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Long Distance Calling: Stummfilm – Live From Hamburg 2019

Muss jeder LDC-Fan unbedingt haben
keine Wertung
Genre: Post Rock
Spielzeit: 129:02
Release: 01.11.2019
Label: InsideOut

Nach sechs Studioalben im Zeitraum von 2007 bis 2018 haben Long Distance Calling nun also ihre erste Live-Blu-ray/DVD am Start, was durch die Fülle an Material, das nach einem halben Dutzend Platten vorhanden ist, und nach zahllosen Konzerten nur ein logischer Schritt ist. Wer die Münsteraner mal live gesehen hat, weiß um ihre Qualitäten auf der Bühne und dass es nicht zwingend notwendig ist, eine/n Sänger/in zu haben, um spannende Musik zu kreieren und Stimmung im Publikum zu entfachen.

Der äußerst clever gewählte Titel „Stummfilm“ suggeriert dabei sogleich, dass die Band tatsächlich ein komplett instrumentales Set spielt und auf Titel mit Gesang – die ja durchaus im Repertoire vorhanden sind – verzichtet. Natürlich hätte man angesichts des ersten professionell aufgemachten Liveprodukts auch ein großes Spektakel mit allerhand Brimborium veranstalten können, doch das ist eher nicht die Sache der Westfalen, Bodenständigkeit und Bescheidenheit stehen da eher im Vordergrund.

Außerdem reicht die eindrucksvolle Location allein schon aus, um die Zuschauer vor Ort und des Konzertfilms spüren zu lassen, dass hier etwas Spezielles stattfindet: Die Kulturkirche im Hamburger Stadtteil Altona bietet genau das richtige Ambiente für das knapp über zwei Stunden dauernde Konzert der Post-Rocker – trotzdem vielleicht etwas überraschend, dass das Quartett nicht seine Heimatstadt Münster als Ort für die Aufzeichnung wählte. Dass die Akustik in Kirchen besonders imposant ist, dürfte nichts Neues sein, da sie jedoch ursprünglich logischerweise nicht für elektrisch verstärkte Musik konzipiert war, mag dies in anderen, ähnlichen Fällen allerdings auch zu Problemen führen.

Nicht so bei „Stummfilm“ – von der ersten Sekunde an glänzt das am 6. April 2019 aufgezeichnete Werk mit sauberem, klarem und differenziertem Sound ohne Gefahr zu laufen, steril herüberzukommen, und auch das Bild, wenngleich insgesamt eher dunkel und häufig in Grün- und Blautönen gehalten, ist gestochen scharf und lässt keine Wünsche offen. Der Schnitt ist außerdem erfreulicherweise ausgewogen und nicht so hektisch wie leider häufig bei Konzertfilmen aus dem Rock- und Metalbereich. Setlisttechnisch liegt der Fokus hauptsächlich auf dem 2009er Album „Avoid The Light“ (auch aus dem Grund, dass es in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert, wie Gitarrist Florian Füntmann, der die sporadischen Ansagen übernimmt, erläutert) sowie der neuesten Scheibe „Boundless“, die ja wieder ganz old-schoolig komplett instrumental gehalten wurde, die mit je fünf bzw. vier Tracks vertreten sind.

Gerade auch die Tatsache, dass „Boundless“ wieder eine Rückbesinnung auf die Wurzeln darstellt und quasi aufs Nötigste reduziert wurde, dürfte ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen sein, das Konzert in ähnlicher Manier zu halten. Wobei mit dem Cellisten Luca Gilles und dem Perkussionisten Aaron Schrade dann doch zwei Gastmusiker dabei sind, die sich unauffällig in den Gesamtsound integrieren, trotzdem aber für ein paar zusätzliche Farbtupfer sorgen können.

So steht im „Interlude“ Gilles’ warmes Cellospiel im Vordergrund, ebenso im Outro von „359°“ darf er ein kleines, für Gänsehaut sorgendes Solo zum Besten geben und bei „Black Paper Planes“ stechen die Percussions sehr schön hervor. Dies sorgt für kleine Überraschungsmomente und zusätzliche Abwechslung, auch wenn Long Distance Calling in dieser Hinsicht ohnehin niemandem mehr etwas beweisen müssen. Das überlange „Apparitions“ allein ist ein Paradebeispiel für den vielfältigen Sound der Truppe, steigert sich diese Nummer doch ohne dass dies erzwungen wirken würde, von Pink Floyd-mäßiger Kiffermucke bis hin zu metallischer Aggressivität – letztere in vorliegender Liveversion sogar in Form von Blastbeats; da schimmern die Death-Metal-Roots von Schlagzeuger Janosch Rathmer durch, der früher bekanntermaßen in der Todesblei-Combo Misery Speaks spielte.

Alles in allem gibt es an „Stummfilm“ nicht viel zu kritisieren. LDC sind eine hervorragende Liveband, die aus gestandenen Musikern besteht und hier ein tadelloses Konzert abliefert, das auch durch die besondere Location eine spezielle Atmosphäre erhält. Technisch gibt es wie oben erwähnt keine Beanstandungen und die Stimmung wurde ebenfalls sehr gut eingefangen. Die Zuschauer beweisen ein gutes Gespür, wann sie sich wie zu verhalten haben – bei den ganz leisen Stellen könnte man eine Stecknadel fallen hören, gleichzeitig herrscht zwischen den Songs ausgelassene Euphorie; dass den Musikern dieser Enthusiasmus nahe geht, ist deutlich zu spüren. Ohne Frage ein beeindruckendes Livedokument, das jeder LDC-Fan unbedingt haben muss.

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