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Led Zeppelin: Celebration Day

Natürlich kein Vergleich zu früher, aber trotzdem ein toller Gig und eine tolle Blu-ray
keine Wertung
Genre: Heavy Rock
Spielzeit: ca. 124 Minuten
Release: 16.11.2012
Label: Atlantic Records / Warner Music

Überall große Plakate an Bahnhöfen oder auf Litfaßsäulen, Werbespots im Fernsehen und sogar Kinoaufführungen vor dem Veröffentlichungstermin von „Celebration Day“ – anhand dessen wird deutlich, dass die Legende Led Zeppelin immer noch lebt, immer noch übermächtig groß ist und weiterhin einen immensen Einfluss auch auf die heutige Musikszene ausübt. Und als Anhänger von Rock und Metal freut man sich schon – so sehr man doch eigentlich immer darauf erpicht und stolz darauf ist, dass die Szene insgesamt nicht zu groß ist/wird –, wenn auch im Mainstreamprogramm zwischen bedeutungslosem Popgedudel und Castingshows endlich mal wieder ordentliche Mucke angekündigt wird.

Allerdings hat man ja weiß Gott lange genug auf den Release dieses Produkts warten müssen, schließlich fand das aufgezeichnete Londoner Konzert bereits am 10. Dezember 2007, also auch schon wieder vor fünf Jahren, statt. Zahlreiche, technisch teilweise gar nicht mal so üble Mitschnitte kursierten schon seit Längerem im Internet, doch rechtzeitig zur Weihnachtszeit erscheint „Celebration Day“ erst jetzt auf richtig professionellem Niveau.

Wer noch nie einen Livemitschnitt von Led Zeppelin zu ihren glorreichen Zeiten in den Siebzigern gesehen hat, bekommt bei diesem möglicherweise letzten Konzert überhaupt trotzdem eine Ahnung von ihrem damaligen Charisma und ihrer Bühnenpräsenz. Natürlich sind die Herrschaften älter geworden (auch Drummer Jason Bonham war bei der Aufzeichnung zumindest schon älter als sein Vater wurde), aber sie sehen immer noch unheimlich cool auf der Bühne aus und sind keineswegs zu Karikaturen ihrer selbst verkommen: Jimmy Page schlägt seine Gitarre immer noch dermaßen lässig an, Robert Plant ist mit seiner immer noch beneidenswert üppig vorhandenen Lockenpracht und seinen Bewegungen, die natürlich nicht mehr so pfauenhaft wie früher sind, nach wie vor eine absolute Rampensau und John Paul Jones auch heute noch einer der souveränsten Rockbassisten im Business sowie ein hervorragender Tastendrücker. Die Erwartungshaltung der Fans vor der Show und der Druck auf die Zeps müssen unmenschlich groß gewesen sein; dass Millionen Leute wegen Karten anfragten, von denen letztlich nur etwa 20.000 so glücklich waren, ein Ticket zu ergattern, spricht eine deutliche Sprache.

Von Druck sieht man jedoch nichts, die Altrocker haben spürbar Spaß auf der Bühne, lächeln und grinsen sich an und vor allem Jason genießt es sichtlich, all diese legendären Stücke mit den ehemaligen Mitstreitern seines Vaters performen zu dürfen („The greatest day of my life“), und auch wenn ein John Bonham niemals adäquat ersetzt werden kann, kommt er verdammt nahe an dieses Level heran und wenn einer die Vertretung für diesen fantastischen Schlagzeuger übernehmen darf, dann selbstverständlich nur dessen Spross. Eben weil sich die Gruppe 1980 nach dem tragischen Tod ihres Felleverdreschers dazu entschloss aufzuhören, bewahrte sie den Mythos, und eben deswegen flippt die Anhängerschaft auch komplett aus, als nur die ersten brachialen Akkorde des Set-Openers „Good Times, Bad Times“ (gleichzeitig Eröffnungstrack der allerersten Scheibe von 1969) durch die Arena schallen.

Mit einer durchgehend überzeugenden Vorstellung macht das Quartett den miserablen Auftritt vom Live Aid 1985 (falls daran überhaupt noch jemand denkt) mehr als vergessen, der allerdings ohnehin nie als wirklich offizielles Zeppelin-Konzert galt. Das geil rockende „For Your Life“ vom „Presence“-Album wird sogar zum ersten Mal überhaupt live dargeboten, wie Frontmann Robert Plant erklärt. Letzterer liefert eine starke Gesangsleistung ab – logisch, dass seine Stimme etwas verbrauchter klingt als früher, dafür singt er sehr kontrolliert und kann beispielsweise am Ende von „Since I’ve Been Loving You“ mit einem beeindruckenden Schrei glänzen; Stücke wie „The Song Remains The Same“ oder „Ramble On“ hingegen müssen dann aber doch tonmäßig etwas tiefer gelegt werden.

Das Bild ist scharf, der Ton superb – ein bisschen weniger Schnitte hätten es indes wohl sein dürfen und ob die zwischendurch eingefügten „Handy-mäßigen“ Filmschnipsel sein mussten, darüber lässt sich streiten. Wahrscheinlich wollte man so ein wenig Retro-Style mit in die Angelegenheit bringen, Erinnerungen an früher erwecken, und ich meine, man kann sich daran gewöhnen, zumal diese Schnipsel dahingehend bearbeitet wurden, dass es nicht lächerlich wirkt.

Apropos retro: Ganz so exzessiv soliert wie in den Siebzigern wird bei Stücken wie „No Quarter“ oder „Dazed And Confused“ dann nicht mehr (heutzutage ist ja auch nicht mehr die Hälfte der Konzertbesucher stoned und/oder auf Acid), und auch auf ein langes Schlagzeugsolo wird verzichtet, aber der Geigenbogen kommt bei letztgenannter Nummer natürlich trotzdem zum Einsatz, begleitet von einer supercoolen Lasershow. Bei „No Quarter“ spielt Page nichtsdestotrotz sein bestes Solo und auch Jones darf sich ein bisschen am Piano austoben, so dass das Stück eindeutig eines der Highlights des Auftritts bildet. Unbedingt nennenswert ist außerdem die sensationelle Performance von „Kashmir“, die die Band bekanntermaßen bereits als Appetizer zuvor ins Netz stellte, und „Stairway To Heaven“ ist einfach nur pure Magie – schon wenn Jimmy die ersten Töne auf seiner Doppelhalsgitarre spielt, kommt Gänsehaut auf.

Keine Frage, dass hier jeder Fan zuschlagen muss. Nicht nur dass die Show und die Setlist wirklich toll sind und das Produkt sowohl technisch als auch von der hübschen Aufmachung überzeugt, sondern man hat so auch einen interessanten Vergleich mit den Aufzeichnungen von früher, sofern man „DVD“ und „The Song Remains The Same“ ebenfalls im Schrank stehen hat, aber das dürfte wohl Formsache sein. Das Paket kommt wahlweise als Doppel-DVD/Doppel-CD- oder als Blu-ray/Doppel-CD-Bundle. Bonusmaterial ist nicht vorhanden, aber die Show alleine ist wahrlich aussagekräftig genug.

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