Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Livid Halcyon: Winterlove

Kitsch as Kitsch can!
Wertung: 4/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 43:14
Release: 27.11.2009
Label: Hellfest Records

Das könnte übel enden: Ein Album das „Winterlove“ heißt, eine Band mit Sängerin und Songtitel wie „Calling Out For Me“ oder „My Promise“. Das klingt doch schwer nach singenden Hochzeitskleidern, Herzschmerz und mehr Kitsch, als bei sämtlichen Boygrup-Vampir-Teenie-Schnulzen dieser Welt. Aber ein erster Blick in das schön aufgemachte Digigpack gibt teilweise Entwarnung: Kein Keyboarder in der Band! Nicht, dass ich etwas gegen dieses Instrument hätte, aber dann wäre ich versucht gewesen, dieses Review zu schreiben, ohne in das Album von Livid Halycon reinzuhören. Es hätte einfach zu gut in die Klischeevorstellung einer Gothic-Metal-Kapelle gepasst.

Jetzt habe ich nur gestänkert, ohne etwas über die Band zu erzählen und das kann natürlich nicht angehen: „Winterlove“ ist schon das vierte Album der im Jahr 2004 in Aalen gegründeten Livid Halcyon. Wie man sich anhand der in der Einleitung aufgezählten Indizien leicht zusammenreimen kann, steht bei dem gemischten Doppel Gothic auf dem Plan. Besser gesagt Gothic Rock, ganz in der Tradition von grob geschätzt 3763 anderen Bands aus diesem Genre. Experimente scheinen die Aalener so zu scheuen, wie Zakk Wylde das Alkoholfreie. Doch um es vorweg zu nehmen: „Winterlove“ ist nicht so schlimm wie befürchtet.

Genau genommen ist das Album überhaupt nicht schlimm, sondern einfach nur überflüssig. Es ist lieb, nett und hat keinerlei Ecken und Kanten. Quasi als würde eine x-beliebige Popmusik-Hupfdohle jetzt Gothic machen, weil der Manager denkt, da könnte man noch ein wenig Kohle scheffeln. Das ist zwar ein wenig hart, trifft meine Gefühle aber ganz gut. Ich habe nichts gegen Gothic Metal und Gothic Rock, da ich Tristania oder die Frühwerke von Theatre Of Tragedy sehr schätze, aber Livid Halcyon sind dermaßen berechenbar, dass es nicht mehr schön geredet werden kann. „On My Own“ ist nur ein Beispiel für einen klassischen Midtempo-Song, der niemandem weh tut. Sängerin Melanie hat eine gute Stimme, die aber leider auch rein gar nichts Charakteristisches in sich trägt. Die Instrumentalfraktion scheint einfach nur ihren Job verrichten zu wollen und glänzt durch gepflegtes Mittelmaß.

So plätschert die Platte vor sich hin, bis „Too Late“ das Tempo immerhin leicht anzieht und mit leichten Effekten im Gesangsbereich den Hörer aus dem Halbschlaf reißt. Natürlich wird schnell wieder in kuscheliges Midtempo umgeschwenkt, aber es war immerhin eine minimale Abwechslung. Danach darf mit „My Promise“ die obligatorische Kitschballade nicht fehlen. Es ist mir aber auch nur gelungen, diese als solche zu erkennen, weil am Anfang ein einsames Piano im Hintergund gespielt wird. Vom Songwriting her gibt es sonst kaum Variationen zum Rest des Materials. Ganz groß ist auch der Text, der nach nach dem üblichen Prinzip funktioniert: Einsames Girlie sitzt zu Hause und weint, weil der Verflossene a) abgehauen ist, weil er das Gejammer nicht mehr erträgt, b) den Boden düngt oder c) mit den Jungs lieber in der Kneipe Fußball guckt. Weil es so schön war, wird mit „Another Day“ übrigens direkt im Anschluss der nächste Kübel Kitsch ausgeschüttet.

Fazit: Es wird euch überraschen, aber es passiert auf „Winterlove“ rein gar nichts von Belang. Ich bin mir sicher, dass die Nachtschattengewächse diese Platte genauso nötig haben, wie der gemeine Pandabär das x-te Nebenprojekt aus den Wäldern Norwegens. Livid Halcyon mögen bereits vier Alben aufgenommen haben, doch bringen wird ihnen das nicht viel. Wenn man weiterhin so an den Größen der Szenen klebt, wird sich niemand für ein eventuelles fünftes Album interessieren.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna