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Let Me Fall: Devolution

Wer auf Ausraster steht, ist hier richtig
Wertung: 8/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 32:07
Release: 21.03.2020
Label: Eigenproduktion

Let Me Fall aus Waldshut-Tiengen sind bisher trotz deutlicher Metalcore-Affinität an mir vorbeigegangen, dabei hat der Fünfer bereits seit drei Jahren eine EP mit dem schönen Titel „Stop! Stop! It‘s Already Dead“ draußen. Mit „Devolution“ folgte nun bereits Ende März ein neues Scheibchen, auf dem es deftigen Metalcore zu hören gibt, der gottlob vermehrt auf Breakdowns und Shouts und tatsächlich nicht so sehr auf cleane Vocals setzt – eine Facette, mit der sich schon viele, eigentlich solide agierende Metalcorebands ordentlich blamiert haben. Der hier wütende Sänger Tomek macht seine Sache aber durchgehend gut, so viel sei schon mal gesagt.

Thematisch sind die Jungs eigentlich ziemlich gut am Puls der Zeit – Titel wie „Generation Tide Pod“ (wobei „tide pod“ die bunten kleinen Waschmittelkissen beschreibt, die sich einige Herren und Damen live im Internet einverleibt haben), „We Are The Plague“ oder auch schon der EP-Titel „Devolution“, der nahelegt, dass wir uns keineswegs nach oben entwickeln, zeigen eher die negativen, aber leider nicht gänzlich unrealistischen Seiten des derzeitigen Weltgeschehens auf.

Dabei steht vor allem das genannte „Generation Tide Pod“ als Opener ganz oben auf der Liste der Anspieltipps – nach dem kurzen Intro legt die Band sofort los, Sänger Tomek arbeitet sich hochmotiviert und hörbar angepisst durch die massiven Gitarrenwände, der Refrain mit seinen Samples und clean Vocals trübt dann nur minimal den Drive und die Mischung aus Shouts, Growls und fiesem Gekeife nötigt quasi dazu, die Einrichtung zu zerlegen. Gar nicht dumm vielleicht, dass man den Refrain als kurze Verschnaufpause konzipiert hat.

„B.O.B.D.“ steht dann für „Break Out, Break Down“ und klingt auch genauso – man kann erhobene Fäuste geradezu sehen, das Intro lädt zum harmonischen Headbangen ein und die einsetzenden harschen Vocals tun ihr Übriges. Auch hier kann man sich nicht hundertprozentig mit dem eingestreuten Klargesang anfreunden, dafür gerät der Refrain mit den gedoppelten Vocals und den hintergründigen Electrosamples mehr als gelungen. Zum bereits in den sozialen Medien gehypten „We Are The Plague“ haben sich die Schwarzwälder dann den Sänger der Melo-Deathcore-Truppe Impact Of Theia eingeladen – gemeinsam reißen Josh und Tomek den Laden ab, unterstützt von flirrenden Gitarren und tightem Drumming. Und: Ohne Klargesang.

Wer dann gegen Ende noch Energie zum Partymachen hat, kann sich den Doppelschlag abholen: „AlphOmega“ lädt erst zum Moshen ein, während das finale „Planet X (Paraklang Remix)“ in einem Dark-Electro-Club gar nicht so schlecht aufgehoben wäre. Der Song passt zwar reichlich wenig zum restlichen „Devolution“-Klangbild, kommt aber einzeln betrachtet zumindest tanzbar daher und erinnert ganz entfernt an Faithless.

Let Me Fall sollte man auf jeden Fall im Auge behalten, wenn man auf Metalcore steht. Live sicherlich eine Macht, überzeugt die Truppe auf Platte vor allem in den gnadenlos brutalen Songparts. Klargesang hat man zum Glück auch schon schlechteren gehört, hochfahren sollten die Herrschaften den Prozentsatz aber nicht unbedingt, denn „Devolution“ beherbergt einige wunderbare Ausraster, die es abzufeiern gilt.

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