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Leprous: Tall Poppy Syndrome

Opeth light ?!
Wertung: 6.5/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 63:06
Release: 19.06.2009
Label: Sensory Records

Endlich mal etwas Neues. Wie es die Arbeit an einem Online -agazin so mit sich bringt, lernt man ständig neue Bands kennen. Leider gewinnt man dabei den Eindruck, dass sich viele scheinbar nicht die Mühe machen, um sich mal nicht an den üblichen Verdächtigen ihrer jeweilligen Lieblingsgenres zu orientieren. Wenn es klassisch sein soll, schielt man zu Iron Maiden, Judas Priest oder generell nach Hamburg, wer es härter mag, blickt auf zum Thron von Morbid Angel oder Cannibal Corpse, die Doomheads....nun gut, ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Fakt ist, dass sich nur wenige Bands bisher an Opeth versucht haben. Dies wird nun mit Leprous und ihrem interessant betitelten Debüt „Tall Poppy Syndrome“ anders. Als Einflüsse nennen sie neben den Schweden noch Emperor, The Mars Volta sowie den progressiven Rock der 70er Jahre. Ein ziemlich weites Feld also, aber können die Norweger, die schon im Vorprogramm von Ihsahn unterwegs waren, daraus auch gute Musik machen?

Nun, das ist etwas schwierig zu beantworten. Fangen wir also ganz von vorne an: Die Produktion ist etwas steril, dafür sehr gut ausbalanciert, die Songs erstrecken sich gerne mal über acht Minuten lang und die Musiker an sich ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Die Opeth-Vergleiche erweisen sich gleich beim ersten Gesang als angebracht, denn Einar Solberg klingt wirklich wie ein kleiner Bruder von Mikael Åkerfeldt. „Kleiner“ Bruder übrigens deshalb, weil Solberg um einiges sanfter, man möchte sogar sagen poppiger, singt. Dazu passend ist auch die Musik mehr von Werken wie „Watershed“ inspiriert, wie der ruhige Opener „Passing“ belegt. Alles in allem klingt das Lied aber zu konstruiert, um wirklich die Seele zu berühren, wie es Opeth bei ihren Fans nahezu durchgängig schaffen.

Das Laut/Leise-Spiel der Band führt sich auch beim starken „Phantom Pain“ fort, das wohl den besseren Opener abgegeben hätte. Hier passen die Black und Death Metal-Gesangseinlagen wesentlich besser, die Breaks sind intelligenter gesetzt und sind ein nachhaltiger Beweis dafür, dass sich Leprous wohl so leicht in keine Schublade stecken lassen werden. Hier und da werden sogar Parallelen zu Devin Townsend und Disillusion deutlich. Ein guter Eindruck also, denn „Dare You“ noch bestärkt. Und das liegt nicht nur an der Hammond Orgel, was bei mir persönlich ja immer ein Pluspunkt ist. Nein, die Band jongliert hier so lässig mit sämtlichen progressiven Stilmitteln, dass wohl selbst die Altmeister von Pink Floyd wohlwollend mit dem Kopf genickt hätten. Das Beste an „Dare You“ ist aber die Tatsache, dass sich niemand durch übertriebene Solopassagen in der Vordergrund drängt und man sich lieber dem Song unterordnet.

Danach folgt als kleine Auflockerung ein Lied, dass es nicht mal auf 5 Minuten Länge bringt. „Fate“ ist eine Ballade, die man am besten schnell wieder vergisst. Zu kitschig ist das Klavier, zu vorhersehbar sind die Melodien und vor allem viel zu weinerlich ist der Gesang geraten. Leider macht „He Will Kill Again“ diesen Ausrutscher nicht wieder gut, denn die Band verzettelt sich völlig in ihren ganzen Ideen und lässt das Ganze eher wie einen Jam, denn wie ein in sich geschlossenes Lied klingen. Dieses Problem zieht auch durch den Rest von „Tall Poppy Syndrome“, wobei im Falle des Titeltracks noch akuter Hookline-Mangel hinzukommt. Ein weiterer Knaller wie „Dare You“ findet sich jedenfalls nicht mehr und gute Ideen wie den mittleren Teil von „White“, der wirklich ins Ohr geht, sind nur noch sporadisch auszumachen.

Fazit: Leprous haben Potenzial, wissen dieses aber (noch) nicht vollständig zu nutzen. Wenn sie im Songwriting Bereich noch etwas reifen und nicht mehr so deutlich an ihren Vorbildern Opeth kleben, sollte es aber mit ihren Zielen (wie auch immer die aussehen mögen) klappen. Fans der Schweden sollten natürlich in „Tall Poppy Syndrome“ reinhören und werden wohl nicht enttäuscht sein. Warum es dennoch nur so „wenig“ Punkte gibt? Nun, ich würde selbst einer Opeth-Platte nicht mehr als acht Punkte geben, da diese Band ein wenig an mir vorbeigeht. Und so verhält es sich dann eben auch mit ihren kleinen Brüdern Leprous.

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