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Letzte Instanz: Im Auge des Sturms

Solides Album ohne wirkliche Akzente
Wertung: 5,5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 51:17
Release: 29.08.2014
Label: Drakkar

Zwei Jahre nach Abschluss der Trilogie „Schuldig, Heilig und Ewig“ haben die Brachialromantiker Letzte Instanz wieder ein neues Album am Start. Schon kurz nach Erscheinen des letzten Teils, wurde bekanntgegeben, dass das neue Werk sich wohl stark von allem zuletzt Gehörten unterscheiden wird. Diese vollmundige Ankündigung und die Tatsache, dass sich Anfang des Jahres mit Holger Lieberenz eins der letzten Gründungsmitglieder vom Acker machte, ließ die Spannung auf den neuen Output steigen. Wenngleich diese, aufgrund der beiden Fakten, mit etwas Skepsis einherging.

Wer jetzt meinen könnte, es stehen bei den Dresdnern nun die Zeichen auf Sturm, hat sich allerdings kräftig getäuscht. Der Titel „Im Auge des Sturms“ ist tatsächlich optimal gewählt, denn wie auch im Mittelpunkt eines Sturms Ruhe herrscht, bewegt sich dieses Album größtenteils in gemäßigten Gefilden. Glücklicherweise gibt es aber auch einige Ausbrüche aus der gemächlichen Gangart, welche sich allerdings auch als bitter notwendig erweisen. Haben die Dresdner in der Vergangenheit schon oft genug bewiesen, dass sie durchaus Balladen gewachsen sind, wirkt hier ein Großteil einfach nur langweilig und flach. Schon der Start mit „Alles anders“ wird zum ersten Belastungstest, dies ändert sich leider auch bei den kommenden Songs nicht. „Traum in Traum“ wirkt in den ersten Sekunden etwas hörenswerter, zumal hier die Streicher gut in den Vordergrund treten, jedoch wird auch dieser Titel wieder von einem Grundproblem des Albums eingeholt: der gesanglichen Leistung. Der gequält klingende und ständig lang gezerrte Singsang von Holly Loose ist höflich gesagt sehr anstrengend. Warum man die Titel auf diese Art und Weise interpretiert, bleibt völlig schleierhaft, zumal der Frontmann bisher diesbezüglich kaum auffällig wurde. Leider bleibt damit anzumerken, dass es eine gewisse Überwindung kostet, sich das Album ohne Unterbrechung zu Gemüte zu führen.

So wundert es eigentlich nicht, dass ausgerechnet die vier Instrumentalstücke zu den Highlights avancieren, was erfreulicherweise nicht nur der einsetzenden Entspannung der Gehörgänge zuzuschreiben ist. Die Dresdner präsentieren sich wieder als virtuose Musiker, die auch ohne technische Spielereien auskommen und damit auch ein Stück weit Authentizität auf die Scheibe bringen. Zwar sind auch diese Stücke größtenteils in sich ruhend, können jedoch in allen Belangen überzeugen und manch eines dieser Zwischenspiele hätte man sich gar noch etwas länger gewünscht.

Überraschender Weise erhält das Album gen Ende doch noch etwas Drive. Der unerwartete, wenn auch recht kurze Ausbruch bei „Koma“, kann immerhin schon etwas aus der Ohnmacht holen. Und zu „Nein“ ist man geneigt an Wunder zu glauben, denn hier rockt die Letzte Instanz wahrhaftig noch drauf los. Leider reißt dieser Wachmacher das Album nicht mehr heraus, zumal sich das abschließende „Zusammen“ auch nur als Durchschnitt darbietet. Immerhin kann man sich bei diesem Titel aber durchaus sicher sein, dass er unheimlich hohes Live-Potenzial in sich birgt.

Insgesamt können Letzte Instanz mit „Im Auge des Sturms“ wenig Akzente setzen. Viele Songs wirken, nicht zuletzt durch die oft recht durchschnittlichen Texte, flach und stellenweise uninspiriert. Das Ganze ist zwar gut eingespielt und produziert, hat aber wenig Potenzial, um zu einem mehrfachen Durchlauf der CD zu animieren. Hier bleibt nur zu hoffen, dass man den Sturm bald wieder außerhalb der Mitte verfolgt und aus der Mittelmäßigkeit des Albums heraustritt.

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