Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Letzte Instanz: Heilig

Mehr Rock, aber immer noch gut
Wertung: 8/10
Genre: Gothic Folk
Spielzeit: 53:20
Release: 01.10.2010
Label: Drakkar

Schuldig wird man Heilig – vielleicht ist das die Logik, nach der die Letzte Instanz die Benennung des neuesten Albums festlegte? Fakt ist jedenfalls, dass „Heilig“ den zweiten Teil der durch das letztjährige Album „Schuldig“ eingeläuteten geplanten Albentrilogie der Band darstellt.

Dass die beiden genannten Alben zusammen hängen, wird bereits bei der Betrachtung des Covers ersichtlich: Dieses stammt erneut von Ingo Römling, stellt aber hier statt des „schuldigen“ schwarzen Engels einen „heiligen“ Holly dar – ob nun allerdings die schwarze Schönheit oder die gezeichnete Version des Sängers mit verschlagenem Blick und Dämonenflügeln „heiliger“ oder „schuldiger“ aussieht, sei dahingestellt.

Doch interessanter als die optischen Kleinigkeiten des Albums sind mit Sicherheit dessen musikalische Aspekte: Zeichnete sich schon „Schuldig“ als das rockigste Album der bisherigen Bandgeschichte der Letzten Instanz aus, geht „Heilig“ noch etwas weiter in diese Richtung. Es rockt, allerdings bewegen sich die sieben Jungs, die seit dem Ausstieg des langjährigen Schlagzeugers Specki T.D. durch den ehemaligen Subway To Sally-Schlagzeuger David Pätsch hinter den Kesseln verstärkt werden, immer weiter Richtung Mainstream-Rock. Die Gitarren drängen dabei zumeist Muttis Stolzens Geige und Benni Cellinis Cello in den Hintergrund, die glatten, mitziehenden Riffs gehen leicht ins Ohr, lassen dabei auch durch das Fehlen jeglicher Ecken und Kanten in der Produktion oder im Songwriting selbst musikalische Tiefe vermissen.

Das also, was auf dem Vorgängeralbum fast nur durch den Song „Flucht ins Glück“ verkörpert wurde, findet sich auf „Heilig“ in weitaus mehr Liedern wieder. Zwar zeichnen sich alle Tracks an und für sich durch eine gute Qualität aus, das erste herausstechende Lied des Albums bildet allerdings erst „Atme!“, ein Song, der sich durch eine gewisse Dramatik auszeichnet – das an eine unbekannte Person gerichtete Flehen von Sänger Holly, zu atmen, wird durch eine starke musikalische Treibkraft untermalt und erhält so die angemessene Dringlichkeit.

Einen weiteren Höhepunkt von „Heilig“ bildet „Der Kuss“: Hier singt Holly nicht allein, sondern in weiblicher Begleitung. Der gefühlvollen Midtempo-Halbballade wird durch eben dieses Wechselspiel der Gesangsfarben eine auf dem Album sonst nicht zu findende gesangliche Dichte verliehen, untermalt von einem schon fast orchestral wirkendem Arrangement.

Eingängige Balladen insgesamt erweisen sich nach „Wir Sind Allein“ auf dem 2007er Album „Wir Sind Gold“ und „Wann“ auf „Schuldig“ auch auf „Heilig“ als eine große Stärke der Band: Wie das Vorgängeralbum wird auch das aktuelle Werk mit einer Ballade beschlossen. „Winterträne“ präsentiert sich dabei als sehr nachdenklich-melancholischer Song, der sich nach einem zarten Klavierintro zu einem kurzen, leise durch die elektrischen Instrumente untermalten Streicherintermezzo steigert, um wieder mit Klavier zu enden. Ein ruhiger Abschluss, der hängen bleibt.

Die Letzte Instanz liefert Qualität, das ist unbestritten. Auf „Heilig“ geht sie ihren zunehmend rockiger werdenden Weg weiter, was zwar etwas zu Lasten des experimentellen Sounds geht (ein Experiment wie etwa das deutsch-türkische „Der Garten“ vom ersten Album der Trilogie fehlt hier), aber immer noch hörenswert ist.

comments powered by Disqus

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen