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Leichenwetter: Legende

„Sturm und Drang“-Menü Iserlohner Art
Wertung: 6/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 54:58
Release: 15.10.2010
Label: Echozone

Die satten Stakkato-Gitarren, die teutonisch stampfenden Beats, die Sprachgewalt des Sängers... das ist streckenweise schon recht ähnlich. Wer Leichenwetter zum ersten Mal hört, kommt wohl um den Vergleich mit der einen deutschen Band mit dem übergroßen „R“ nicht herum.

Allerdings gehen Leichenwetter weiter. Gerade auf instrumentaler Ebene hebt sich das Quartett aus Iserlohn wohltuend aus dem Heer von Lindemann-Kapellen-Klonen ab. Wo Du-weißt-schon-wer bei den Keyboardparts auf Synthetik setzt, gehen Numen, Dawe, Rawen, Doc.Bawin und Der Voigt vor allem orchestral vor. Und auch, wenn die pompösen Chöre, Streicher und Bläser keine echten sind, so muss man ihnen zumindest attestieren, dass sie hier sehr gute Samples benutzen. Und da „Rockband meets Symphonie-Orchester“-Konzerte dank „Night Of The Proms“ und ähnlichen Veranstaltungen anscheinend auch nie aus der Mode kommen, vermitteln die Wetteranen somit einen überaus guten Eindruck der Show – egal, ob und wo sie eines Tages über die Bühne gehen wird. Und wo symphonische Parts bei anderen Interpreten oftmals benutzt werden, durch leere Dopplungen und Schichtungen darüber hinweg zu täuschen, dass es den einzelnen Songs an Substanz fehlt, übernehmen die „Klassiker“ melodisch wie harmonisch einen eigenständigen Teil der Album-Instrumentierung. Hinzu kommen über das Album verteilt Details wie das rasante Violinensolo im „Chor der Toten“ von Conrad Ferdinand Meyer oder Ambient-Soundflächen zu pulsierenden Beats. So gesehen spiegelt diese Klangfülle sehr gut die Zeit wider, in der viele der Texte zum Album entstanden sind: Stürmer und Dränger wie Goethe oder Romantiker wie Brentano und Heine, um nur einige zu nennen.

Dabei belassen Leichenwetter es nicht bei einer bloßen Vertonung der alten Werke, sondern veranschaulichen auch deren Aktualität. „Die Beschwörung“ (Original: Heinrich Heine) zeichnet das Bild eines Mönchs, der sich im Exil seiner Klosterzelle den Trieben hingibt. Brisanz bekommt der Track durch Nachrichten-Einspieler der letzten Monate zu den Kindesmissbrauchs-Vorwürfen gegen katholische Priester. Ein nüchterner Kontrast zum allgemein herrschenden klanglichen Bombast, der aufhorchen lässt.

Im „Erlkönig“ hingegen - Goethes Beitrag zu sexuellem Missbrauch - offenbart sich eine der entscheidenden Schwächen des Albums: Der Düsternis halber mag ein gewisser Hang zur Dramatik zuweilen ganz eindrucksvoll sein, aber ein über längere Strecken zelebrierter Pathos überrennt den Hörer wie der arme, durch den Wald gescheuchte Gaul, mit dem der Vater seinen ächzenden Sohn transportiert. Zum Vergleich sei die technoide „Erlkönig“-Version von Hypnotic Grooves (feat. Jo Van Nelsen) empfohlen, die die wirklich bedrohliche Seite des linkischen Verführers durch eine einzige Zeile transportiert. In Van Nelsens düster gerauntem „... so brauch ich Gewalt“ liegt nachhaltiger Schauer, wo Numen den kompletten Vers zum brachialgewaltigen Refrain erklärt, dessen Wirkung sich mit jeder Wiederholung mehr abnutzt. Nicht gerade zuträglich ist zudem Numens Hang zum theatralischen Vibrato in der Stimme, das für ein bis drei Stücke noch Erhabenheit vermittelt, aber spätestens zur Hälfte anstrengend wird. Das zeigt sich nicht zuletzt in „Out Of The Dark“, das sich instrumental zwar gut in das Leichenwetter'sche Klangkonzept einfügt, aber verliert, wenn es um den Vergleich mit Falcos wienerischer Coolness geht.

„Weniger ist mehr“ - eine abgegriffene Floskel, weil für Außenstehende allzu einfach herangezogen. Gilt leider auch für „Legende“. Für künftige Alben sei der Band mehr Mut zur Abwechslung angeraten. Sonst geht es manchem Hörer wie dem siechenden Filius, der von der Hetzerei erschöpft das Ende des Ritts bzw. des Albums nicht mehr miterlebt.

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