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Linhay: On How To Disappear

Mehr Mut!
Wertung: 6,5/10
Genre: Emo, Alternative/Indie Rock
Spielzeit: 43:45
Release: 04.09.2020
Label: BLOODSTREAM

Linhay aus Kiel sind wahrlich nur schwer zu beschreiben. Klar liegen der Debüt-Full-Length mit dem schönen Titel „On How To Disappear“ Emo-Anleihen zu Grunde, hier und da blitzen aber auch mal Indie, Alternative oder auch Grunge und – ja, auch Pop Punk durch, wenn auch in insgesamt eher homöopathischen Dosen. Genug allerdings, um den Hörer ein wenig aufzurütteln, obwohl man im ersten Durchlauf noch nicht vieles entdecken kann, was einen vom Hocker hauen könnte.

Allerdings, ein Silberstreif drängt sich schon bei der ersten Lauschrunde in den Vordergrund: Ausgerechnet „Interlude (A Slightly Disorientated Butterfly)“ kann als vermeintliches Zwischenspiel punkten, wenngleich man bei „Interludes“ oder „Intros“ ja eher mal geneigt ist, mit der Aufmerksamkeit abzuschweifen. Tatsächlich lassen die perlenden Gitarren zuerst nichts Spannendes vermuten, man ist geneigt, den Track eher als nettes Intermezzo unter „ferner liefen“ abzuspeichern, erst im letzten Drittel wird der Gesang eingeschleust, am Ende wird man dann mit fiesem Shouting für sein Ausharren belohnt.

So stark „Interlude“ sich hier auch präsentiert, so schwierig ist es doch, andere herausragende Momente auf „On How To Disappear“ herauszufiltern. So sehr man sich auch zu konzentrieren versucht, nach kurzer Zeit plätschert die Musik wieder an einem vorbei, was sicherlich nicht nur an dem teils recht sphärischen Soundteppich liegt, sondern eben auch daran, dass die Vocals mit entsprechendem Hall versehen in diesen Teppich eingewoben sind. Das mag erst mal entspannend wirken, enerviert aber auf Dauer eher – Ausreißer wie beim etwas schrägen „Poem“ kommen da höchst gelegen.

Wenn die Truppe ein bisschen mehr am Gaspedal schnuppert („The Distance Between Two Moons“), lässt sich deutlich mehr Enthusiasmus und Spielfreude heraushören, was dem Track entsprechend gut tut. Treibende Drums und spannende Melodiebögen können durchaus den einen oder anderen Punkt einheimsen, man muss sich aber auch fragen, wieso Linhay immer wieder unvermittelt und vor allem größtenteils recht ungeschickt auf die Bremse treten, so dass man sich ein genervtes Schnauben kaum verkneifen kann. Mehr Ausraster, mehr flotte Gitarren, mehr Drive wünscht man sich, da können einen bärenstarke Melodiebögen wie im mit zwei Minuten deutlich zu kurz geratenen „Shy“ auch nur marginal trösten.

Schade, denn mit einer technisch versierten Instrumentalfraktion, einem Sänger, der stellenweise frappierend an Emil Bulls-Christ erinnert und einigen fesselnden Arrangements haben die Kieler Jungs eigentlich alles im Gepäck, was man als Emo-Rock-Truppe braucht. Allein an der Umsetzung hapert es manchmal. Da werden Songs viel zu brutal abgekürzt („Shy“) oder im Gegenteil über Gebühr strapaziert („In Sunshine And In Shadow“, das aber trotz allem einige überzeugende Momente aufweist). Man ertappt sich dann auch schon mal, wie man mitten im Song aus dem Raum geht und in die Küche wandert, um Geschirr zu spülen. So weit sollte es nicht kommen, zumal auf „On How To Disappear“ einiges an Potential schlummert. Lasst den Albumtitel nicht Wirklichkeit werden, Jungs!

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