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Los Sin Nombre: Blind Leading Blind

Melodic Death Metal mit Herzblut
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 41:38
Release: 13.11.2009
Label: ViciSolum Productions

Die wenigsten Bands schaffen mit ihrem ersten Album einen Quantensprung, ein neues glaubwürdiges Sub-Genre oder überhaupt ein homogenes Stück Musik, an dem es von vorne bis hinten nichts zu beanstanden gibt. Vor allem aus den nördlicheren Regionen der Welt erreichen uns aber immer wieder großartige neue Bands, die genau das oder ähnliches scheinbar spielend leicht bewerkstelligt haben.

Los Sin Nombre scheinen sich in die Riege der musikalischen Streber einzureihen. Die fünf Schweden haben zwar seit ihrer Gründung 2004 schon einiges an Demomaterial auf den unbarmherzigen Markt geworfen, am 13. November erscheint nun aber erst ihr erstes Full Length-Album, da die Band erst letztes Jahr durch Schlagzeuger Linus und Lead Gitarrist Martin komplettiert werden konnte. Ganz im Zeichen bekannter schwedischer Bands wie In Flames, Soilwork oder Dark Tranquillity geben sich Los Sin Nombre dem Melodic Death Metal hin, ohne jedoch den Eindruck zu erwecken, sich lediglich einem Trend anzupassen. Dabei kristallisiert sich nicht nur die musikalische Begabung der Band heraus, das Quintett wartet auch noch mit wunderbar persönlichen Texten auf – bestes Beispiel dafür ist der Anti-Missbrauchsong „Taker Of Innocence“.

Tatsächlich kann man jeden einzelnen der elf Songs auf „Blind Leading Blind“ als sehr gut bis großartig bezeichnen. „Ashes To Ashes“ beispielsweise geht gleich richtig gut nach vorne, Anleihen an die oben genannten Bands sind kaum zu überhören, werden aber mit der etwas eigenwilligen Stimme von Sänger Pär Palm versehen und somit zu etwas Einzigartigem. Der Mann scheint sich sowohl in den typischen Shoutings als auch im wesentlich melodischeren Refrain wohlzufühlen und legt seine eigene Messlatte für die restlichen Songs direkt zu Anfang ziemlich hoch.

Man muss bei all den Lorbeeren und Lobeshymnen sagen, dass man der Band ihre Herkunft sofort anhört. Dass das nicht zwingend schlecht sein muss, beweist einmal mehr der Titelsong; er startet ungewohnt schleppend, bietet dann aber Pärs gewohnt kraftvolle Schreie und spätestens im Refrain weiß man: Das sind Schweden. Dabei klingen die Melodien entfernt nach den älteren Stücken der Dänen Mnemic, die sich aber ebenso gern in die Schublade des Melodic Death Metal stecken lassen wie oben genannte Gruppen.

Dass die Schweden nicht nur drauflos knüppeln können, beweisen sie beim etwas sperrigen „Breaking Silence“. Der Titel ist Programm, es wird gebrüllt wie eh und je, doch die beiden Saitenmänner Martin und Saul schrecken auch vor ausufernden Gitarrensoli nicht zurück, die komischerweise gut in den eigentlich recht geradlinigen Song passen. Selbiger erinnert von der Dynamik und dem Gesang her schwer an Emil Bulls – ob die Bands sich wohl kennen? Auf unerwartetes Terrain begeben sich Los Sin Nombre bei „Enemy“: Pärs ruhiger Gesang und die ebenso langsamen Gitarren sind allerdings nur die Ruhe vor dem Sturm, bevor wieder geniale Shouts einsetzen. Wie schon so oft, ist das zwar ein altbekanntes und – wenn man es richtig macht – vor allem bewährtes Rezept, dem die fünf Schweden allerdings ihre ganz eigene Würze geben und somit das Stück zu einem der stärksten der ganzen Platte machen.

„Our Daily Bread“ zeigt sich wieder in bester Schweden-Manier; die typisch schwedische Gitarrendynamik fällt sofort ins Auge beziehungsweise Ohr und Pärs markerschütternde Schreie erwärmen das Herz eines jeden Metallers. Das einzige Instrumentalstück der Scheibe, „Passing Through“, schafft es auch über die drei Minuten-Grenze hinweg, der Langeweile vorzubeugen, hört sich aber amüsanterweise an wie ein Intro von In Flames. Auch „Raised In Anger“ klingt zwar nach den führenden schwedischen Metalbands, man kann dem Song mit seinen fast epischen Melodien und den genialen Vocals aber seine Eigenständigkeit nicht absprechen.

Als absolutes Paradestück des Melodic Death Metal präsentiert sich noch einmal „Wounds“, das mit allem ausgestattet ist, was ein Song braucht: der Refrain gleitet auf schwebenden Melodien dahin, der Rest des Stücks ballert mit zwerchfellzerfetzendem Gesang drauflos. Hier herrscht großes Kino, was umso beeindruckender ist, da es sich um das erste Album der Band handelt.

Fazit: Los Sin Nombre bieten mit „Blind Leading Blind“ allen Fans des schwedischen Metal an sich ein großartiges Album und allen anderen ein Mosh-Schmankerl erster Güte. Kaum einer Band gelingt es, mit dem Debüt so überzeugend, erwachsen und ehrlich rüberzukommen wie diesem Quintett. Kein einziger Lückenfüller schmälert das Vergnügen, es sind lediglich starke Songs vertreten, denen man das Herzblut der Band sofort anhört. Möglicherweise werden die Fünf ja eine mehrfach erwähnte schwedische Band beerben, die in letzter Zeit etwas ins Poppige abgedriftet ist... das Zeug dazu hätten sie allemal.

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