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Lost Dreams: Wage Of Disgrace

Gute Mischung aus Melodic Death Metal und einer Prise industrieller Cyber-Elemente
Wertung: 7/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 42:45
Release: 11.12.2009
Label: Twilight Zone Records

Mit einiger Verspätung schneit die aktuelle Lost Dreams-Scheibe bei uns herein – immerhin ist „Wage Of Disgrace“ schon über ein Jahr alt und markiert den Nachfolger der 2007er Platte „End Of Time“. Seit ihrer ersten Scheibe im Jahr 2003 haben die Österreicher sich schon einen guten Namen erspielt, durften sie doch 2009 eine komplette Tour lang mit Six Feet Under und Illdisposed die Bühnen unsicher machen.

Ungeachtet des derzeitigen Trends, überall und bei jeder Gelegenheit Breakdowns in Stücke einzubauen, wo sie so gar nicht hinpassen, haben die fünf Herren sich für eine ordentliche Melodic Death-Metal-Klatsche entschieden, die sie ihren Hörern um die Ohren ballern. Mit von der Partie sind auch amtliche Keyboards, die zeitweise dem Sound eine leicht an Fear Factory erinnernde kühle Cyber-Atmosphäre geben, aber in Stücken wie dem Opener „Fear Me“ auch von Discocore-Combos wie Asking Alexandria stammen könnten. Da Lost Dreams über keinen eigenen Tastendrücker verfügen, haben die Fünf sich kurzerhand Serenity-Keyboarder Mario Hirzinger ausgeliehen – keine schlechte Entscheidung, wie man im Verlauf der Platte noch öfter bemerken wird.

Die startet wie bereits erwähnt mit „Fear Me“, spacigen Keyboards und schön derben Screams. Ein bisschen Core-Feeling kommt hier tatsächlich auf, denn so wie Drummer Rafael die Felle mit Doublebass-Attacken bearbeitet, hätten es die Jungs von Asking Alexandria kaum besser machen können. Überhaupt stehen hier die technischen Fertigkeiten der Mitglieder im Vordergrund – die ganze Scheibe verbreitet eine leicht sterile Stimmung, was nicht unbedingt als Nachteil zu sehen ist. Bei „Blood Money“ wird’s dann richtig gruselig – nicht nur, dass Sänger Schleifi (süß irgendwie, der Name) hier derbe Growls loslässt, die perfekt zum Sound passen; teilweise werden diese Growls auch noch mit Hintergrund-Screams verstärkt, was ein ziemlich morbides Gefühl auslöst. Feine Sache und etwas, was sich nicht jede Band traut und was sich vor allem nicht bei allen Bands gut anhört.

Leider gestaltet sich die eigentlich recht explosive Mischung der Combo auf Dauer etwas eintönig. „Lies“ beispielsweise gewinnt erst gar nicht richtig an Fahrt, und auch „Silent Death“ hat zwar alles, was einen guten Metalsong ausmacht, inklusive wahnwitzig abgefeuertem Schlagzeug, will aber nicht so recht zünden. Mit „Never Ending War“ befahren Lost Dreams eine etwas experimentellere Schiene – und das gar nicht mal schlecht: Ein steriles Drumintro und die tiefen Growls von Schleifi schaffen eine düstere Umgebung für die relativ einprägsamen, wenn auch nicht übermäßig dominanten Gitarren, die sogar zeitweise leicht schwarzmetallisch klingen. Mit „No Demand For Honesty“ hauen die Herren noch mal einen recht amtlichen, fast klassischen Death-Metal-Song raus; diesmal sind die Growls mit ordentlich Hall versehen, was dem Song mehr Tiefe gibt, bei hoher Lautstärke aber ein bisschen Kopfschmerzen verursacht. Und hier trifft auch wieder die Erkenntnis vom Anfang der Platte zu: Keyboards müssen nicht klingen wie ein Kinderkarussell. Mario macht hier einen wunderbaren Job, setzt die Keys zwar flächig, aber immer dezent ein, und da wo sie sich in den Vordergrund spielen, passen sie auch hin.

Auf „Wage Of Disgrace“ wird viel Gutes, aber kaum wirklich Neues geboten. Dennoch: Alte Sachen gut zu machen ist besser, als Experimente völlig zu versauen. Insofern haben Lost Dreams wahrscheinlich alles richtig gemacht. Die Mischung stimmt, auch wenn die hin und wieder durchscheinenden Core-Anleihen am Anfang der Platte etwas irritierend wirken. Ganz großartige Arbeit haben die Jungs bei der Auswahl ihres Cover-Künstlers geleistet – Emanuel Pichler von Epic Design hat den Österreichern eine junge biomechanische Dame aufs Plattencover gezaubert, die man sich am liebsten direkt als Tattoo quer über den Rücken ritzen lassen möchte und die wie Arsch auf Eimer zum leichten Industrial-Sound der Combo passt.

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