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Lönndom: Viddernas Tolv Kapitel

Natur-Melancholie zum Genießen
Wertung: 8.5/10
Genre: Folk
Spielzeit: 59:39
Release: 22.02.2010
Label: Eisenwald Tonschmiede

„Wie gerne würd' ich jetzt in Schweden sein!“ - schon Die Ärzte wünschten sich ins Land der Wälder und Elche, priesen dabei auch gleich noch die Feierlust der Einwohner und das tropische Klima. Eine ganz andere Seite ihres nordischen Heimatlandes zeigen S. Sandström und A. Pettersson – alias Lönndom – auf „Viddernas Tolv Kapitel“: Die Einsamkeit, Stille und schlichte Schönheit der Natur bannen die beiden kraft zweier Akustikgitarren und ihrer Stimmen auf CD und laden den Hörer ein, sich in wohliger Melancholie und Fernweh zu verlieren.

Wenn es ein Album gibt, das es verdient, mit dicken Kopfhörern und geschlossenen Augen gehört zu werden, so ist es sicherlich dieses, denn „Viddernas Tolv Kapitel“ ist eine leise Platte, die allein durch ihre Atmosphäre wirkt. Eingeleitet – pardon: -geläutet – wird der Opener „Välkommen ut“ von bimmelnden Kuhglocken, Lagerfeuergeknister und Sturmbrausen. Dezent setzt kurz darauf eine Gitarre ein, schlägt nur wenige Akkorde an. Darüber legt sich tiefer Gesang: nicht im eigentlichen Sinne singend, sondern brummend, murmelnd, säuselnd und pfeifend; zuerst allein, dann zweistimmig. Die Melodie klingt beschwörend, folkloristisch; vermutlich ist sie es auch.

Erst ab dem zweiten Song sind statt lautmalerischen Tönen auch Silben einer Sprache zu erahnen – für einen des Schwedischen mächtigen Hörer vermutlich auch Bedeutung und Inhalt. Allen anderen bleibt nur, sich von dem betörend-beruhigenden Klang in Verbindung mit den durchgängig erklingenden Naturgeräuschen von Wasserplätschern bis Eulengekreisch entführen zu lassen. Vor dem geistigen Auge entstehen ganz von selbst Bilder von Wäldern, Fjorden, weiten Tundren und stillen Lichtungen – Schwedens Natur (oder wie man sie sich gern vorstellt) für den CD-Player, sozusagen.

Das minimalistische Soundkonzept von Lönndom birgt natürlich die Gefahr, bei knapp einer Stunde Spielzeit irgendwann eintönig zu werden. Jedoch muss man sich hier die Frage stellen, ob es eigentlich im Interesse der Platte liegt, Abwechslung, Spannung und Unterhaltung zu bieten oder ob der fließende, gleichförmige Charakter nicht viel eher der meditativen Stimmung, die dieses Werk verbreitet, zuträglich ist. Nach Genuss von „Viddernas Tolv Kapitel“ steht für mich jedenfalls fest: Ich muss unbedingt nach Schweden – wenn möglich, mit Gitarre.

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