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Lost Wisdom: A Journey To The Edge

Ein gutes erstes Zeichen
Wertung: 6.5/10
Genre: Black Metal, Death Metal
Spielzeit: 20:42
Release: 02.06.2011
Label: Eigenproduktion

Lost Wisdom sind ein Paradoxon in sich: Wahrscheinlich kennt sie kein Schwein, trotzdem hat das Sextett bereits auf dem nicht gerade unbekannten Fuck The Commerce Festival spielen dürfen. Auch die stilistische Einordnung der Combo fällt nicht ganz leicht: Sagt die Band von sich selbst, sie würde Melodic Death Metal spielen, hat man als Außenstehender beim ersten Durchgang der aktuellen EP „A Journey To The Edge“ das berechtigte Gefühl, hier eher schwarzmetallische Züge zu erkennen – von Melodic Death ist, bis auf das Keyboard, wenig zu spüren.

Interessant ist das Konzept der Jungs allemal: Passend zum Titel ziert das Cover der EP eine selbstgemalte Szene, wie ein Schiff droht, über den Rand der Welt zu fallen – eine Angst, die früher viele Seefahrer befallen hat, ging man damals doch davon aus, dass es am Horizont einfach steil nach unten in den sicheren Tod ging. Obwohl das Bild natürlich keineswegs professionell ausschaut, vermittelt es doch irgendwie einen guten Gesamteindruck der auf der EP befindlichen Songs; derer drei haben Lost Wisdom auf das Scheibchen gepackt, plus zwei Bonustracks – alles in allem ergibt sich daraus eine Spielzeit von etwas über 20 Minuten, die gut gefüllt ist mit beachtlichen Vocals des blutjungen Sängers Thomas, interessanten, wenn auch nicht immer passenden Keyboardpassagen und einer motivierten Instrumentalfraktion, die sich in die Gefilde des von Tod durchzogenen Black Metal hineinwühlt.

In gerade mal fünf Songs lässt sich ja das Potenzial einer jungen Band erkennen, auch wenn diese ihre Fähigkeiten auf so kleiner Fläche noch nicht völlig ausschöpfen kann. Grinsen muss man direkt beim Opener „Prototype“, wo der fies keifende Gesang ein wenig in den Hintergrund rückt und einem verstörend fröhlichen Keyboard Platz macht, das von heftigem Snareeinsatz unterstützt wird. Dass die Sechs vor leicht experimentellen Strukturen nicht zurückschrecken und diese auch noch gut umsetzen können, bringt ihnen schon mal die ersten Pluspunkte ein, auch wenn man sich nach dem ersten Durchgang ein wenig verwirrt am Kopf kratzt und dann einfach mal auf die Repeat-Taste drückt, um zu sehen, ob man im zweiten Durchlauf mehr versteht.

Das folgende „War Never Changes“ ballert wieder so ziemlich aus allen Rohren, während „Freefall“ von einem schönen Klavierintro eingeleitet wird, das so lustigerweise Parallelen zu Evanescence aufweist, bevor die Gitarren die Melodie dann weiterführen. Dafür, dass Thomas gerade mal selbst Alkohol kaufen darf, legt der Kerl eine ordentliche Vocalperformance hin, von der sich viele ältere Kollegen noch eine Scheibe abschneiden könnten. Schade nur, dass der Gesang ganz im Sinne des selbstproduzierten Black Metal relativ hintergründig geparkt wurde und nur ab und an ein wenig mehr ins Rampenlicht treten darf.

Das finale „Revenge“ scheint dann eine Spur lauter zu sein als der Rest, rumpelt ein wenig vor sich und bietet dann einen recht typischen Schwarzmetalltrack mit leichtem Nachhall auf den Vocals. Insgesamt müssen sich Lost Wisdom mit ihrem Erstling, dem im September bereits eine neue EP folgen soll, keineswegs verstecken, allerdings fehlen natürlich noch eine bessere Produktion und ausgereifterte Songstrukturen. Die vorliegenden Songs zeigen aber schon, dass die Jungs bereit sind, Experimente zu wagen und nicht auf Monotonie setzen. Wer zurzeit knapp bei Kasse ist und sich die Musik der Jungs trotzdem nicht entgehen lassen will, kann übrigens die EP auf der Homepage der Band auch kostenlos downloaden.

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