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Led Zeppelin: Presence

Brillant, aber schwer zugänglich
Wertung: 10/10
Genre: Heavy Rock, Bluesrock, Hard Rock
Spielzeit: 44:27
Release: 31.03.1976
Label: Swan Song Records

Dass „Presence“ in einer Phase entstand, in der die Band mit persönlichen Problemen und Schicksalsschlägen zu kämpfen hatte (insbesondere Robert Plant, der einen schweren Autounfall hinter sich hatte, bei dem seine Frau und seine Kinder verletzt wurden, und er selbst sich einen Knöchel brach), ist dem Album zu jeder Sekunde anzumerken.
Lyrisch geht es nicht mehr um Mädchen mit Blumen in ihren Haaren, scherzhafte Sexualmetaphern und Eskapismus, vielmehr wurden die jüngsten schmerzhaften Ereignisse therapeutisch in den Texten verarbeitet.
 
Doch auch musikalisch zeigen Led Zeppelin eine deutliche Kursänderung: „Presence“ wirkt schwermütiger und nachdenklicher und ist das einzige Album in der Discographie, bei dem keine Akustikgitarren und keine Keyboards verwendet wurden. Das scheint die Sache etwas straighter zu machen, andererseits aber wirkt die Scheibe beim ersten Hören dadurch nicht sonderlich eindrucksvoll, da alles gleich zu klingen scheint – gerade, da man sonst doch die enorme stilistische Bandbreite der Band gewohnt ist. Erst wenn man sich ein bisschen mehr mit der Platte befasst hat, wird deutlich, dass „Presence“ keinen Deut schlechter ist als irgendein anderes Zeppelin-Album. Das Werk entstand außerdem unter unglaublichem Zeitdruck; in nur 18 Tagen wurde alles aufgenommen und abgemischt. Jimmy Page arbeitete wie ein Tier und hielt sich mit Aufputschmitteln wach; diese Erinnerung und dieser Druck ließ ihn in einem Interview einmal erklären, „Presence“ sei sein Favorit unter den neun Studioalben Led Zeppelins.
 
Der zehnminütige Opener „Achilles Last Stand“ ist sowieso einer der bekanntesten und besten Songs der Briten; phantastisch galoppieren Bass und Schlagzeug durch den Track wie der Titelheld in den griechischen Sagen auf seinem Pferd und Jimmy Pages Gitarren scheinen von überall herzukommen. Wie schon mit „The Song Remains The Same“ hat er hier ein weiteres Fanfaren-artiges Gitarrenepos kreiert, das besonders unter Kopfhörern seine Wirkung so richtig entfaltet. Sämtliche Overdubs nahm Page in einer einzigen Nacht auf – kein Wunder, dass er das Stück mal als seinen Lieblingssong von Led Zeppelin bezeichnet haben soll.

Im zähen, aber nach mehreren Durchläufen immer mehr wachsenden und daher sehr starken „For Your Life“ verarbeitet Plant ein Groupie-Abenteuer, genauso wie im rhythmisch bestechenden, kurzen „Royal Orleans“, wo die bekannte Anekdote von John Paul Jones mit einem Transvestiten thematisiert wird. 

Weitere Highlights der Platte sind der von seinen Spannungspausen lebende Blues „Nobody’s Fault But Mine“, bei welchem Robert Plant mit hervorragendem Gesang und einem exzellenten Mundharmonikasolo glänzt (umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass er wegen der Verletzung durch den Autounfall sämtliche Gesangsparts im Sitzen aufnehmen musste), und der finale, melancholische Song „Tea For One“, bei dem einen Bonhams permanentes Bearbeiten des Ride Becken und Pages verloren klingende Gitarrenläufe plus schwelgerischem Endlos-Solo zu einer vernebelten Reise ohne Rückkehr einladen. Mit über neun Minuten fast so lang wie „Achilles Last Stand“, kann man sich in dieses Stück wunderbar fallen lassen.

„Candy Store Rock“ und „Hots On For Nowhere“ mit seinem zugedrogten Gitarrensolo werden dagegen gerne mal übersehen, sind allerdings ebenfalls äußerst hörbare Stücke, die sich gut ins Gesamtbild einfügen.

Fazit: „Presence“ nimmt in der Zeppelin-Discographie eine Ausnahmestellung ein, da es sich – auch wenn eh kein Zeppelin-Album wie das andere klingt – doch deutlich von den restlichen Platten unterscheidet und im Prinzip sogar das schlüssigste darstellt. Für mich ist es ein Meisterwerk, das wohl gerade wegen der extremen Arbeitsbedingungen so gut geworden ist. Songschreiberisch gibt es wieder mal nichts zu meckern, die Höchstnote ist zwangsläufig.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann