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Live at Wacken 2013

Über acht Stunden langer Rückblick auf 2013
keine Wertung
Genre: alle möglichen Arten von Rock/Metal/Folk
Spielzeit: DVDs: ca. 8,5 Stunden/ CDs: 158:27
Release: 25.07.2014
Label: UDR Music

Nicht mehr lange, dann steigt die Jubiläumsausgabe des berühmtesten Metalfestivals der Welt und es heißt: 25 Jahre Wacken Open Air. Pünktlich dazu gibt es als Anheizer für die Fans kurz vorher noch ein ausgiebiges DVD-/Blu-ray-Paket mit etlichen Highlights vom letzten Jahr. Anscheinend ist man in diesem Jahr mit der Produktion etwas mehr auf Zack gewesen als letztes Mal, denn die 2012er Ausgabe erschien erst im Dezember 2013. Der Redaktion lag die Version mit drei DVD und zwei CDs vor, weswegen auf die technischen Daten der Blu-ray und ob es sich im Vergleich zur DVD-Edition lohnen würde, ein paar Cent mehr auszugeben und sich lieber diese zuzulegen, nicht eingegangen werden kann.

Eins aber ist sicher: Quantitativ wird hier eine ganze Menge geboten; auf die drei DVD-Silberlinge verteilen sich insgesamt über acht Stunden Musik plus Bonusmaterial. Dass die stilistische Bandbreite auf Wacken enorm ist, weiß jeder, und man hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, dies auch auf den Tonträgern zu verdeutlichen. Da gibt es sowohl Assi-Punk à la Die Kassierer als auch Intellektuellen-Prog der Marke Ihsahn; Party-Rock der Pretty Maids oder von Ugly Kid Joe findet sich ebenso wieder wie geisteskrankes Deathcore-Geknüppel (Whitechapel) oder melodisches Material (Sonata Arctica, Amorphis).

Natürlich muss man damit klarkommen, dass von jeder Band nur einer, zwei oder vielleicht auch mal drei Tracks gespielt werden und danach eben etwas anderes kommt – wer also ausschließlich durchgängige Konzerte bevorzugt, wird wenig Freude an „Live at Wacken 2013“ haben. Aber diese Aufteilung war ja vorher bekannt und sicherlich ist das Produkt in erster Linie für diejenigen empfehlenswert, die selbst damals dort waren und noch einmal ein wenig in Erinnerung schwelgen möchten. Dass es nicht jedem recht gemacht werden kann, ist bei der Masse an Acts völlig logisch und von daher wird wohl auch jeder eine andere Meinung dazu haben, welche Band mehr hätte gefeaturet werden sollen und welche nicht.

Trotzdem erlaube ich mir mal die provokante Frage, wieso die völlig lahmarschigen und überbewerteten Thunder mit drei Liedern vertreten sind, während die Legende Deep Purple mit lediglich einem Stück abgespeist wird. Und bei dem ach so spaßigen Pseudo-Folk-Gedudel von Black Messiah, das eine erschreckend große Schlager-Schlagseite besitzt, rollen sich einem einfach nur die Fußnägel hoch. Letztgenannte fürchterliche Grütze steht repräsentativ dafür, was vielen Metallern, die seit Jahren nach Wacken pilgern, auf die Nüsse geht: immer mehr Schunkelmucke, die textlich auf Saufen und Ficken reduziert und nicht allzu weit über Ballermann-Niveau angesiedelt ist. Bei Kamikaze Kings, die anscheinend ihre bestenfalls durchschnittlichen musikalischen und songschreiberischen Fähigkeiten durch ein paar in Sachen Tanzen ebenfalls sehr leidlich begabten Schnecken auf der Bühne kaschieren müssen, darf man sich jedoch gleichermaßen nach der Existenzberechtigung fragen. Und Doro, die mittlerweile praktisch jedes Jahr auf dem schleswig-holsteinischen Acker auftritt, müsste eigentlich inzwischen selbst Die-Hard-Fans mit ihrer Omnipräsenz nur noch nerven.

Aber bekanntermaßen gibt es glücklicherweise eine Skip-Taste, denn wie erwähnt: Es jedem recht zu machen, ist unmöglich. Als Highlights sei dennoch der gänsehäutige, fantastische Nightwish-Gig genannt, der in voller Länge bereits um letztes Weihnachten herum auf DVD und Blu-ray erschien, und bei dem man sich in den Allerwertesten beißen muss, wenn man nicht dort war. Insbesondere „Ghost Love Score“ geht wahnsinnig unter die Haut. Auch auf Annihilator war live wie eigentlich immer Verlass, Motörhead waren trotz des Konzertabbruchs sehr gut, was sich auch auf Konserve noch einmal bestätigt, genauso wie Amorphis und Schockrock-Meister Alice Cooper. Merkwürdig, dass Powerwolf mit keinem Song vertreten sind, so wie die Saarländer derzeit abräumen, und mit Rammstein und Gojira fehlen leider weitere große Namen, die 2013 für ordentlich Furore sorgten.

Was die technischen Daten angeht, so ist das Bild auf gewöhnlichem DVD-Standard, während der Ton schwankt, was bei den stilistisch teilweise eklatant verschiedenen Bands allerdings auch nicht verwunderlich ist. Die Kameraarbeit ist zum Glück nicht zu schnittlastig, das Publikum wird sehr häufig gezeigt, was gerade bei einem so großen Festival auch so sein muss – nette Details gibt es bei einem Großevent dieser Art schließlich immer einzufangen.

Das Ganze ist sehr spartanisch gehalten, ohne großen Schnickschnack wie ein aufwendiges Menü oder ähnliches wird einem einfach jede Menge Musik vor den Latz geknallt, auf der dritten DVD kommt außerdem noch ein wenig Bonusmaterial hinzu: ein kleiner Impressionsfilm sowie ein etwas längerer Streifen, in welchem Interviews mit Fans zu sehen sind, die darüber sprechen, seit wann sie zum Wacken fahren, warum, wie sie dazu gekommen sind etc. Nicht wirklich essentiell. 
 
Zu den audiovisuellen Silberlingen kommen wie angedeutet noch zwei CDs dazu, auf denen einige ausgewählte Songs lediglich im Audioformat verewigt wurden – ob diese noch zusätzlich nötig gewesen wären, sei dahingestellt, vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Package allerdings zweifellos wertig. Wer Fan solcher Compilations ist und sich nicht dadurch gestört fühlt, dass ungefähr alle Viertelstunde eine andere Formation spielt, macht bestimmt keinen Fehler, sich „Live at Wacken 2013“ ins heimische Regal zu stellen, alle anderen können ja zumindest mal reinschauen.

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