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Lonely Kamel: Blues For The Dead

Tiefe, allzu tiefe Verbeugung vor den Ahnen
Wertung: 7/10
Genre: Blues/Hardrock/Stoner Rock
Spielzeit: 55:14
Release: 28.01.2011
Label: Record Heaven/Transubstans Records

In der Liste der Sätze, die ein Rezensent niemals, nie und nimmer und auf keinen Fall in einem Presse-Info lesen will, steht einer ganz oben: „(Bandname) hat sich (Jahreszahl) gegründet, nachdem sich (beliebige Musikernamen) zunächst zu ein paar Jam-Sessions im Keller von (Namen vom Bandkumpel) getroffen haben.“ Sowas landet im Regelfall ungehört auf dem Ablage-Stapel „P“ (wie Papierkorb). Bands, die die Journaille mit derartigen Trivialitäten zu begeistern suchen, haben entweder den Probekeller von (Namen von obigem Bandkumpel hier einsetzen) wirklich noch nie von außen gesehen oder einfach nichts zu erzählen, sodass deren langweiliger Bandalltag in den Mittelpunkt der Selbstdarstellung rückt.

Die Band Lonely Kamel indes hat Glück. Denn im Falle ihres neuesten Outputs „Blues For The Dead“ fand des Autoren Erstkontakt nicht mit dem gefürchteten Todessatz im Presse-Info, sondern mit dem Wesentlichen statt: Der Musik. Und die kann sich wahrlich hören lassen. Denn im Gegensatz zu den Abermillionen von Nachwuchskombos, die da behaupten „Unser Stil passt in keine Schublade“ (ein Euphemismus für „Wir wissen selbst nicht genau, was wir da tun“ und Platz zwei in unserer kleinen Hass-Satz-Hitparade), wissen die Norweger - zumal auch keine Frischlinge mehr - auf ihrem Zweitwerk sehr wohl, wohin die Reise geht.

Erdiger Blues und „klassischer“ Hardrock der alten Schule, das ist ihr Metier. Der Sound weckt Assoziationen an die Großen des Geschäfts: Rockmonster wie Led Zeppelin, Black Sabbath oder Uriah Heep. Keine Frage: Die Norweger sind stolz auf ihre musikalischen Ahnen. Warum sie also verstecken? Und so klingen sie allenthalben durch: bei „Green Eyed Woman“ schielt ein Jimi Hendrix um die Ecke und „No More Excuses“ hätte dank der einleitenden Wimmer-Orgel auch gut aus dem Frühwerk von Deep Purple stammen können. Dazu würzt das Quartett sein kunterbuntes Hippie-Hardrock-Menü mit verspielten Soundeffekten und scheut auch atonale Gitarrenloops à la „Whole Lotta Love“ nicht (hier in „The Boys“).

Wer es bis hier durchgehalten hat, wird zum zum Finale mit einem 10-minütigen „Trip“ belohnt; einer psychedelischen Midtemo-Nummer, die aus dem Vollen schöpft: Echoschleifen, Schichten aus Lead- und Rhythmusgitarren, Radio-Stimmfetzen, meditative Monotonie mit Sogwirkung und flirrende Schleier aus synthetischem Geräusch. „Come on, sit down, let me take you for a ride“, singt Frontmann Thomas Brenna dazu - eine Einladung, der man sich nur schwer entziehen kann.

Doch, Obacht: Drogen sind nicht nur gefährlich für Leib und Leben, liebe Kinder. Sie machen vor allem stumpfsinnig. Die Band versteht ihr Handwerk, ohne Zweifel. Die Energie, mit der Lonely Kamel hier vorgehen, treibt einem zuweilen die Gänsehaut die Arme hoch, auch der Gesang ist mehr als vorbildlich. Doch auf Dauer wirkt dieses schwer groovende Gebräu leider auch ermüdend. Luftig-leichte Momente sucht man inmitten des inbrünstigen Abgesangs auf den Blues vergeblich. Etwas weniger Verbeugung vor den Toten und mehr Eigenprofil wäre also wünschenswert. Album Nummer 3 soll ja Gerüchten zufolge bereits in der Mache sein. Ob's die gewünschte Entwicklung bringt?...

(Die Goldmedaille für die überstrapazierteste Schlussphrase von Presse-Artikeln geht an)

„Man darf gespannt sein...“

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