche hergeben, sondern dürfen in fein abgestimmten, transparenten und punktgenau platzierten Passagen Akzente setzen und die Songs damit bereichern. Ziel war es offensichtlich nicht, im Hintergrund ein massives Orchesterbrett dröhnen zu lassen, sondern jedem Instrument den Raum zu geben, der ihm zusteht. Wer den Song gerade bereichern kann, spielt auf. Wer im Moment nichts Wichtiges zur Musik beizutragen hat, spielt leise oder schweigt und lässt der Rockmusik den Vortritt.

Ein frühes Highlight dieser Symbiose ist der vierte Track „By A White Lace“: Nach einem Streicherintro wie aus einem dieser alten Disneyfilme entwickeln männlicher und weiblicher Duettgesang im Wechselspiel mit einer trillernden Querflöte und unterstützt von dezenten Violinen eine wundervolle Melodie und Dynamik. Schlagzeug und Gitarre verschmelzen unaufdringlich mit dem Orchester und lassen immer wieder Raum für klassische Intermezzi. Erfreulicherweise hat man auch darauf verzichtet, alle Songs für sich stehen zu lassen und fließende Übergänge zwischen den einzelnen Stücken zum Konzept erklärt – letztendlich teilt sich die Tracklist damit in zwei lange Kompositionen, die als lose, thematische Rahmung den Beginn und das Ende des Lebens erhalten.

Während sich das Orchester bei den ruhigeren, fein ausgestalteten Songs wie „Unformed And Void“ und „Beggar's Bowl“ angemessen zurückhält, kann es bei härteren Tracks wie „Rising Sun“ seine ganze klangliche Kraft ausspielen. Ausspielen darf sich hier auch die dänische Solistin Michala Petri und sie beweist, dass Blockflöten sehr wohl gut klingen, wenn man weiß, wie sie zu spielen sind. Überhaupt ist das Stück eine Fundgrube für Soli der unterschiedlichsten Art: Orgel, E-Gitarre, Violine – alle dürfen mal ran und ihr Können unter Beweis stellen, ohne dabei die Struktur zu gefährden.

Sicher, man braucht als Hörer einen langen Atem und Geduld, um „The Crown Of Creation“ in Gänze genießen zu können. Die braucht man bei Pink Floyds „Echoes“ aber ebenso, wie auch bei einer Beethoven-Symphonie. Liebhaber von progressiven Klängen der alten Schule und Klassikfans bringen diese Grundvoraussetzung also aller Wahrscheinlichkeit mit. Und an niemand anderen richtet sich diese Platte. Sie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie die oft beschworene Fusion von Alt und Neu gelingen kann, und dabei weder auf große Melodien und Momente noch auf kunstvolle Feinheiten verzichten muss.

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