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Left Spine Down: Fighting For Voltage

Etwas anstrengender, dennoch tanzflächenkompatibler Brachialsound
Wertung: 7.5/10
Genre: Cyberpunk
Spielzeit: 143:53
Release: 16.10.2009
Label: Danse Macabre

Cyberpunk klingt genauso, wie man es sich vorstellt: ein bisschen Cyber, ein bisschen Punk. Ganz so einfach ist das natürlich nicht, aber auch der Begriff Cyberpunk an sich ist nicht ganz leicht zu definieren – ursprünglich als Sci-Fi-Genre bekannt, streckt Cyperpunk seine Fühlerchen inzwischen in die Bereiche Kunst und Musik aus, ohne Rücksicht auf Verluste. Im speziellen Fall der Kanadier Left Spine Down klingt das, als habe man Nine Inch Nails, eine besoffene Punkband und Front Line Assembly in einen Raum gesperrt, wo die Betreffenden dann aufeinander eingeprügelt haben – harshe Electrosounds verbinden sich mit rotzigem Punk-Gekeife, EBM-mäßig verzerrtem Gesang und Industrial-Klängen, wie man sie beispielsweise von Killing Joke oder Ministry kennt. Klingt kompliziert, ist auch mindestens ebenso anstrengend anzuhören. Der Vergleich mit Front Line Assembly fällt übrigens nicht zufällig, wenn man weiß, dass Jeremy Inkel, der zurzeit bei der Electro-Industrialcombo tätig ist, auch bei Left Spine Down seine Finger im Spiel hat.

Trotz des chaotischen Sounds haben sich LSD, so die bravouröse Abkürzung des Bandnamens, ordentlich Mühe gemacht, gibt es doch zumindest in der deutschen Version nicht nur das neue Album „Fighting For Voltage“ auf die Ohren, sondern mit „Voltage 2.3  Remixed & Revisited“ auch gleich noch eine Remix-Bonus-CD dazu. Wer mich kennt, weiß: Ich bin alles andere als eine Freundin von Remixen, weil die meisten einfach unnötige Zeit- und Materialverschwendung sind. Tatsächlich weiß in diesem Fall die Mischmaschplatte der Jungs allerdings fast besser zu gefallen – ein wenig mehr Abwechslung wird hier geboten, außerdem eine bizarr-lustige Coverversion von Nirvanas „Territorial Pissings“, bei der der gute Kurt sicher im Grab rotieren würde, zumal beispielsweise die Latin Metaller Ill Nino den Song schon wesentlich besser neu verputzt haben.

Befassen wir uns zuerst aber mit der regulären Scheibe, die ohnehin mit 14 Songs plus je einem Intro und Outro schon vollgepackt genug ist. Industrialrock wird bei „U Can’t Stop The Bombardierung“ serviert, Ohrwurmcharakter inklusive – eine Ausnahme übrigens bei den Songs von Left Spine Down. Etwas zu schnell zum Tanzen ist der Song zwar, macht aber trotzdem ordentlich Laune. Immer wieder blitzen punkige Fragmente auf, die die Songs durchaus nach vorne bringen würden, wären sie nicht die meiste Zeit mit penetranten Störgeräuschen oder elektromusikalischen Versatzstücken vermischt, die nicht nur Ohren und Hirn überanstrengen, sondern den einzelnen Stücken auch die Eigenständigkeit nehmen. Trotzdem dürften Tracks wie „Prozac Nation“ oder „Last Daze“ recht bald zu den Klassikern auf den Dancefloors gehören.

Wie gesagt fällt die LSD-Remix-Platte etwas spannender, dafür aber fast genauso chaotisch aus. Die Auswahl der beiden Coversongs von Nirvana und Joy Division beschreiben an und für sich ganz gut die musikalische Ausrichtung des Quartetts zwischen Electro und Geschredder – für die Remixe zeigen sich, das muss man der Band lassen, die ganz großen der Szene verantwortlich, unter anderem KMFDM, The Birthday Massacre und Tim Skold (ex-Marilyn Manson-Bassist). Überzeugen können hier vor allem der recht harte „Reset (Melt Mix)“, sowie das sehr Drum’n’Bass-lastige, aber irgendwie chillig anmutende „Hang Up (Cracknation Mix)“. Sehr cool, weil rotzig-punkig kommt auch „Welcome To Future“ daher, bei dem die Electro-Garagen-Mentalität wieder im Vordergrund steht und ordentlich vorantreibt. Das wohl interessanteste Stück beider Scheiben ist der sogenannte „Funland Mix“ von „Last Daze“, den ich jetzt mal ganz unvoreingenommen dem Damen und Herren von The Birthday Massacre zuschustern würde – der weibliche Gesang klingt nämlich allzu sehr nach deren Frontschnittchen Chibi. Die gekeiften männlichen Vocals im Hintergrund geben dem Song eine Würze, die ihn zum absoluten und unbestreitbaren Höhepunkt der Doppel-CD macht. Genial, Gänsehaut ist vorprogrammiert!  

Ein Fazit fällt hier naturgemäß zwiespältig aus – einerseits ist das Debütalbum der Kanadier durchaus eine interessante Achterbahnfahrt durch die Höhen und Tiefen des Cyberpunk, andererseits fehlt aber ein klein wenig Abwechslung. Immerhin, und das kann man nicht über viele Electro-Bands sagen, klingen zumindest die meisten Remixe nicht nach den Originalen, sondern sind eigenständige Kreationen geworden, allen voran natürlich besagter „Funland Mix“, den man sich wirklich in Dauerrotation anhören kann. Insgesamt ist auf „Fighting For Voltage/Voltage 2.3  Remixed & Revisited“ durchaus der ein oder andere Tanzflächenfüller enthalten, der auch in der eigenen vier Wänden eine hörbar gute Figur macht.

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