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Letzte Instanz: Ins Licht

Musikalisch selbst übertroffen
Wertung: 9.5/10
Genre: Gothic Metal
Spielzeit: 50:43
Release: 03.02.2006
Label: Drakkar Records

Schon einige Schicksalsschläge musste die Band Letzte Instanz hinnehmen: Bereits nach dem ersten Album „Brachialromantik“ aus dem Jahre 1998 verabschiedete man sich von Sänger Hörbi. Auch in den folgenden Jahren variierte das Line Up des Öfteren. Der Höhepunkt der ständigen Wechsel ist nach dem vierten Album „Götter auf Abruf“ zu registrieren: Gleich drei Musiker verabschiedeten sich, darunter auch der nach „Brachialromantik“ hinzugestoßene Sänger Robin. Dass Existenzängste oder dergleichen die Band noch immer nicht in die Knie zu zwingen vermögen, wird nun durch das vorliegende neue Werk „Ins Licht“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Vorfeld hatte man sich als neuen Sänger Holly ins Boot geholt und auch die Bassisten-Rolle neu belegt. Den zweiten E-Gitarristen Tin wollte man allerdings nicht ersetzten. „Wir mussten und konnten nach Tins Ausstieg eine Entscheidung fällen und die ist natürlich zu Gunsten der Streicher ausgefallen.“, erklärt Holly D. im Interview, „Eine x-beliebige Nu- Metal- Band wollten wir nicht werden. Das können andere auch besser als wir“.

Eine weise Entscheidung, wie man nun feststellen kann, denn die noch bei „Götter auf Abruf“ so präsenten New Metal-Einschläge sind nicht mehr so dominant wie zuvor und auch die Streicher spielen – wie angekündigt – wieder eine größere Rolle. Überhaupt wirkt alles viel melodischer. Der immer öfter verwendete rezitative Gesang (ihn Sprechgesang zu nennen ginge zu weit) ist nicht mehr wieder zu finden. „Holly, unser neuer Sänger, benutzt seine Stimme wieder mehr als Instrument.“, beschreibt der Gitarrist der Band treffend. Die Vocals sind ebenso tief wie zu früheren Zeiten, teils aber wesentlich melodischer und gefühlvoller. Klar, dass Rap-Einlagen, wie zuletzt verwendet, da keinen Platz mehr finden. „Ein relativ großer Teil unseres Publikums kommt aus der schwarzen Szene. Da ist es zugegeben nicht sonderlich clever, HipHop-Songs zu machen. Das haben uns viele übel genommen und ich kann das sogar verstehen“. Die Zeit der großen Experimente scheint beendet zu sein.

Mit dem ebenfalls als Single ausgekoppelten Song „Sonne“ hat man einen für das Album repräsentativen Opener gefunden. Die ruhig gehaltene Strophe hat man mit einem treibenden Schlagzeugrhythmus versehen, der auf den knallenden aber dennoch nachdenklich wirkenden Refrain vorbereitet. Gedankenvoll ist nicht nur die Musik, nein auch die Texte sind mit Botschaft versehen und teils auch recht philosophisch. Obwohl sich Robin (Sebastian Lohse) zu früheren Zeiten für den Großteil der Texte verantwortlich zeigte, diese Aufgabe aber nun durch das Verlassen der Band abtrat, ist nun dennoch eine deutlichere Linie in den Songs zu erkennen. Es resultieren weniger Unklarheiten und besseres Verständnis. „Nimm Mich“ stellt eins der Höhepunkte der CD dar: Sehr gefühlsbetont trägt Sänger Holly in einem sehr abwechslungsreichen Track sein Anliegen vor. Nummern wie „Womit die Welt begann“ zeigen, inwiefern die Streichung der zweiten Position an der E-Gitarre bemerkbar ist. Statt übertrieben hart ans Werk zu gehen, unterlegt die Akustikgitarre den Song wunderbar und mündet in einem instrumentalen Part, in dessen Metal-nahem Riff nun plötzlich die Streicher die fehlende Rolle übernehmen. „Das Stimmlein“ dreht sich textlich um Respekt vor anderen und die Tatsache, dass das Individuum erst in der Gruppe voll aufblühen kann. Dazu besorgte man sich Unterstützung von Eric Fish (Subway to Sally), Sven Friedrich (Zeraphine) und Thomas Linder (Schandmaul). Die Zusammenarbeit in gerade diesem Song ist kein Zufall: „Uns war es sehr wichtig, Künstler dabei zu haben, vor denen wir auch Respekt und Achtung haben. Es ging nicht vordergründig um Promotion, sondern um ein Statement innerhalb der Szene“. Der fertige Song ist fröhlich und erinnert trotz musikalisch anderer Ausrichtung irgendwie an die bekannteste Hymne der Band: „Rapunzel“ (Das Spiel, 1999). Mit „Mein Herz“ und „Agonie“ folgen weitere Ohrwürmer und den Ausklang bildet schließlich „Silber im Stein“, der ruhigste und mit sechs Minuten auch längste Song der CD. In einen fast progressiven, klassischen Part übergehend, stellen Cello, Violine und Gitarre noch einmal ihr Können unter Beweis und beenden ein in sich perfekt harmonierendes Gesamtwerk.

Trotz der neuen Besetzung und der Klasse der älteren Veröffentlichungen, die es zu überbieten galt, haben sich die sieben Musiker hier musikalisch selbst übertroffen. Harmonischer, stimmiger und gefühlvoller als zuvor präsentieren sich die 13 Songs, die eine Gesamtspielzeit von knapp über 50 Minuten erreichen und kaum Aussetzer aufweisen. Trotz kurzer Eingewöhnungsphase scheinen die Neubesetzungen mehr als gefruchtet zu haben. Die Letzte Instanz tritt mit „Ins Licht“ eindrucksvoller denn je an die Öffentlichkeit zurück und legt ihr bis dato bestes Album vor!

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