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Locus Mortis: Inter Uterum Et Loculum MMXI

Die alte Frage: Braucht man tatsächlich Neuaufnahmen?
keine Wertung
Genre: Black Metal
Spielzeit: 47:52
Release: 12.07.2011
Label: ATMF (Aeternitas Tenebrarum Music Foundation)

Re-Recordings sind so eine Sache für sich: Vor nicht allzu langer Zeit erst nahm die wandelnde Selbstparodie Manowar ihr Debütalbum „Battle Hymns“ ein zweites Mal auf und erntete damit (wie so häufig zuletzt) nicht nur Lob dafür. Während Bandboss Joey DeMaio gewohnt großkotzig rhabarberte, die Neuaufnahme töne lauter, sei besser produziert und überhaupt und blablabla, warfen viele Fans der Band vor, man würde die Magie und den Charme der ursprünglichen Version beschmutzen und sowieso nur auf die Kohle schauen, die man damit scheffeln könnte.

Nun, was letztlich auch immer die Motive der sogenannten „Kings of Metal“ waren – auf die Italiener von Locus Mortis trifft zumindest das letztgenannte potentielle Motiv sicherlich nicht zu, denn dazu ist die Band zu unbekannt und frönt mit Black Metal ohnehin einer Spielart, die natürlich nach wie vor weit vom Mainstream entfernt ist. Ja, ganz recht, auch im Stiefelland wird inzwischen weit mehr als nur kitschiger Power und Symphonic Metal serviert – von diesem Klischee sollte man sich wohl langsam dann doch mal verabschieden. „Inter Uterum Et Loculum“ war im Jahre 2005 das Debütalbum des schwarzmetallischen Trios und ehrlich gesagt, hab ich nicht den blassesten Schimmer, wie diese Scheibe klingt, man darf allerdings wohl annehmen, dass sie sich sehr räudig und roh anhört, vermutlich zu räudig und roh, weswegen man den Entschluss fasste, das Ganze noch einmal einzutrümmern. In der Schwarzwurzelszene fast schon eine mutige Entscheidung, denn wenn schon bei Manowar gemeckert wird, man muss kein Genie sein, um zu erahnen, dass so etwas in diesem Genre bestimmt nicht gerne gesehen wird.

Tatsächlich tönt die 2011er Version relativ klar und differenziert produziert, wobei das allzu saubere Klicken der Bassdrum und die kristallklaren Becken so manchem Die-Hard-Blackie ganz bestimmt auf die Nüsse gehen dürften. Dennoch hört sich die Platte insgesamt recht basisch und ungestüm an, zumindest was Gitarren und Gesang betrifft. Handwerklich befindet sich die Truppe auf einem mehr als soliden Niveau, auch in atmosphärischer Hinsicht kann man weitestgehend überzeugen. Was nun die songschreiberische Komponente angeht, so zeigt sich, dass die Italiener schon damals um Abwechslung – soweit das Genre es zulässt – wenigstens bemüht waren. Harsche, wilde Blastbeat-Attacken werden hin und wieder durch ruhigere, nachvollziehbar integrierte Passagen unterbrochen, in denen hübsche Gitarrenmelodien erklingen. Dennoch: Auch wenn es sicherlich nicht Aufgabe einer Black-Metal-Band ist, am laufenden Band Ohrwürmer zu fabrizieren, bleibt insgesamt zu wenig hängen, ein Schuss mehr Nachhaltigkeit bei Riffs und Melodien hätte nicht geschadet, denn auch nach mehreren Rotationen bleibt das, was sich in den Gehirnwindungen festsetzt, eher übersichtlich. Combos wie Watain, Endstille oder Darkened Nocturn Slaughtercult sind den Italienern da klar voraus, wobei es mit dem fetten Opener „Te Sit Perpetua Vita“ (eingeleitet von einem Horrorsoundtrack-mäßigen, kurzen, aber coolen Intro) eine lobenswerte Ausnahme gibt.

Weiterhin ist der Gesang sehr eintönig, auch für Schwarzwurzel-Verhältnisse. Irgendwie passen die Vocals zwar ganz gut zur Stimmung der Platte, aber ein wenig mehr Durchschlagskraft und Akzentuierung wäre wünschenswert gewesen. Gut, zu letzterem könnte man hinzufügen, dass die Texte außerhalb Italiens sowieso kein Schwein versteht, weil die Jungs die Lyrics in ihrer Heimatsprache verfasst haben – andererseits ist aber gerade diese interessante, weil ungewöhnliche Tatsache ein Grund mehr, das Gekrächze und Gekreische etwas deutlicher zu intonieren, denn so versteht tatsächlich niemand, in welcher Sprache da eigentlich gesungen wird.

Und da wäre noch eine Sache, die negativ ins Gewicht fällt: Dass fast jeder Track ausgefadet wird, ist gerade bei solch intensiver Musik wie Black Metal ziemlich nervig, da es den Fluss erheblich stört. Tatsächlich sind es letztlich sieben der acht Songs (den „Prologo“ mal ausgenommen), bei denen am Ende die Regler langsam heruntergeschoben wurden, was schlichtweg zu viel des Guten ist, und auch den dreiminütigen Lärm ganz zum Schluss hätte man sich weiß Satan sparen können. Trotzdem gilt zusammengefasst: Eine okaye Platte, die sich prinzipiell im Sechs-Punkte-Bereich bewegt, doch da es sich um eine Neuaufnahme handelt, schenke ich mir eine Wertung.

P.S.: Wer ist eigentlich für das grauenhafte Cover-Artwork verantwortlich? – Das geht wirklich gar nicht!

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann