Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Led Zeppelin: Physical Graffiti

Doppelalbum ohne Ausfälle
Wertung: 10/10
Genre: Heavy Rock, Bluesrock, Folk Rock
Spielzeit: 82:42
Release: 24.02.1975
Label: Swan Song Records

Obwohl Led Zeppelin sich kaum eine Pause gönnten und ständig auf Tour waren, hatten sie 1974 so viel Material beisammen, dass es für einen Doppeldecker reichte. „Physical Graffiti“ ist der nächste Beweis für Einflüsse aus verschiedensten Musikbereichen, locker werden Rock-, Blues-, Country-, Folk- und psychedelische Elemente vermischt, ergänzt durch einen Schuss indisch-orientalische Harmonien, mit denen die Band so gerne spielte.

Immerhin 15 Songs sind auf dieser Doppel-LP untergebracht und doch gibt es erneut praktisch keine Ausfälle zu beklagen. Es ist schon erstaunlich, wie es Led Zeppelin immer wieder gelungen ist, trotz Stilvielfalt und Experimente immer auch aufs Songwriting zu achten und stets Qualität abzuliefern. 

Schon die erste Platte ist die reinste Entdeckungsreise – überall lauern versteckte Details, die erkundet werden wollen. Los geht’s mit dem rotzigen Heavy-Blues „Custard Pie“, bei dem Page stoisch und kompromisslos ein dreckiges Riff auskotzt, während dazu Robert Plant die Mundharmonika heulen lässt. Ein nicht unbedingt spektakulärer, dennoch guter Auftakt.

Das danach erklingende „The Rover“ wurde bereits in Bron-Yr-Aur während der Sessions zu „Led Zeppelin III“ geschrieben und war ursprünglich als Akustikstück gedacht. Erst für „Houses Of The Holy“ wurde es wieder ausgegraben, überarbeitet und aufgenommen, letztlich jedoch nicht verwendet, weil es nicht recht zu den anderen Tracks passen wollte. An mangelnder Qualität kann es bei diesem besonders im Refrain mit sehr schönen Gitarrenmelodien ausgestatteten Rocksong über Wandern und Fernweh wohl nicht gelegen haben, ohnehin allerdings darf das Wort „Outtake“ im Falle von Led Zeppelin bestimmt nicht als negativ angesehen werden.

„In My Time Of Dying“ ist mit elf Minuten und vier Sekunden der längste Song, den die Engländer je geschrieben haben und führt einen in den tiefsten Süden Amerikas. Ein texanischer Blues voll Schmutz und Hitze, bei dem Jimmy Pages Slide-Gitarre wie eine Schlange im Wüstensand kriecht und bei dem Robert Plant in der explosiven Endphase ziemlich untypisch den Messias der Christen anruft.

„Houses Of The Holy“ ist – wie der Titel bereits verrät – ein weiteres Outtake des Vorgängers, das „The Rover“ nicht ganz das Wasser reichen kann, dennoch ebenfalls einen gutklassigen Song markiert. Das allerdings ist nur der Auftakt zum furiosen Finale der ersten Scheibe: Mit „Trampled Under Foot“ hat die Band ein richtig geil funky groovenden Hit am Start, der schnell seinen Weg in die Setlist und an eine Spitzenposition der Beliebtheitsskala bei den Fans fand. Das folgende „Kashmir“ jedoch setzt dem noch mal einen drauf: Bei den meisten Bandmitgliedern als ihr Lieblingssong von Led Zeppelin genannt, muss man dazu nicht mehr viel sagen. Ein überirdisches Riff, ein voller Wehmut und Sehnsucht klingendes Finale mit indischen Klängen und einem ekstatischen Plant, der immer wieder „let me take you there“ singt – obgleich nie einer aus der Band jemals in Kaschmir war.

Die zweite Platte von „Physical Graffiti“ ist nicht minder interessant und nicht weniger vielseitig, wenn vielleicht auch etwas schwerer zugänglich. 
Das gilt schon mal für den psychedelischen Brocken „In The Light“, der zunächst düster vor sich hinbrodelt und erst am Ende wunderbar aufhellt – musikalisch ganz großartig gemacht, transportiert der Song letztlich eine positive Botschaft: „everybody needs a light“.

„Bron-Yr-Aur“, ein kurzes, sehr schönes Stück für Akustikgitarre, leitet dann zum wundervollen Country-Blues „Down By The Seaside“ über. Eine unheimlich relaxte Stimmung, die bei diesem von smoothen E-Piano-Klängen getragenen Stück herrscht.

Doch es kommt noch besser: „Ten Years Gone“, bei dem Page nicht weniger als 14 Gitarrenspuren übereinander legte, ist Roberts Erinnerung an die erste Liebe und voller ehrlichem Herzschmerz. Led Zeppelins Talent, herrliche Balladen zu schreiben, kommt hier einmal mehr ganz stark zum Vorschein. Sicherlich einer der schönsten Zeppelin-Songs, bei dem John Paul Jones live gar ein dreihälsiges Instrument spielte, das Gitarre und Mandoline kombinierte.

Aufgelockert wird die Stimmung dann wieder mit dem Hammondorgel-Kracher „Night Flight“, dem schön rockenden „The Wanton Song“ und „Boogie With Stu“, wo die Band von Stones-Pianist Ian Stewart unterstützt wird.

Der vorletzte Song „Black Country Woman“ bietet einen glänzenden Songaufbau, besonders, was das Schlagzeug angeht. Das Stück selber wurde selten live gespielt, nur manchmal als Medley zusammen mit „Bron-Yr-Aur-Stomp“.

Beschlossen wird „Physical Graffiti“ schließlich mit dem großartigen Rocker „Sick Again“, den Robert den Teenie-Groupies von Los Angeles widmete – von ihm im Song „L. A. Queens“ genannt. Geiles Abwärts-Riffing im Chorus und eine eingängige Bassline.

Insgesamt kann ich auch auf Led Zeppelins sechstem Studioalbum keinen Makel erkennen, trotz zweier Platten. Vor dieser Leistung und dieser Vielfalt kann man nichts weiter tun als den Hut und zehn Punkte zu ziehen.

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend