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Leoniden: Leoniden

Ein überdrehtes, überschwängliches Album
Wertung: 7,5/10
Genre: Poppunk, Indie Rock
Spielzeit: 43:10
Release: 24.02.2017
Label: Two Peace Signs Records

Wahrscheinlich kennt jeder Rezensent das Problem: Soll man sich vor dem Schreiben des eigenen Reviews andere Bewertungen der Platte durchlesen, quasi um die allgemeine Stimmung zu testen, oder sich lieber vollkommen abschotten, um seine eigene Meinung nicht zu verwässern? Ich persönlich tendiere eher zu letzterem, im Falle der Kieler Leoniden war das aber schier unmöglich: Facebook quoll über vor Lobeshymnen, die Google-Suche zum Hintergrund der Truppe gestaltete sich schwierig, da man ständig über Lorbeeren stolperte. Da noch unvoreingenommen an die selbst betitelte Debütscheibe ranzugehen, gestaltet sich als Drahtseilakt.

Tatsächlich macht es der kunterbunte Fünfer dem Hörer gleich zu Beginn erstmal relativ einfach: “Nevermind” mausert sich ziemlich flott zum Ohrwurm und potentiellen Radiohit, allerdings mit – und das ist fast allen Songs auf „Leoniden“ gemeinsam – mit regelrecht pompösem Instrumentalteppich, der wie beim folgenden „1990“ auch schon mal mit Trommeln versehen ist, die an eine Parade erinnern.

Das ist überhaupt der größte Pluspunkt: Leoniden scheinen ihre Musik zu zelebrieren, nichts wirkt zufällig, aber alles leidenschaftlich. Der Sound an sich mag für diejenigen, die sonst eher zu härterem Sound greifen, gewöhnungsbedürftig sein, aber immerhin befinden wir uns hier im ohnehin nicht gerade hart zu nennenden Genre Poppunk bzw. unaggressiver Indie Rock – Scheuklappen haben hier also nichts verloren.

„Remote“ ist dann so ein Song, bei dem man eher versucht ist, weiterzuskippen; die elektronischen Samples, die wie ein verstörtes Akkordeon klingen, sind einfach eine Spur zu schräg, auch der überhastet anmutende Refrain rettet den Track nicht – dafür kann man sich bei „Sisters“ aber getrost genüsslich zurücklehnen, obwohl auch hier eher die elektronische Schiene gefahren wird; die auch schon bei „Nevermind“ eingesetzten Chöre geben dem Song noch den letzten Schliff, sozusagen das Sahnehäubchen, und verleihen dem Stück wesentlich mehr Weite als es die elektronischen Einsprengsel gekonnt hätten.

Auch aus „City“ machen Leoniden einen astreinen Tanzflächenfüller, der durch weiblichen Gesang ein bisschen ausgebremst wird und wesentlich weicher und unaufgeregter daherkommt als noch zu Beginn. Überhaupt haben die Kieler zum Teil einen recht überdrehten Stil, der auf Dauer ein bisschen anstrengend werden kann – da muss man schon ganz besonders euphorisch sein, um die Dreiviertelstunde am Stück oder sogar mehrfach genießen zu können.

Nach Ende der Laufzeit kann man sich ein Grinsen nicht so richtig verkneifen. Leoniden klingen genauso wie man sich eine Band wünscht, die ein Debütalbum herausbringt: leidenschaftlich, überdreht und irgendwie auch dankbar, diese Art von Musik machen zu können. Geschmackssache? Klar, vor allem Jakobs Gesang mag sicherlich nicht zu jeder Sekunde gefällig wirken, aber das haben die Jungs auch gar nicht im Sinn. Da wird zwischen Electro-Einflüssen, Indie, Pop und Emo hin und her gewechselt, teilweise kann man gut Anleihen an Bands wie Alesana erkennen („Eleven Hands“); die ganz große, dauerhafte Euphorie will sich bei dem Album als Ganzes aber nicht unbedingt beim Hören einstellen. Dennoch: Leoniden bleiben hauptsächlich positiv im Gedächtnis!

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