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Led Zeppelin: In Through The Out Door

Jones übernimmt das Zepter
Wertung: 9/10
Genre: Heavy Rock, Bluesrock, Folk Rock
Spielzeit: 42:35
Release: 15.08.1979
Label: Swan Song Records

Bei „In Through The Out Door“, dem unfreiwilligen letzten Studioalbum von Led Zeppelin – sieht man mal vom posthum veröffentlichten „Coda“ ab – hatte vor allem John Paul Jones die Fäden in der Hand, auch wenn die Produktion wie immer Jimmy Page übernahm.
Doch der Name des Gitarristen fehlt erstmals in den Credits für das Songwriting; so werden bei „South Bound Saurez“ und „All My Love“ John Paul Jones und Robert Plant als Komponistenduo genannt und die breiten Synthie-Teppiche, von denen das Album zu einem Großteil durchzogen ist, sind selbstverständlich auf den Zeppelin-Tieftöner/Tastendrücker zurückzuführen.

Die Band zeigte sich einmal mehr visionär mit den teilweise poppigen Keyboardsounds, die in den Achtzigern zum Standard werden sollten. Solch kraftvolles Riffing wie beim majestätischen Eröffnungstrack „In The Evening“ beweist jedoch, dass man keinesfalls in seichte Sphären abgedriftet ist und immer noch weiß, wie richtig gerockt wird. 
Die großzügig verwendeten Synthesizer sind so etwas wie ein Vorgeschmack darauf, was man in den Achtzigern von Led Zeppelin noch alles hätte erwarten können. Die Gruppe war mit ihrer Kreativität noch längst nicht am Ende, was die Auflösung kurz nach „In Through The Out Door“ nur noch bitterer macht.

Was Led Zeppelin auch beweisen ist, dass sie sich nicht die Bohne darum scherten, was die aufkeimende New-Wave- und Punk-Welle von ihnen dachte. Bei denen waren sie als millionenschwere Rockstars natürlich verhasst und ihre Musik verpönt. Zeps Antwort auf Gerede von „Dinosaurier-Bands“ war ein für damalige Zeiten modernes Rockalbum, das Altes und Neues vereint und auch wieder jede Menge Raum für Experimente lässt.
Beim formidablen „Fool In The Rain“ wurden diesmal sogar Ausflüge in Samba-Gefilde gewagt und das über zehn Minuten lange „Carouselambra“ ist ein mit Trompeten-artigen, witzigen Keyboardsounds gespicktes, spaciges Epos, bei dem es einiges zu entdecken gibt.

Das kurze „Hot Dog“ dagegen ist zwar eine recht stimmungsvolle, tänzerische Rock’n’Roll-Nummer und sollte vielleicht nicht unbedingt bierernst genommen werden, kann aber trotzdem nicht so ganz überzeugen, zumal einige Gitarrenläufe (vor allem am Ende des Solos) ziemlich unsauber gespielt sind. Auch „South Bound Saurez“ ist sicher kein großes Highlight unter Led Zeppelins Songs, aber dennoch ein hörbares, ganz gut abgehendes Stück mit einer erfrischend klingenden Main-Melodie in der Gitarrenstimme und munteren Pianoklängen, das man so auch noch nicht von der Band gehört hat. 

„All My Love“ wiederum mag für einige etwas kitschig wirken, aber man sollte Robert Plants Hommage an seinen verstorbenen Sohn Karac Respekt zollen. Ich persönlich mag das Stück sehr gerne, Jimmys immer wieder melancholisch aufheulende Gitarrenlicks, Jones’ hervorragendes Synthesizer-Solo und der Part mit den wabernden Streichersounds und den Akustikgitarren – wunderschön. Trotzdem ist „All My Love“ ganz klar ein Zeppelin-Song von der Sorte „nicht jedermanns Sache“; ein Song, den man eben einfach mögen muss.

Erstaunlicherweise folgt als letztes Stück mit „I’m Gonna Crawl“ eine weitere Ballade. Aber, Freunde, was für eine! Ein Gänsehaut-Stück vor dem Herrn. Robert Plant wächst bei seinem leidenschaftlichen Gesang noch einmal über sich hinaus und Jimmy Page steigert sich in ein derart ekstatisches Solo, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Dieser herrliche Schmachtfetzen klingt tatsächlich wie der Schwanengesang einer großen Band – ein letzter Aufschrei voller Pathos, voller Schönheit und voller Leidenschaft. Bedauerlich, dass der Song es tatsächlich wurde; John Bonhams Tod im Jahre 1980 führte zum Zerfall der Band. Einer Band, die allerdings wohl auch – neben ihrem Erfolg und ihrer Musik – wegen dieses plötzlichen, unfreiwilligen Abgangs zur größten Legende der Rockhistorie wurde und die zahlreiche spätere Rock- und Metalbands beeinflusste. 

„In Through The Out Door“ jedenfalls ist ein erneut experimentierfreudiges Album geworden, mit dem sich viele nicht so recht anfreunden konnten und bis heute ihre Probleme haben. Mag sein, dass das Songwriting insgesamt nicht ganz so stark ist wie auf den Vorgängern, bei mir landet die Scheibe aber immer noch sehr oft im Player. 

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