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Love Amongst Ruin: Love Amongst Ruin

Vielleicht wäre weniger hier mehr gewesen
Wertung: 6/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 41:24
Release: 10.09.2010
Label: Ancient B Records

Was bleibt einem Schlagzeuger noch übrig, wenn er sich von einer ebenso erfolgreichen wie legendären Band wie den britischen Alternative Rockern Placebo trennt? Nachdem Steve Hewitt 2007 nach dem erfolgreichen Album „Meds“ aus der Band ausstieg, tritt er nun mit seinem neuen Projekt Love Amongst Ruin wieder auf die Bildfläche – allerdings überlässt er das Schlagzeug dieses Mal seinem Mitmusiker Keith York und wagt sich erstmals an den Gesangsposten. Auch musikalisch beschreitet Hewitt dieses Mal andere Pfade, denn Love Amongst wildern in deutlich mehr Stilen als seine ehemalige Band.

Obwohl Einflüsse von Placebo immer mal wieder durchscheinen, geht es auf „Love Amongst Ruin“ doch wesentlich vielseitiger zur Sache: Elemente aus Stoner und Chillout kommen genauso zum Einsatz wie Nu-Metal-Versatzstücke, so dass die Band fast schon wie ein Crossover-Act anmutet. Da Hewitt auch bei einigen der melancholischen Meisterwerke seiner alten Band mit eingebunden war, verwundert es ebenso mehr, dass die meisten der neuen Stücke nicht annähernd mit deren Songwriting mithalten können und sich in 08/15-Strukturen und zahllosen Wiederholungen verlieren – nichtsdestotrotz hält das Album auch einige Stellen bereit, an denen das Talent des Schlagzeugers wieder aufblitzt, was vor allem dann der Fall ist, wenn die Melancholie Einzug in die Stücke hält. Da Hewitt nun das erste Mal am Mikrofon steht, ist natürlich die Spannung groß, wie der Brite klingt – dass er dabei nicht an das Charisma Brian Molkos heranreicht, war zu erwarten, doch leider gibt sich der Sänger zudem auch noch sehr zurückhaltend. Der Frontmann trifft die Töne zwar einwandfrei und vermag seine Kopfstimme gekonnt einzusetzen, geht aber neben den Instrumenten eher unter.

Die erste Single-Auskopplung „So Sad (Fade)“ leitet das Album relativ vielversprechend ein und überzeugt als düster angehauchter Ohrwurm, in dessen Strophen die Gitarren angenehm hart tönen – unglücklicherweise fällt hier schon das erste Mal das Problem der Monotonie auf, denn auf Dauer gibt es in dem Stück einfach zu wenig zu entdecken. Auch „Alone“ erscheint eher seicht, überzeugt aber immerhin mit dezent eingesetzten Keyboard-Klängen, während „Running“ eine vollkommen andere Richtung einschlägt: Das Tempo ist deutlich höher als bei den vorangegangen Songs und die Vocals stark verfremdet, so dass das Stück einen leicht experimentellen Anstrich erhält, aber trotz aller Ungewöhnlichkeit auch ein wenig konfus wirkt. Bezeichnenderweise erinnert das erste wirkliche Highlight auf „Love Amongst Ruin“ frappierend an Placebo und hört auf den Namen „Heaven And Hell“ - hier stimmt nicht nur die Atmosphäre des melancholischen, ruhigen Songs, sondern auch der Gesang überzeugt dieses Mal und offenbart, dass Hewitt durchaus das Potential zu einem guten Frontmann besitzt.

Neben diesem Track erinnert jedoch lediglich „Truth“ verstärkt an das Alternative-Trio, zählt aber auch zu den stärkeren Kompositionen des Albums. Für Überraschungen sorgen eher Nummern wie „Come On Say It“ oder „Blood & Earth“, die sich ein ganzes Stück vom Alternative Rock entfernen. Erstgenanntes Stück präsentiert sich im Chillout-Gewand samt reichlich Elektronik und geht entsprechend eher einen ruhigen Weg, hat aber trotzdem gerade in den ersten zwei Minuten seinen Charme. Danach wird es mit den Wiederholungen allerdings ein wenig übertrieben, so dass der Song gegen Ende nur noch einschläfernd wirkt – ironischerweise singt gerade hier Hewitt einige Zeilen ein wenig energischer als sonst und macht dabei eine überraschend gute Figur. „Blood & Earth“ stellt das genaue Gegenteil von „Come On Say It“ dar und gibt sich ruppig und hart: Das Riffing in den Strophen hat einen unüberhörbaren Metal-Einschlag und wird zudem von erneut verzerrtem Gesang überlagert, während der Refrain zum Mitgröhlen einlädt und zu den eingängigsten des Albums zählt. Abgeschlossen wird die CD von „Love Song“ - dieser ist leider ebenso kitschig wie sein Name und präsentiert sich als Piano-Ballade, bei der leider die ansonsten so oft vorhandene Melancholie abhanden gekommen ist.

Zurück bleibt ein fader Beigeschmack, denn wirklich ausgenutzt hat Steve Hewitt sein ohne Frage vorhandenes Talent nur wenig. Obwohl viel experimentiert wurde und eine Menge Stile auf dem Album vorhanden sind, stechen aufgrund des eher durchschnittlichen Songwritings nur wenige Stücke wirklich heraus. Der unspektakuläre Gesang macht da auch nicht viel aus, so dass keine wirklichen Ohrwürmer zu finden sind. Potential lässt sich dem Projekt allerdings trotzdem zuschreiben, denn immer wieder blitzen einige gelungene Stellen auf und gerade in den schwermütigen Momenten fällt einem wieder ein, warum Hewitt als guter Songschreiber gilt.

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