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Long Distance Calling: Avoid The Light

... but don't avoid Long Distance Calling
Wertung: 9.5/10
Genre: Post Rock
Spielzeit: 54:54
Release: 25.04.2009
Label: Superball Music

Mit ihrem genialen Debüt „Sattelite Bay“ schlugen Long Distance Calling schon 2007 bei Freunden des Post Rock ein wie eine Bombe. Jetzt, zwei Jahre, eine Split-CD mit der schweizerischen Band Leech und viele Konzerte später, steht die Veröffentlichung des Nachfolgers an. „Avoid The Light“ heißt das neue Album der Münsteraner, das den vom Vorgänger ausgetretenen Weg weiter festigen soll.

Doch „Avoid The Light“ festigt den Weg nicht nur, sondern dehnt ihn viel mehr aus: War zwar die Musik auf „Sattelite Bay“ schon in keinster Weise langweilig, so wird sie nun dennoch um einige weitere Einflüsse bereichert. Die Band ist experimentierfreudiger geworden. Es scheint fast, als hätten die positiven Reaktionen auf das Erstlingswerk das Selbstbewusstsein der Jungs so weit gesteigert, als dass sie nun endlich bereit sind, genau die Musik zu spielen, die eigentlich von Anfang an hinter dem Namen „Long Distance Calling“ stehen sollte.

Die Basis bildet weiterhin instrumentaler Gitarrenrock, der sich durch allerlei synthetische Klänge einen gehörigen Ambient-Flair verdient. Die Stücke bauen sich meist langsam auf, immer wiederkehrende Wiederholungen einzelner Parts haben eine fast betörende Wirkung. Die Band weiß genau, wie oft welcher Ton und wie ausführlich welche Harmoniefolge behandelt werden muss, um der unfassbar intensiven, aber zu keiner Zeit langwierigen Musik, unglaublichen Tiefgang zu verleihen. Eine derart dichte Atmosphäre wie beispielsweise im Opener „Apparitions“ findet man nur bei wenigen Bands. Es ist absolut genial, wie sich die Klänge über einen Zeitraum von fast zehn Minuten immer weiter hochschaukeln, um sich dann in einem fulminanten Schlussteil  mit mächtigen Gitarren und kräftigem Einsatz der Doublebass zu entladen. Und das soll nicht der einzige, härtere Part der CD geblieben sein:

„Black Paper Planes“ etwa hat eine weniger berauschende Wirkung, beginnt aber für Long Distance Calling-Verhältnisse schon recht hart. Hier wie in allen anderen Songs auch, verleiht das teils progressive Drumming von Janosch Rathmer der Musik interessante Akzente. Vieles wirkt schneller, lebendiger und auch dynamischer. So schlägt beispielsweise „359°“ anfangs prinzipiell in die Kerbe des Openers, entwickelt sich aber allmählich zu einem rasanten und groovigen Stück Musik. Auch „I Know You, Stanley Milgram“ lebt vom Wechselspiel seiner Elemente – laut und leise, bodenständig und melancholisch, aggressiv und verletzlich.

Einen besonderen Gastauftritt hat die Band im Track „The Nearing Grave“ zu verzeichnen. Niemand Geringeres als Katatonia-Sänger Jonas Renkse übernahm die Vocals für diesen wunderschönen Song, der auch auf einer Platte der Schweden nicht fehl am Platz wäre.

Die sechs überdurchschnittlich langen Songs der CD bringen es auf eine Gesamtspielzeit von knapp 55 Minuten. 55 Minuten voller Ausdruck, Atmosphäre und Tiefgang, weitab von Klischees und der charakterlosen Musik so vieler anderer Formationen. Ohne Texte scheint diese Band mehr auszusagen als 99% ihrer Mitstreiter im aktuellen Musikgeschehen. Long Distance Calling setzen mit „Avoid The Light“ noch einen drauf, klingen vielseitiger und experimenteller, schneller, intensiver, dennoch bodenständig – und überzeugen auf ganzer Linie.

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