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Lingua Nada: Snuff

Ein grotesker Klumpen Musik
Wertung: 7,5/10
Genre: Mathrock, Indie, Post-Rock, Grunge, Experimental
Spielzeit: 39:58
Release: 23.03.2018
Label: Kapitän Platte

Zugegeben: Ein bisschen Fracksausen war schon im Vorfeld vorhanden, als die neue Lingua Nada-Full-Length „Snuff“ angekündigt wurde und auf dem digitalen Schreibtisch landete. Wie sollte man ein komplettes Album von einer Band überstehen, die schon mit vier kurzen Songs auf einer Split verbrannte Erde und rauchende Köpfe zurückgelassen hatte? Und, was noch wichtiger ist: Wie soll man dieses akustische Erdbeben dann in einigermaßen kluge Worte fassen?

Man muss die krude Mischung aus Mathrock, Indie, Grunge, Post-Rock und sicherlich noch einigen anderen experimentellen Zutaten nicht unbedingt verstehen, um sie zu mögen; aber man sollte sie mögen, um sich „Snuff“ mehr als einmal zu Gemüte zu führen. Sänger und Gitarrist Adam Lenox Jr. selbst gibt an, mit dieser Platte eigentlich ein ordentlicheres Stück Musik, quasi ein Pop-Album geplant zu haben – musste aber dann selbst einsehen, dass er und seine Band dazu verdammt sind, Strukturen über den Haufen zu werfen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Wobei: Eine Band, die erkennbar die Red Hot Chili Peppers zitiert, kann so kaputt doch gar nicht sein.

Es spricht auch sehr für Lingua Nada, dass erst der fünfte Song, der Titeltrack nämlich, den Finger Richtung Skiptaste zucken lässt; so richtig dazu durchringen kann man sich aber nicht, obwohl hier mit fast 8-bit-lastigem Geklingel aufgescheucht wird. Dazu gibt‘s so noisig-verzerrte Klänge, dass man kaum herausfiltern kann, ob sich da Gesang mit einmischt oder nicht, das manisch-hysterische Gelächter tut dann sein Übriges. Eher ein Gruseltrack, aber gut, die Herren hatten sich ja bis dato auch zusammengerissen.

Das fängt schon an beim schrägen, aber nichtsdestotrotz nachvollziehbaren „Svrf Party“, das schwurbelig durch die Boxen flötet und sich im Refrain geradezu punkig gibt, und auch wenn der Track mit knapp sechs Minuten einen Hauch zu lang geraten ist, zaubert doch die Reminiszenz an RHCP gegen Ende des Songs nochmal ein Lächeln auf das Hörergesicht. „Lvl 100“ punktet mit massiven Gitarrenwänden, und einer eher grungigen Schlagseite, und ein Song wie „Cyanide Soda“ hat alleine schon für den Titel einen Punkt verdient, für Irritationen sorgen dann die quietischen „Ooohoo“-Chöre, die immer mal wieder eingestreut werden.

„Mechakintosh“ rumpelt sich durch die ersten Sekunden, bevor die dumpf-verzerrte Fronterstimme sich mit entsprechend verdrogten Soundspielereien im Hintergrund einschaltet; so richtig weiß man hier auch gar nicht wo man zuerst hinhören soll, lediglich die Gitarrenspur im Hintergrund liefert einen ungefähren roten Faden, an den man sich halten kann, der aber schnell auszufransen droht und schließlich im Klangknäuel verschütt geht.

Schwer zu sagen, wo die Band aufhört und der Wahnsinn anfängt, aber wer sich „Snuff“ zu Gemüte führen will, sollte entweder über einen guten Vorrat an halluzinogenen Drogen verfügen oder über ein dickes Fell, was musikalische Experimentierfreudigkeit angeht. Lingua Nada spielen nicht mit Genre-Schubladen, sie reißen sie aus der Verankerung und zerschlagen sie an der Wand. Heraus kommt ein teils grotesker Klumpen Musik, der aber in all seinem Durcheinander doch auch einen gewissen Charme versteckt, den man mit gar nicht mal so großer Mühe ergründen kann.

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