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Legion Of Gomorra: Till Death Defeats Us

Gitarre und Gesang in moshendem Einklang
Wertung: 8.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 41:46
Release: 05.11.2010
Label: Eigenproduktion

Line-Up-Wechsel sind in jeder Band eine blöde Situation, aber wenn der erste Sänger einer jungen Combo im zarten Alter von nur 17 Jahren an Krebs stirbt, ist das natürlich eine ganze Spur heftiger als schnöde Wechsel aufgrund „musikalischer Differenzen“ und ähnlichem Quatsch. Da ist dann nicht nur mit dem Verlust eines guten Musikers zu kämpfen, den es zu ersetzen gilt, sondern auch mit der Tatsache, einen guten Freund verloren zu haben – eine kaum vorstellbare Tragödie, die man sicherlich niemandem wünscht.

Legion Of Gomorra aus dem Ruhrgebiet haben sich wieder aufgerappelt und sind nun bereit, die Death Metal-Szene mit ihrem massiven Sound über den Haufen zu werfen. Bereits Ende 2007 gab es mit „Silence“ das erste Demo auf die Ohren, das aber nur im kleinen Kreis veröffentlicht wurde. Jetzt wird mit „Till Death Defeats Us“ nachgelegt – neun Songs zwischen treibenden Riffs und fiesen Growls, inklusive dem grandiosen „Freedom War“, das dem verstorbenen Sänger Julian gewidmet wurde.

Bevor es aber zu diesem Requiem kommt, hauen uns die Vier erstmal einen Fünfminüter um die Ohren: „Spectre Of Perception“ huldigt ein bisschen den alten Haudegen der Achtziger, bevor die zweite Gitarre frischen Wind in den Song bringt. Eingeleitet von knackigen Doublebassattacken grunzt beziehungsweise keift sich dann Sänger und Gitarrist Stefan durch den Track, wobei ich ehrlich sagen muss, dass mir letztere Art der stimmlichen Untermalung hier um Längen besser gefällt. Zwar kann man hier gewisse Deathcore-Anleihen nicht überhören – man achte nur mal auf die angedeuteten Breakdowns –, allerdings klingen LOG zu traditionell für eine Core-Combo. Dass die Jungs nicht nur drauflos knüppeln, sondern auch die etwas gemäßigtere Schiene fahren können, beweist dann das Instrumental bei „Wail Of The Forgotten“, das sich erst mit einer gezupften Gitarre voranschleicht, bevor dem Hörer ein enthusiastisches Solo um die Ohren gehauen wird. Schöne Sache.

„Auf Die Freiheit“ fällt dann allein schon wegen des deutschen Textes aus dem Rahmen. Auffällig hierbei ist vor allem, dass Stefan wie eine angepisstere – und, naja, erwachsenere - Version des Callejon-Sänger Bastian klingt. Eine großartige Dynamik macht sich bei dem Track breit, der von flirrenden Gitarren und einem schönen, präzisen Drummung unterfüttert wird und unser aller Vocalmaster kotzt sich so richtig schön deftig aus – bei Textzeilen wie dem völlig wütenden „Einigkeit und Recht und Freiheit – ich kann es nicht mehr hörn“ will man dem Mann nur auf die Schulter klopfen und laut rufen „Ja, du hast so Recht!“ Ein großartiger Song, der live sicherlich das Publikum durchschütteln wird und den man einfach immer wieder hören kann, ohne dass er auch nur entfernt langweilig wird.

Bei „The Inner Hell“ werden dann erstmal die Akustischen ausgepackt und es ist immer wieder schön, wie zwei Instrumente in solch völligem Einklang miteinander harmonieren. Natürlich wird schon bald auf Elektronik umgestiegen und ein fast Stadionrock-mäßiges Intro aus dem Hut gezaubert, woraufhin vokalistisch wieder ordentlich drauflos geprescht wird. Die Jungs verlieren wirklich keine Zeit, um zu beweisen, was sie todesmetallisch draufhaben. Headbanger dürften sich hier ein zweites Loch in den Hintern freuen, denn die kompletten fünf Minuten 21 Sekunden abzüglich des Akustikintros sind geradezu prädestiniert dazu, sich die Haare mal wieder ordentlich zu lüften.

Auch das bewegende „Freedom War“ startet akustisch, wenn auch eine Spur tiefer angesetzt als bei „The Inner Hell“. Dem Hörer bleibt fast das Herz stehen, als Stefan dann nach mehr als einer Minute plötzlich wie ein Derwisch aus der Versenkung auftaucht und kräftigst losbrüllt – wow! Der Titeltrack als Rausschmeißer wird einem nach so einem Track natürlich regelrecht vor den Latz geknallt, schön mit Breakdowns und Headbang-Garantie. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann natürlich das großartige Zusammenspiel von Gitarre – richtig geil hier das kurze kreischende Solo bei einer Minute und vierzig Sekunden! – und dem Gesang, der ja auf der ganzen Platte schon in anderen Sphären schwebte. Hier hat man also einen mehr als würdigen Abschluss gefunden für eine Platte, die zwar keine unglaublichen Experimente beinhaltet, aber durch die schiere Qualität der teilhabenden Musiker eine hohe Wertung verdient. Jedes einzelne LOG-Mitglied beherrscht sein Instrument nahezu in völliger Perfektion und das alles verbindet sich zu einem großen Ganzen, das man sich wahrlich öfter als ein paar Mal anhören kann.

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