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Lost Soul: Immerse In Infinity

Grandiose technische Fähigkeiten, aber zum Teil etwas wirres Songwriting
Wertung: 6.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 55:15
Release: 06.10.2009
Label: Witching Hour Productions

Im ersten Moment könnte man beim Hören von „Immerse In Infinity“ denken: Hossa, die Jungs stehen aber auf Behemoth – noch dazu, wo Lost Soul ebenfalls aus Polen stammen und unser östliches Nachbarland ja nicht gerade die kleinste Death Metal-Szene aufweist. Dies gilt aber auch nur, wenn man so wie der Verfasser dieser Zeilen keine Ahnung und von der Band zuvor noch gar nichts gehört hat, denn sie wurde bereits 1991 gegründet – im gleichen Jahr wie Behemoth.

Nach etlichen Demos und Split-CDs kam das erste Album „Scream Of The Morning Star“ erst im Jahre 2000 heraus – die folgenden beiden Full-length-Platten erschienen dann 2002 und 2005 bei jeweils anderen Labels, beim vorliegenden „Immerse In Infinity“, der vierten Langrille, hat man erneut die Plattenfirma gewechselt und ist nun bei Witching Hour Productions unter Vertrag.

Die Vergleiche mit den Vorgängeralben fehlen mir aber nun mal und so kann ich lediglich auf das auf dieser Scheibe Dargebotene eingehen und im besten Fall Vergleiche mit anderen Bands ziehen. Behemoth kommen einem wie gesagt schnell in den Sinn, doch auch der von der Band selbst genannte Einfluss Morbid Angel hat definitiv seine Berechtigung.

Mit „Revival“ legen die Polen nach einem kurzen elektronisch gefärbten Intro los wie die Feuerwehr: Hier wird geblastet, was das Zeug hält, tief gestimmte Gitarren prägen das Bild, das wütende Brüllgrunzen von Frontmann Jacek Grecki erinnert ein wenig an Peter von Vader und die filigranen Frickelsoli lassen dann endgültig den Einfluss von Trey Azagthoth beziehungsweise Morbid Angel erkennen. Aus diesen Gründen ist es selbstverständlich fast schon überflüssig zu erwähnen, dass man sich auf einem schwindelerregend hohen technischen Niveau bewegt.

Beim folgenden „Personal Universe“ geht es ebenfalls gnadenlos zur Sache, nur einige ganz kurz eingestreute langsamere Sequenzen lassen ein wenig durchschnaufen. Irgendwie ist das schon beeindruckend, mit was für einem Tempo Lost Soul kompromisslos durch die Botanik preschen, auf der anderen Seite fehlt mir beim Songwriting so ein bisschen der rote Faden; für eine technische Death Metal-Combo sind die Stücke der Band auch alle recht lang, hier scheint man sich manchmal ein bisschen zu verzetteln, das Ganze wirkt etwas unausgegoren.

Zumindest „...If The Dead Can Speak“ (mit gut fünf Minuten der mit Abstand kürzeste Song der Platte) lässt aber dann ein wenig mehr Struktur erkennen; das Main-Riff ist sehr simpel und stampft primitiv, aber es groovt, ist relativ eingängig und gerade dieses Heruntergehen vom Gaspedal schafft nach den beiden wüsten Prügelorgien zuvor willkommene Abwechslung.

Danach allerdings gibt es vornehmlich wieder ordentlich auf die Fresse: „216“ und das weitestgehend instrumental gehaltene „One Step Too Far“ sind eigentlich durchgängig im ICE-Tempo gehalten, „Breath Of Nibiru“ walzt hingegen wieder deutlich langsamer, die Gitarren besitzen teilweise einen leicht schwarzmetallischen Anstrich und das Stück wirkt dadurch sehr fies. Des weiteren haben die Pausen zwischendrin eine enorme Wirkung und der Aufbau wirkt sehr durchdacht – auch hier gilt also: Wenn man runter vom Gas geht, wirkt das Songwriting sehr viel nachvollziehbarer und klarer.

Insgesamt sollte man daher in Zukunft wohl noch etwas mehr auf Midtempo-Passagen setzen, auch wenn ich natürlich jetzt nicht weiß, inwieweit die Band dies auf den vorigen Alben getan hat, und auch wenn es wie gesagt äußerst beeindruckend ist, was diese Truppe technisch auf dem Kasten hat, was sie bei schnellen Parts natürlich besonders gut unter Beweis stellen kann. Mit „Divine Project“ hat man zudem auch ein Uptempo-Stück im Gepäck, das sehr überzeugt und auch das überraschende Percussion-Intro zum finalen „Simulation“ weiß zu gefallen, dennoch wären ein wenig mehr eingängigere Hooklines wünschenswert. Zwar gelten Alben, die mehrere Durchläufe erfordern, meistens als die besten und das oft nicht zu Unrecht, in diesem Fall jedoch strengt die Chose auf Dauer einfach zu sehr an und wirkt streckenweise zu konstruiert. Freunde technischen Death Metals machen aber trotzdem nicht viel verkehrt, wenn sie sich „Immerse In Infinity“ zulegen, und wegen des herausragenden handwerklichen Vermögens bekommt die CD noch 6.5 Punkte. 

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann