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Liotta Seoul: Cool

Zu Beginn etwas mau, in der zweiten Hälfte bombastisch
Wertung: 8/10
Genre: Indie Rock, Neo-Grunge
Spielzeit: 11:54
Release: 01.10.2021
Label: Krod Records

Die ursprünglich in Koblenz gegründete Indie-Grunge-Alternative-Arschtritt-Truppe Liotta Seoul scheint nicht an schwindendem Selbstbewusstsein zu leiden. „Cool“ heißt denn auch folgerichtig die neue EP der Truppe, Nachfolger zum letzten Output „Hopper“, der erst Anfang 2020 erschienen war. Langeweile kennen die Herrschaften also scheinbar auch nicht; umso besser für die Fans.

Was Liotta Seoul stattdessen im Gepäck haben, sind erfreulich bratende Gitarren, clever gestrickte Arrangements und ein Sänger, der zugegebenermaßen streckenweise sehr gewöhnungsbedürftig klingt. Aber (!): Gerade in der zweiten Hälfte der gerade mal vier Tracks langen EP zeigen sich hier monumentale Vocalparts, die man tatsächlich immer wieder hören möchte, so wie der Pressewisch es versprochen hat. Schauen wir uns die Tracks mal nacheinander an:

„Power Drill“ startet fast depressiv, gitarrentechnisch bewegt man sich irgendwie zwischen Grunge, Indie und den düsteren Auswüchsen des Britpop, wie ihn beispielsweise Placebo praktizieren, hier kommt die Stimme aber noch eine Spur zu unbeteiligt aus den Boxen, wobei gerade der Refrain doch einen ordentlichen Ohrwurmcharakter aufweist. So oder so ein spannender Start, bei „Like Me“ überwiegt dann leider der nasale Gesang, aber (auch hier nochmal mit Ausrufezeichen!) dann stolpert „David Blaine“, der Song über den „Übermenschen“ (Zitat Band) in den Raum; bereits vorab veröffentlicht, hatte der Track schon einige Wochen Zeit, um sich in die Synapsen einzunisten. Den Performancekünstler kann man nun mögen oder auch nicht, der Track ist trotzdem klasse. Und auch hier wieder: Ohrwurmgefahr!

Das finale „Airplane“ würde für sich alleine genommen tatsächlich die volle Punktzahl erhalten – die Vocals strömen wollig-warm aus den Boxen und weisen dabei frappierende Ähnlichkeit mit Taproots Stephen Richards auf (kennt die überhaupt noch irgendwer?!), die bratenden Gitarren tun ihr Übriges um den Song auf Dauerschleife zu setzen. Wahnsinn, mit so einem Knaller hätte man beim besten Willen nicht mehr auf „Cool“ gerechnet. Hier stauen sich Emotionen in einer Spielzeit von gerade mal dreieinhalb Minuten – den Kloß im Hals spürt man da recht schnell. Einfach genial!

Mit der zweiten Hälfte der EP haben Liotta Seoul in jedem Fall den Bock abgeschossen und sich zu einer Band gemausert, die man unbedingt im Gedächtnis behalten sollte, wenn man auf Gitarrenmusik und intelligenten Neo-Grunge steht. „Airplane“ wird sicherlich für die Schreiberin dieser Zeilen ein Song sein, der sich bis weit in 2022 hinein in der Playlist halten wird.

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